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Verkehr:Parkplatz-Sheriff zockte mit Kralle ab

Ein selbsternannter Parkplatz-Sheriff hielt in Augsburg mit einer Parkkralle Falschparker, aber auch Schwangere und Omas fest. Er muss lange in Haft.

C. Nohn

Manch einer stand erst eine Minute auf dem Parkplatz. Eine Großmutter wollte die Enkelin einsteigen lassen, eine hochschwangere Frau Medikamente in der Apotheke nebenan abholen - sie alle hatten im Nu eine Parkkralle am Auto und sollten 100 Euro und mehr zahlen, sofort und in bar.

Parkplatz-Sheriff Augsburg

Als sogenannter Parkplatz-Sheriff von Augsburg zockte Arthur Schifferer gnadenlos Autofahrer ab, die ihr Fahrzeug falsch geparkt hatten. Jetzt verurteilte ihn das Landgericht Augsburg zu einer mehr als vierjährigen Haftstrafe.

(Foto: Foto: Stefan Puchner)

Auch ein Feuerwehrauto im Einsatz steckte einmal auf dem wohl teuersten Parkplatz Augsburgs fest. Der Parkplatzwächter, der dort unter den Augen der Polizei jahrelang absahnte, ist nun zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Der Angeklagte spielt mit seinen Handschellen, rollt mit den Augen, schüttelt immer wieder den Kopf, als habe das Gericht ihn völlig falsch eingeschätzt. Doch der Vorsitzende Richter Claus Pätzel lässt keine Zweifel aufkommen, dass er überzeugt ist, worauf es dem als "Parkplatz-Sheriff" bekannt gewordenen Angeklagten ankam: allein aufs Geld.

Bereits seit einem halben Jahr sitzt der 31-jährige Arthur Schifferer in Untersuchungshaft, weil er Falschparker vor einem Augsburger Ärztehaus abgezockt haben soll. Nun ist klar, dass der Beschuldigte länger hinter Gitter bleiben muss: Wegen Erpressung, versuchter Erpressung, Beleidigung und Nötigung in insgesamt 23 Fällen hat ihn das Augsburger Landgericht am Montag zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Ein Mitarbeiter Schifferers erhielt wegen Erpressung und versuchter Erpressung in insgesamt 18 Fällen eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten.

Dabei stehen die verhandelten Fälle nur für einen kleinen Teil jener Konflikte, die sich im vergangenen Jahr am Geschäftsmodell des einstigen Kickboxers, Versicherungsmaklers und Privatdetektivs Schifferer entzündet haben. Der Angeklagte selbst nannte die Zahl 3000, Richter Pätzel ging zumindest von einer vierstelligen Zahl an Fällen aus, die die Justiz untersucht hat.

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