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Überschallflugzeuge:Mach-Werk

Überschallflieger sind wieder im Gespräch, die Nachfrage und die Neugier sind ungebrochen. Doch Experten warnen.

Der Franzose Jean Botti, der Engländer Richard Lugg und der Deutsche Werner Granzeier kennen sich nicht. Aber alle drei waren im Juni in Paris auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung. Und sie alle waren dort auf ganz unterschiedliche Weise mit dem selben Thema beschäftigt: Wie kann die Menschheit in Zukunft schneller fliegen als heute - und das umweltverträglich?

Mobiles Leben

Volles Rohr: Die Konzeptstudie ZEHST (Zero Emission High Speed Transport), die eines Tages mit bis zu vierfacher Schallgeschwindigkeit (Mach 4) in weniger als zweieinhalb Stunden von London nach Tokio fliegen soll, vereinigt gleich drei unterschiedliche Antriebssysteme.

Paris-Le Bourget ist ein guter Ort für solche Überlegungen, denn: Auf dem Flughafen nördlich der französischen Hauptstadt stehen gleich zwei Exemplare der Concorde, des bisher einzigen Überschall-Verkehrsflugzeugs der Geschichte - der Prototyp von 1969 und eine 2003 ausgemusterte Maschine der Air France.

Die Concorde ist Vergangenheit, gescheitert an ihrer geringen Effizienz, der extremen Lautstärke sowie wegen ihres gigantischen Spritverbrauchs. Während eines dreieinhalbstündigen Transatlantikfluges mit maximal 100 Passagieren verfeuerten die vier Olympus-Motoren mehr Kerosin als ein moderner Airbus A380 mit 500 Fluggästen in acht Stunden auf gleicher Strecke. Von Schadstoff-Emissionen wie CO2 oder Stickoxiden (NOx) ganz zu schweigen.

Das ist heute anders. "Das Thema Zeit sparen durch Überschall ist nicht totzukriegen", sagt Werner Granzeier, Professor an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) und Experte für Zukunftsflugzeuge, "Voraussetzung aber sind umweltfreundliche Konzepte."

Da sieht auch Jean Botti so. Der Franzose ist Technologie-Vorstand im europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und hatte in Paris seinen großen Auftritt. Botti präsentierte die Konzeptstudie ZEHST (Zero Emission High Speed Transport), von den Medien gleich Öko-Concorde getauft. Botti aber warnt: "Wenn der Name irgendwie an die Concorde erinnert, kann ich das Vorhaben gleich beerdigen".

Denn das hypothetische Ziel ist es, mit einem Hochgeschwindigkeitsflugzeug mit bis zu vierfacher Schallgeschwindigkeit (Mach 4) und in bis zu 32 Kilometer Höhe in weniger als zweieinhalb Stunden von London nach Tokio oder von Frankfurt nach Los Angeles zu fliegen - und das ohne Emissionen.

Etwa im Jahr 2050 könnte es soweit sein, meinen die EADS-Ingenieure, 50 bis 100 betuchte Passagiere sollen in dem Flugzeug reisen können. Daran, dass das wirklich ohne jede Emission und ohne Überschallknall gehen könnte, glaubt selbst bei EADS niemand wirklich. Aber der Werbeffekt am Messestand war groß - und darauf, so unkt die Branche, kam es an.

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