Velosolex Kleines schwarzes Pferd

Die Zukunft? 60 Jahre nach seiner Einführung hat der Designer Pininfarina jetzt ein Velosolex mit Elektromotor vorgestellt. Es soll tatsächlich produziert werden.

(Foto: Foto: AFP)

Vor allem bei Pfarrern, Nonnen und Krankenschwestern war das Solex schnell beliebt. Der Schwanenhalsrahmen erleichterte das Auf- und Absteigen in Soutane und langem Gewand, der hoch liegende Motor schmutzte die Säume nicht ein. Auch Großstadtmenschen schätzten das ulkige Gefährt - im dichten Stadtverkehr konnte man sich geschickt an den Staus vorbeischlängeln. Und des weltweiten Erfolges des Zweirades wegen, zog die Firma Solex ein dichtes Netz von Servicestationen auf, das bis nach Dakar oder Saigon reichte. Dort gab es übrigens auch die noch heute von Sammlern geschätzten Zwei-Liter-Kanister Solexine - ein Öl-Benzingemisch, das British Petroleum 1947 für das Velosolex entwickelte.

Auf dem Solex "fühlt man sich ewig jung"

Der unbestreitbar große Nutzwert erklärt die Beliebtheit des Solex jedoch nur zu einem geringen Teil. Zum Kult ist es geworden, weil es zugleich Bewegung und Gemächlichkeit, Freiheit und Genuss ist. Man fühle sich ewig jung, beschrieb der französische Journalist Patrick Poivre d'Arvor das Lebensgefühl Solex. Man fahre gemächlich im Rhythmus des Lebens und habe Zeit, den Mädchen nachzuschauen und ihr Parfüm zu erahnen.

Der Novellist Jacques Sternberg, der sich rühmte, niemals ein Auto oder Motorrad benutzt, aber insgesamt 300.000 Kilometer auf dem Solex zurückgelegt zu haben, pries das Motor-Rad als die einzig mögliche Art der Fortbewegung; auch dem Gehen sei es vorzuziehen und schwärmte von seinem "diskreten Charme". Das moderate Tempo lasse Träumereien zu, sei aber im Sommer groß genug, um eine frische Brise auf der Haut spüren zu können, wenn man ohne Hemd fahre.

Aber Träume und Gefühle reichen eben nicht immer, ein Produkt auf dem Markt zu halten. Das Velosolex geriet unter die Räder des globalen Wettbewerbs, am 7. November 1988 schließlich kam das Aus. "Le petit cheval noir est mort" - das kleine schwarze Pferd ist tot - betrauerte Patrick Poivre d'Arvor das letzte Velosolex, das an diesem Tag vom Band lief. Nur noch 2800 Exemplare waren im letzten Produktionsjahr verkauft worden, in den besten Jahren waren es weltweit immerhin 350.000.

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