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Unrealistischer Normverbrauch:Firmenwagen sind im Nachteil

Tanken Bis auf den letzten Tropfen
Tankreserve und Restreichweite

Bis auf den letzten Tropfen

Wer ohne Sprit liegen bleibt, dem droht Ärger: Von seinen Beifahrern sowieso, aber je nach Ort und Automodell auch von der Polizei oder der Technik. Was Sie beachten müssen, wenn die Tankwarnlampe leuchtet.   Von Thomas Harloff

Der Unterschied zwischen Prüfstand und Praxis wird immer größer, weil neue Spritspartechnologien wie Start-Stopp-Systeme, Zylinderabschaltung, Downsizing, Schichtladung oder Hybridantriebe ihre Vorteile vor allem im gemäßigt gefahrenen Stadtverkehr ausspielen können - also genau im Normzyklus. Wer in Deutschland mit einer Firmentankkarte, Termindruck und ordentlich PS Autobahnkilometer schrubbt, wird dagegen kaum einen Spritsparrekord aufstellen: Die Aerodynamik eines Fahrzeugs wird mit höherem Tempo immer entscheidender für den Verbrauch - hier haben große Autos wie SUV mit ihrer breiten Stirnfläche erhebliche Nachteile. Außerdem müssen Benziner auf schnellen Autobahnpassagen das Gemisch zur inneren Kühlung der Zylinder anfetten. Wenig überraschend, dass Firmenwagen in der ICCT-Studie besonders stark von der Norm abweichen.

In den USA müssen Autohersteller ihre Verbrauchswerte korrigieren und die Kunden entschädigen

Am meisten profitieren elektrisch angetriebene Fahrzeuge vom europäischen Prüfzyklus. Grundsätzlich gehen elektrische Reichweiten mit null Emissionen in die Wertung ein, weil die thermische Umwandlung von Brennstoff in Energie im Kraftwerk stattfindet. Folglich werden anfallende Emissionen dem Energiesektor und nicht dem Straßenverkehr zugerechnet. Dank dieser pauschalen Logik wird ein reines Elektroauto zum Nullemissionsfahrzeug.

Plug-in-Hybride dürfen zuerst die rein elektrische Reichweite ausschöpfen, danach wird der NEZF noch einmal mit Verbrennungsmotor gefahren. Die Kombination von beiden Durchläufen ergibt den extrem niedrigen Normverbrauch, der häufig nur rund halb so hoch ist wie der Praxisverbrauch: Hybridantriebe entwickeln sich bei forciertem Tempo ebenso zu Säufern wie schwere Plug-in-Hybride, die nicht ständig an der Steckdose geladen werden.

Benzinpreis Was Benzin tatsächlich kostet und wer daran verdient
Spritmonitor

Was Benzin tatsächlich kostet und wer daran verdient

In dieser Klage sind sich Deutschlands Autofahrer einig: Benzin und Diesel sind viel zu teuer - erst recht in Ferienzeiten. Doch wie setzt sich der Benzinpreis zusammen? Und wer verdient wieviel pro Liter Sprit? Ein Überblick in Euro und Cent.   Von Dieter Sürig

Macht es der neue Zyklus wirklich besser?

Noch ist offen, ob ein neues Testverfahren künftig gerechter ist. Im November des vergangenen Jahres beschlossen die Vereinten Nationen das neue World Light Vehicles Test Procedure (WLTP). Es sieht ein Höchsttempo von 130 km/h vor, außerdem wird stärker beschleunigt, und die Temperatur in der Testanlage darf höchstens 23 Grad betragen. Fachleute erwarten, dass die Verbräuche im WLTP bis zu 25 Prozent höher liegen als beim alten Verfahren.

Wann der neue Messzyklus nach Deutschland kommt, ist allerdings unklar - die Bundesregierung will die Einführung über 2017 hinaus verzögern. Fraglich ist auch, ob der WLTP wirklich eine faire Basis für Vergleiche schaffen kann. Wenn die in der Batterie gespeicherte Energie in der Verbrauchsbilanz weiterhin nicht gewertet wird, dann ist das zwar ein Anreizprogramm für elektrifizierte Fahrzeuge. Doch die Schere zwischen Normwerten und Realität wird künftig noch weiter auseinanderklaffen.