Verkehrsgerichtstag in Goslar "In dem Moment denken viele: Jetzt ist es aus"

Das erklärt, dass die allermeisten von Senioren verursachten Unfälle durch missachtete Vorfahrt oder beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren passieren. Versehen also. Nicht angepasste Geschwindigkeit, sonst die Unfallursache Nummer eins, spielt hier kaum eine Rolle. In den seltensten Fällen verursachen Senioren Unfälle wegen Überholfehlern oder Alkoholeinfluss.

Doch dem Psychologen Becker ist bewusst, warum vielen älteren Menschen der Abschied vom Autofahren so schwer fällt. "Manch einer fühlt sich persönlich abgewertet, und den Führerschein abzugeben, hat ja auch etwas Endgültiges", sagt Fritz Becker. Für Senioren, die in Städten mit einem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr leben, sei das noch erträglich. Schwieriger sei es für die Altersgenossen in ländlichen Regionen: "In dem Moment denken viele: Jetzt ist es aus."

Um die Konsequenzen abzuschwächen, sollten Angehörige älteren Familienmitgliedern ihre Hilfe anbieten, beispielsweise als Chauffeur. Grundsätzlich sei eine menschliche, abgestufte Vorgehensweise sinnvoll, meint Becker: "Am Anfang muss es über Kommunikation gehen. Man sollte das Thema behutsam zur Sprache bringen und abwarten, wie der andere reagiert. Zum Beispiel, indem man fragt: 'Du, hast du gerade bemerkt, wie eng das war?'"

Doch wenn reden nichts hilft, solle man auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschrecken. Etwa auch, die eigenen Kinder nicht mehr bei Oma und Opa mitfahren zu lassen? "Das mag sehr rigoros erscheinen, aber das wäre ein Mittel, das dem Betroffenen das Problem klar vor Augen führt."

Mit Material der dpa

Verkehrssicherheit Es ist unfair, Senioren Fahrtauglichkeits-Tests vorzuschreiben

Nach Unfall in Bad Säckingen

Es ist unfair, Senioren Fahrtauglichkeits-Tests vorzuschreiben

Statistiken zeigen: Ältere Menschen fahren nicht automatisch unsicherer als jüngere. Es gäbe andere Wege, den Straßenverkehr für alle sicherer zu machen.   Kommentar von Thomas Harloff