Unterwegs Im Plastikmeer über dem Ozean

Unterwegs in einer eng besetzten Boeing auf dem Weg in die USA hat man trotz 10 000 Metern Flughöhe ein absolut unterirdisches "Essen" auf dem Tablett - und fragt sich dann: Wo landet nur all der Plastikmüll?

Von Richard Christian Kähler

Ein Flug über den Atlantik war für die Eltern noch eine richtig große Sache. Heute ist es dem Mainstream-Economy-Flieger eher eine lästige Acht-Stunden-Festsitzstrapaze. Und wer wie einst unsere Großeltern noch in herrlich zeitlosen sieben Tagen auf einem Oceanliner den Großen Teich überquert, ist und bleibt sowieso der Beneidenswerteste aller Reisenden. Na gut, so lange am Bug nicht das Wörtchen Titanic steht ...

In der engbesetzten Boeing hat man dafür einen Beruhigungsbildschirm vor sich und trotz 10 000 Metern Flughöhe absolut unterirdisches, komplett plastikverschweißtes "Essen" auf dem Tablett. Oh, mein Gott! Wie viel Plastikmüll muss allein dieses eine Flugzeug mit in die USA bringen? Oder entsorgt man den Mist gleich über dem Meer, wie es in der unbeobachteten Schifffahrt praktiziert wird?

Doch wie es auf Mallorca schmerzt, dass sieben Müllschiffe um die Insel fischen müssen, um die Strände wenigstens halbwegs sauber zu halten, wünscht man doch auch dem Amerikaner, auf den Hamptons wenigstens noch ein paar Schwimmzüge machen zu können, bevor ihm irgendwann die PVC-Folie ins Gesicht klatscht. Und bringt man die Massen Plastikmüllsäcke vom abendlichen New-York-Straßenrand immer noch nach Staten Island, nur jetzt auf den 9/11-Schutt oben drauf?

Auch der Rückflug ist - natürlich - ein weiteres Müll-Großevent. Doch dann das dankbare Erstaunen: Wie sauber es bei uns ist. Wie vergleichsweise "clean" die Straßen und Bürgersteige, teilweise sogar in Berlin. Und trotzdem fällt es nicht schwer, sich unsere erwachsenen Kinder und Enkelkinder vorzustellen, die rückblickend feststellen werden: "Herrje, was haben die damals nur für einen Mist und Müll gemacht."

Was die eine Zeit für Fortschritt hält ("Plastik hält ewig!"), kann gleichzeitig reine Idiotie sein ("Plastikmüll aber eben auch!"). Eine Idiotie sind die Massen von unverrottbarem Kunststoff bis hin zum Mikroplastik im Trinkwasser. Die nächste könnte vielleicht sein, das Geschick des Gesamtweltverkehrs einem Globalzentralcomputer anzuvertrauen.