Unterwegs Tunnelhopping im Thüringer Wald

Vorn im ICE-Führerstand sitzt der Minister und genießt den Blick auf die Neubaustrecke. Und die Passagiere hinten? Die schauen in die dunkle Röhre.

Von Marco Völklein

Auf Höhe von Coburg, in der Nähe von Rödental, springt der Anzeiger auf 300 Kilometer pro Stunde. Die Höchstgeschwindigkeit ist erreicht. Vorne im Führerstand blickt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) auf die 107 Kilometer lange Neubaustrecke von Bamberg nach Erfurt. Und hinten in den Waggons?

Da schaut man in die Röhre.

Tatsächlich besteht die Trasse, auf der von Mitte Dezember an die schnellen ICE der Deutschen Bahn die Städte München und Berlin in weniger als vier Stunden verbinden sollen, vor allem aus Tunneln. Aus 22 Tunneln, um genau zu sein, mit 41 Kilometern Gesamtlänge. Und aus großen Brücken. Die aber erlauben ebenfalls nur selten einen Blick auf den eigentlich ja sehenswerten Thüringer Wald, weil einen kurz darauf erneut das nächste Tunneldunkel umfängt. Am besten ist, man schließt die Augen und nutzt die Fahrt für ein Nickerchen.

Wenn es nach den Fahrplanern der Bahn geht, dann werden die schnellen Flitzer in Zukunft eine Menge Passagiere aus den Flugzeugen auf die Schiene holen. Die werden aber im Zug genauso wenig von den Bergen und Tälern deutscher Mittelgebirge zu sehen bekommen wie zuvor in 10 000 Meter Reiseflughöhe. Und das nicht nur, weil sie ständig damit beschäftigt sind, in ihre Schlautelefone und Tischrechner zu gucken.

Wer also, sagen wir, achtmal im Jahr geschäftlich von Bayern nach Berlin mit der Bahn flitzt, der könnte bei der neunten Buchung umsteigen auf einen der Regionalzüge, die parallel zur Neubaustrecke auf der alten Frankenwaldbahn fahren, von Lichtenfels über Saalfeld nach Jena und Leipzig. Da geht es teils mit Tempo 70 auf der 1863 gebauten Trasse bis zu 29 Promille steile Rampen hinauf. Bei Dampfzugfans ist diese Strecke sehr beliebt. Weil die alten Loks da richtig zu arbeiten haben. Und die Leute was zu gucken.