Verkehrsschau Sicherheit geht vor

Hinter jedem einzelnen Schild steht eine "verkehrsrechtliche Anordnung" der zuständigen Behörde.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bei einer Verkehrsschau prüfen die Behörden die Verkehrssituation vor Ort. Dabei wird mitunter auch heftig diskutiert - etwa dann, wenn es um Tempo-30-Abschnitte geht.

Von Marco Völklein

Feuerwehrkommandant Christoph Gasteiger hat Recht: Ein Blick in die Finkenstraße genügt und es ist sofort klar, wo das Problem liegt. Gasteiger erläutert es dennoch: "Mit unseren Einsatzfahrzeugen kommen wir hier nicht durch." In der engen Wohnstraße parken selbst am frühen Vormittag noch viele Autos, in den Abendstunden, sagt Gasteiger, sei es noch voller. "Das kann so auf keinen Fall bleiben."

Das finden auch die anderen Teilnehmer der Verkehrsschau an diesem Donnerstag im 4000-Einwohner-Örtchen Moorenweis, knapp 40 Kilometer westlich von München. "Sicherheit hat Vorrang", sagt etwa Karl Stecher, der Vertreter des Straßenverkehrsamts des Landkreises Fürstenfeldbruck. Und auch Oliver Erhardt von der örtlichen Polizeiinspektion nickt. Hier muss ein Parkverbot her, zumindest auf einer Straßenseite. Sollte das die Situation nicht entspannen, müsse man über ein beidseitiges Verbot nachdenken. Das Problem ist nur: "Dann haben Sie die Autos in den anderen Straßen ringsum", gibt Bernd Emmrich vom ADAC Südbayern zu bedenken. Und in denen geht es ähnlich eng zu wie in der Finkenstraße.

Auch Vertreter der Verkehrsteilnehmer dürfen mitreden

Bei einer Verkehrsschau prüfen Vertreter der Straßenverkehrsbehörden, der Polizei, von Straßenmeisterei und Bauamt regelmäßig die Verkehrssituation. Mit dabei sind auch Vertreter der Verkehrsteilnehmer, also von Automobilklubs oder vom Radfahrerverband ADFC. Alle vier Jahre, auf Hauptverkehrsstraßen sogar alle zwei Jahre, fahren sie die Straßen ab. In kleinen Gemeinden ist der Turnus oft länger.

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Dabei haben solche Verkehrsschauen eine wichtige Funktion. Schließlich geht es bei jedem einzelnen Verkehrsschild, bei jedem Umbau einer Straße oder einer Kreuzung um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer. Und all das muss von den zuständigen Straßenverkehrsbehörden per "verkehrsrechtlicher Anordnung" festgelegt werden. Welche Anordnungen konkret getroffen werden - all das wird bei der Verkehrsschau besprochen.

So auch in Moorenweis. An der Hauptdurchgangsstraße haben Anwohner eine Unterschriftenliste gesammelt. Sie fordern eine "Querungshilfe", wie das im Amtsdeutsch heißt, also einen Zebrastreifen oder eine Fußgängerampel, um die Geschäfte entlang der Straße besser erreichen zu können. Zuständig dafür ist der Landkreis. Dessen Vertreter macht gleich mal klar: "Wir brauchen keine Unterschriftenliste; uns genügt ein einzelner Antrag." Dann werde die Sache geprüft, eine Verkehrszählung angeordnet. Und bei entsprechend hohem Fußgängeraufkommen, werde dann eine Ampel angeordnet. "Von Zebrastreifen halten wir wenig", sagt der Mann vom Landratsamt, Karl Stecher. Der böte meist nur eine "scheinbare Sicherheit", Ampeln seien besser.

Besonders bei Tempo-30-Zonen gibt es Konflikte

Immer wieder wird bei solchen Verkehrsschauen auch intensiver diskutiert. So wünscht sich mancher Bürgermeister oder Gemeinderat einen Tempo-30-Abschnitt auf einer Hauptverkehrsstraße, um Belastungen der Anwohner zu mindern. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn nicht selten steht dem der Wunsch der Behörden nach einem flüssigen Verkehr entgegen. Nur an Altenheimen, Schulen oder Kindergärten zum Beispiel kann das Tempo ohne größere Diskussionen reduziert werden. Der ADAC vertritt zudem die Position, dass "häufige Wechsel der zulässigen Höchstgeschwindigkeit für die Verkehrsteilnehmer verwirrend sind und die Akzeptanz reduzieren".

In Moorenweis indes sind sich alle recht schnell einig. Die Fußgängerampel wird geprüft, eine Bushaltestelle ein paar Meter versetzt und eine scharfe Kurve mit Warnzeichen versehen. Nur ein Ziel wird an diesem Donnerstag nicht erreicht, das Bürgermeister Joseph Schäffler zu Beginn bereits ausgegeben hatte. "Vielleicht lassen sich ja für jedes Schild, das wir neu aufstellen, zwei alte entfernen", hatte er vorgeschlagen. Und dabei breit gegrinst. Da wusste er bereits, dass das wohl nicht zu erreichen sein wird.

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