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Umweltschutz in der Schifffahrt:Eine ganz profane Möglichkeit

Einsparpotential findet sich auch im Rohrleitungsgewirr im Schiffsbauch. Etwa beim Kühlsystem - meist regelt keine Pumpe, sondern ein einfaches Ventil die Durchflussmenge, die Pumpe läuft dennoch stets auf Vollgas. Wenn das Seewasser aber kälter ist, reicht eine weitaus geringere Menge. So könnten rund 30 Prozent Strom gespart werden. Auch in anderem Zusammenhang ist das Thema Wasser innerhalb des Schiffes von Bedeutung. So werden zum Trimmen nicht voll beladener Schiffe Hunderttausende Liter Ballastwasser in verschiedene Tanks an Bord gepumpt. Die richtige Verteilung dieses Ballastes hat entscheidenden Einfluss auf Tiefgang und Stabilität - und damit auf den Verbrauch.

Geht es nach den Vorstellungen anderer Wissenschaftler, könnte auf Schiffen weitaus mehr elektrische Kraft eingesetzt werden. Denn oft kann es sinnvoll sein, mit dem Schiffsdiesel Generatoren anzutreiben, so Elektrizität zu erzeugen und damit Elektromotoren zu speisen. Und: Statt eines großen, auf Sparflamme laufenden Dieselmotors könnten mehrere kleine Motoren arbeiten - je nachdem, wie viel Antriebsleistung gefordert ist. So kann etwa eine Passagierfähre bei langsamerer Fahrt den Treibstoffverbrauch und die Emissionen drastisch senken, aber auch den Lärmpegel. Letzteres käme vor allem nachts den schlafenden Passagieren zugute.

Ein verblüffend luftiges Konzept zum Spritsparen hat die niederländische DK Group: Frachter und Tanker sollen auf einem Luftkissen fahren und somit die Reibung zwischen stählerner Hülle und Wasser reduzieren - "bis zu 15 Prozent", sagt Firmenchef Jörn Winkler. Beim Air Cavity System (ACS) erzeugt ein Kompressor an Bord Druckluft und presst sie in speziell konstruierte Kanäle im Unterwasserschiff. "Um die Reibung zwischen Wasser und Schiff zu verringern, kann man sie durch Reibung zwischen Luft und Schiff ersetzen", sagt Uwe Hollenbach, der bereits einige Schiffsmodelle mit Luftpolster im Strömungskanal getestet hat. Durch die weltweite Wirtschaftskrise, die auch die Seefahrt hart traf, ist aber auch diese Technik derzeit kaum gefragt.

Ohne einen Cent

Schließlich gibt es auch eine ganz profane Möglichkeit, den Treibstoffverbrauch zu senken, ohne auch nur einen Cent in die Hand nehmen zu müssen: Gas rausnehmen. Denn das Potential ist enorm: Bei 20 statt 25 Knoten sinkt der Verbrauch um die Hälfte. Kein Wunder, dass die meisten Reeder ihre Schiffe inzwischen gedrosselt fahren lassen.

Für neuen Schwung soll - ganz wie in den alten Tagen der Seefahrt - auch wieder der Wind sorgen. Das Hamburger Unternehmen SkySails setzt auf riesige Zugdrachen, die vom Bug aus aufsteigen und den Motor dabei unterstützen, das Schiff voranzubringen. Inzwischen sind drei Frachter mit den 160 Quadratmeter großen Kites unterwegs. Laut Stefan Brabeck, Technik-Geschäftsführer bei SkySails, ersetzte das Segelsystem auf dem Frachter Michael A. zeitweise bis zu 60 Prozent der Motorleistung. "Abhängig von der Route beträgt das jährliche Einsparpotential bis zu 35 Prozent", so Brabeck.

© SZ vom 15.2.2010/juwe

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