Unterwegs auf der Route 66:Einst Drehkreuz, später Geisterstadt

Angel Delgadillo

Angel Delgadillo kann Route-66-Reisenden aus erster Hand über Aufstieg und Niedergang der Straße erzählen.

(Foto: AP)

Seit dem 13. Oktober 1984 ersetzt der Interstate 40 die letzten 5,7 Meilen der ursprünglichen Route 66 in Williams/Arizona. Die alte, einspurige und kurvenreiche 66 existiert zwar weiterhin, rund 80 Prozent des Weges sind immer noch befahrbar, aber häufig liegt sie versteckt und ist nicht ausgeschildert. Die längsten, zusammenhängenden Teilstücke findet man vor allem im Westen der USA, in Arizona und Süd-Kalifornien.

Zu denen, die die Mother Road nicht losgelassen hat, gehört Bob Waldmire, ein Hippie aus Illinois, der sein Geld mit dem Malen von Bildern verdiente. Seit den 1960er-Jahren bereiste er den Highway mit einem VW-Bus, verkaufte Postkarten, Sticker und Bilder mit Motiven entlang der Mother Road. Dabei kam er auch am verwahrlosten Hackberry General Store vorbei, der 1934 außerhalb der einstigen Bergbaustadt Hackberry errichtet worden war. An der Route 66 war der Laden ein wichtiger Umschlagplatz für Viehtransporte und versorgte die Reisenden mit Benzin und Proviant. Mit dem Bau der Schnellstraße verloren Stadt und Laden ihre Existenzgrundlage. Hackberry wurde eine Geisterstadt, der Store 1978 geschlossen. Als Waldmire das Geschäft 1992 als Visitor Center wiedereröffnete, war er der einzige Einwohner von Hackberry.

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Die meisten der früher an der Sixtysix gelegenen Orte, Geschäfte, Hotels, Tankstellen und Diners haben den Wandel nicht überlebt. Sie mussten schließen und verfallen seitdem. Auch die Mother Road hat gelitten, Grasbüschel brechen an vielen Stellen den Asphalt auf, Wind und Wetter erledigen den Rest. Von diesem Charme des Verfalls lebt die Route 66 - teilweise sogar richtig gut. Wie der 66-Diner in Albuquerque oder das "El Rancho" Hotel in Gallup, Kultorte das eine wie das andere. Andere sind bloße Fassaden.

Zum Beispiel Oatman in Kalifornien, in den 70er-Jahren ebenfalls zur Geisterstadt verkommen. An einem der schönsten Streckenabschnitte der Route 66 gelegen, lockt die einstige Goldgräber-Hochburg mittlerweile jährlich rund eine halbe Million Besucher mit einer Wild-West-Show auf Kindergeburtstags-Niveau und Sixtysix-Andenken made in China. Zum Glück entschädigt die erlebnisreiche Fahrt über den Sitgreaves Pass für den Touri-Zirkus.

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