bedeckt München 17°

Unfallrisiko junger Autofahrer:Wie ein Schlüsselanhänger für weniger Unfälle sorgt

Doch Autowracks und Horrorbilder sind nicht jedermanns Sache, zumal die Langzeitwirkung umstritten ist. Einen komplett anderen Weg geht die "Aktion Bob", die junge Leute in Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen, Bayern und dem Saarland erreichen will. Die Idee ist simpel: Wer sich bei der Polizei einen Schlüsselanhänger mit der Aufschrift "Bob" abholt, kann diesen in teilnehmenden Kneipen, Restaurants und Discos vorzeigen - und erhält dafür ein kostenloses alkoholfreies Getränk. "So etwas kommt bei der Zielgruppe richtig gut an", sagt Dirk Brandau von der Gießener Polizei. Er hat im Bereich Mittelhessen nach eigenen Angaben bereits 200 000 Schlüsselanhänger verteilt.

Anders als bei vielen anderen Kampagnen lässt sich der Erfolg von "Bob" an konkreten Zahlen festmachen. Die Universität Gießen hat die Unfallzahlen der 18- bis 24-Jährigen analysiert. Die "Bob-Region" Mittelhessen schnitt dabei sehr gut ab: Zwischen 2006 und 2011 gingen die alkoholbedingten Unfälle dort um 44 Prozent zurück; im gesamten Bundesland waren es lediglich 27 Prozent. Warum das Projekt trotzdem nicht in ganz Hessen läuft? Brandau zuckt mit den Schultern. "Jeder kocht gerne sein eigenes Süppchen."

Überhaupt herrscht beim Thema Verkehrssicherheit große Uneinigkeit. Die einen setzen auf Abschreckung wie beim "Crashkurs NRW", andere wollen junge Raser durch Plakate auf der Autobahn zur Räson bringen (ob und wie sie wirken, ist unter Verkehrspsychologen umstritten). Außerdem ändern sich die Schwerpunkte ständig. Bis vor Kurzem galten noch Alkoholfahrten als größtes Problem. Seit die Null-Promille-Grenze für Fahranfänger eingeführt wurde, hat sich die Lage ein wenig entspannt. So hatten lediglich zehn Prozent aller 18- bis 20-Jährigen, die 2013 in einen schweren Unfall verwickelt waren, zuvor etwas getrunken. Unter den 25- bis 64-Jährigen sind es elf Prozent.

Gravierender ist heute die Gefahr durch "Texting", also dem SMS-Schreiben am Steuer. Einer Umfrage des Reifenherstellers Goodyear zufolge lässt sich jeder vierte Deutsche dazu hinreißen; Frauen (30%) übrigens mehr als Männer (23%). "Wenn die Whatsapp-Nachricht aufblinkt, nützen alle alkoholfreien Getränke nichts mehr", weiß auch Dirk Brandau. Man werde den Schwerpunkt der Bob-Aktion daher verschieben - hin zu Problemen wie Texting.

Im Kölner Gymnasium erzählt Mario Scholten am Ende, dass zu viel Alkohol und eine "absolut irre Geschwindigkeit" dem jungen Pärchen das Leben gekostet hatten. Die Erinnerung daran, sagt er, werde er nie wieder los.

© SZ vom 06.12.2014/mike
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema