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US-Autoindustrie:Heute Pick-ups, morgen Elektroautos

New Models Debut At North American International Auto Show

Pick-ups nach vorne, kleine Autos bleiben verborgen? Nicht ganz. Unter dem Tuch versteckt sich ein Modell des chinesischen Herstellers GAC.

(Foto: AFP)

Auf der Detroit Motor Show präsentieren sich General Motors, Fiat-Chrysler und Ford altmodisch. Doch im Hintergrund planen die Konzerne einige E-Mobile, die auch für Europa interessant sind.

Da war sie wieder, die Lichtgestalt im schwarzen Pullover über der ausgebeulten Cordhose. "Nein, FCA (Fiat-Chrysler) wird nicht zerschlagen," antwortete Sergio Marchionne auf die Frage, welche Marken er wann an wen verkaufen möchte. "Wir sind im Plan - und wir sind komplett." Der Italo-Kanadier hat in nur 13 Jahren die Bruchbude Fiat in eine Goldmine verwandelt, die Great Wall als möglichem Investor fast 40 Milliarden Euro wert gewesen wäre.

Doch der schöne Schein könnte täuschen, denn wer in den aktuellen Projektlisten von FCA blättert, stolpert immer öfter über die Vermerke cancelled (gestrichen) und extended (verschoben). Der Grund: Dem aufgehübschten Weltkonzern fehlen die liquiden Mittel, um sein Portfolio anständig zu pflegen. Deshalb hat Marchionne fast das gesamte verfügbare Kapital in nur zwei neue Modelle investiert, den jetzt leichteren und moderneren Jeep Wrangler der vierten Generation und die erstaunlich anspruchsvolle fünfte Generation des RAM 1500. Mit diesen beiden Marken fährt FCA rund 70 Prozent seiner Gewinne ein - da kommt eine Frischzellenkur für die Bestseller gerade recht.

Automobilindustrie In den USA gibt es einen Hype um den Diesel
Detroit Motor Show

In den USA gibt es einen Hype um den Diesel

Nach dem VW-Skandal schien der Diesel auf dem amerikanischen Markt tot zu sein. Nun entdecken ihn ausgerechnet die US-Hersteller wieder. Dabei kämpfen sie bereits gegen Schummelvorwürfe.   Von Max Hägler und Kathrin Werner

General Motors wollte es anders machen: Die Ankündigung, Opel für den Elektro-Boom neu erfinden zu wollen, war keine Finte der PR-Abteilung. Im Gegenteil: GM hatte geplant, die Marke mit dem Blitz von Anfang an in sein Stromer-Programm einzubinden, dessen erste wirklich neue Baureihe Ende 2018 in Serie geht. Zunächst ist diese GEM-Palette (global emerging markets) zwar ausschließlich für China bestimmt, doch von 2020 an wäre auch Europa bedient worden. "Das Format der Fahrzeuge entspricht dem Corsa, der Preis liegt noch unter dem Adam", verrät der stellvertretende Chef-Elektriker.

Besser noch: Die Billigware mit dem Ladekabel im Kofferraum ist skalierbar ausgelegt und hätte als VW-I.D.-Rivale zum Dumping-Tarif im zweiten Schritt auch das Astra-Segment aufmischen können. Mit fünf verschiedenen Karosserieformen - Limousine, Schrägheck, einem Kombi nur für Indien, Crossover und Minivan - ist die GEM-Familie erstaunlich breit aufgestellt. Produziert wird vorläufig nur im Reich der Mitte.

Ford rüstet zunächst in Europa auf

Ford bedient zwar fast den gesamten Weltmarkt, den Löwenanteil der Gewinne macht das Unternehmen jedoch in Nordamerika, denn nur hier ist die Nachfrage nach fetten SUV und noch fetteren Trucks fast ungebrochen. Anderswo schmelzen dagegen die Gewinne oder wachsen die Verluste. Obwohl dieser Trend die Nachfahren von Henry Ford mittelfristig Kopf und Kragen kosten könnte, wird zunächst weiter in der alten Auto-Welt aufgerüstet. Zwischen EcoSport und Kuga ersetzt Ende 2019 ein Fiesta Crossover den glücklosen B-Max. Ein Jahr später beglückt der komplett neue Bronco die Träger von Karohemden und Cowboystiefeln. Ebenfalls 2020 rollt die nächste Generation des Marktführers F-150 vom Band - wieder mit Alu-Karosserie und erstmals sogar als Plug-in-Hybrid. Auch die zweite Auflage des Edge (2021) wird teilelektrisiert. Gleiches gilt für den Mustang und den aktuellen Mondeo, dessen Laufzeit dafür um zwei Jahre bis 2022 verlängert werden soll.

Analysten rechnen nicht damit, dass Chrysler und Dodge langfristig überleben. Es fehlen ganz einfach die Mittel, um die seit 2010 gebauten großen Limousinen und Coupés zu ersetzen. Weil gleichzeitig der Grand Caravan Minivan und der Dodge Dart auf Fiat-Basis ersatzlos auslaufen, der geplante Crossover für Chrysler und Dodge gestrichen wurde und fast alle weiteren Neuentwicklungen eingefroren wurden, ist das Überleben der beiden Kernmarken bei reduziertem Angebot nur bis 2022 gesichert.