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Übernahmepläne durch Peugeot:Opel erreicht ein Blitz aus düsterem Himmel

Erst kürzlich gelang es, das Image zu entstauben - auch dank Jürgen Klopp. Doch die Übernahme-Gerüchte wecken böse Erinnerungen.

Bei Opel im hessischen Rüsselsheim beherrschen sie das Bauen von Autos schon seit vielen Jahrzehnten, so ist es nicht. 24 Feststoffraketen montierten die Ingenieure einst auf ein stählernes Chassis, und auch wenn nicht alle zündeten, schoss die derart motorisierte Höllenmaschine über die Avus in Berlin. So ungefähr mit 230 Kilometern pro Stunde. Weltrekord in diesem Moment. Aber das ist lange her, 90 Jahre bald.

Die Firma Opel von heute ist ein Autobauer ohne Rekorde und mit einer schwierigen Verfasstheit. "Umparken im Kopf" lautet der recht einprägsame Werbeslogan aus Rüsselsheim, er soll potenzielle Kunden zum Nachdenken bewegen, Modernität und Flexibilität vermitteln. Jetzt könnte wohl gelten, dass die Opelaner selbst umparken müssen: nicht mehr der US-Konzern General Motors (GM) als Muttergesellschaft, sondern der französische PSA-Konzern. Nicht mehr Autos der Marken GM und Cadillac als Geschwister, sondern Opel als dritte Marke neben Citroën und Peugeot? Das wäre etwas ganz anderes. Und es wäre wieder einmal Anlass für die 35 600 Beschäftigten, mit Sorge in die Zukunft zu schauen.

Opel Das droht Opel, wenn Peugeot seine Kaufpläne wahr macht
Mögliche Übernahme von Opel

Das droht Opel, wenn Peugeot seine Kaufpläne wahr macht

Mutterkonzern GM prüft einen Verkauf des deutschen Autoherstellers an Peugeot. Verlierer dürfte am Ende Opel sein. Viele Arbeitsplätze sind in Gefahr.   Von Thomas Fromm und Jan Schmidbauer

Die Franzosen bauen Autos in ähnlichem Format für eine ähnliche Zielgruppe auf demselben Markt - Europa. Es ist offenkundig, dass es um Synergien geht, also wahrscheinlich Jobs wegfallen würden. Wieder einmal. Und vielleicht dramatischer als in all den bisherigen Krisen.

Entstanden ist das Unternehmen aus einer Nähmaschinen-Fabrik, die der Schlosser Adam Opel im Jahr 1862 in seinem Heimatort Rüsselsheim aufbaute. Es kamen Fahrräder dazu und 1899 der erste Motorwagen. In der Weimarer Republik ist Opel der größte Automobilhersteller Deutschlands - doch die Weltwirtschaftskrise bringt die Hessen in Not. Und zu General Motors: Seit dem Jahr 1929 gehört die Marke mit dem Blitz den Amerikanern.

Schon 2008 steht Opel kurz vor dem Verkauf

Dauerhaft glücklich sind die beiden Firmen schon seit Jahrzehnten nicht mehr. In den 1990er-Jahren begann GM immer stärker in Rüsselsheim zu regieren, andauernd wurden Manager aus den USA nach Hessen gesandt. Sie veranlassten hohe Überweisungen zur Konzernmutter, insgesamt 4,5 Milliarden D-Mark in jenem Jahrzehnt. Zugleich setzten sie ein Sparprogramm durch, unter dem die Qualität der Autos litt, und sie entschieden sich auch noch gegen Investitionen in Dieselmotoren, die damals in Europa gefragt waren.

Und immer wieder überlegen die Amerikaner, die europäische Tochter loszuwerden. Im Jahr 2008, der Zeit der Finanzkrise, steht GM vor dem Zusammenbruch: In den USA verkaufen sich immer weniger Autos. Schließlich springt der Staat ein, gewährt 50 Milliarden Dollar Hilfe. Auch Opel ist in Schwierigkeiten in Europa - und soll verkauft werden. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will der deutschen Tochter keine Subventionen gewähren, will Opel in die Insolvenz gehen lassen. Auch sein Nachfolger Rainer Brüderle (FDP) bleibt hart: Der Bund gibt kein Geld. Fiat bietet sich als Käufer an und auch der Autozulieferer Magna - doch in letzter Sekunde wird die Konzernmutter GM wieder handlungsfähig und beschließt: Opel bleibt amerikanisch!