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Überarbeiteter Polo:Geliftet unterm Blech

Der hat es in sich

Sieht fast so aus wie immer: Der überarbeitete Polo.

(Foto: WGO)

"Das Design konnten wir kaum besser machen", sagt VW-Chef Martin Winterkorn. Deswegen sieht der gründlich überarbeitete Polo auch fast so aus, wie bisher. Allerdings nur auf den ersten Blick.

Was in der Autobranche gerne als Facelift bezeichnet wird, also die optische Überarbeitung eines laufenden Modells, hätte der Polo eigentlich nicht nötig gehabt. Er steht so frisch da wie am ersten Tag und verkauft sich noch immer bestens, im vorigen Jahr fast eine dreiviertel Million Mal. Immerhin mehr als vier Jahre ließ man sich bis zur Modellpflege Zeit.

Umso gründlicher geriet jetzt die Überarbeitung. Allerdings nur unterm Blech. "Das Design konnten wir kaum besser machen", sagt Konzernchef Martin Winterkorn. Erkennbar stolz ist der Vorstandsvorsitzende auf die neuen Motoren, die künftig im Polo arbeiten, sämtlich Euro-6-tauglich und bis zu 21 Prozent sparsamer. Highlight dürfte der komplett neu entwickelte Dreizylinder-Diesel sein, ein 1,4-Liter-Turboaggregat, das mit einem Leistungsspektrum zwischen 75 und 110 PS die beiden bisherigen Selbstzünder, 1,2-Liter-Dreizylinder und 1,6-Liter-Vierzylinder, ablöst.

Gegenüber letzterem lasten "nun 30 Kilo weniger auf der Vorderachse", wie Winterkorn betont, was dem Polo zu deutlich mehr Agilität verhelfen soll. Und zu mehr Sparsamkeit. 3,4 Liter lautet der Normverbrauch, die etwas später erscheinende BlueMotion-Version soll es gar auf 3,1 Liter bringen, was einem CO₂-Ausstoß von 82 g/km entspräche. Dass der Bordcomputer nach der ersten Testfahrt 4,7 Liter anzeigte, zeigt wieder mal den Unterschied zwischen Theorie und wahrem Leben.

Aufwendige Lagerung, dicke Geräuschdämmung

Überzeugend ist die Laufkultur des kleinen Dreizylinders. Er dreht leichtfüßig hoch und zieht selbst kurz über Leerlaufdrehzahl munter los. Besonders leise geht er dabei allerdings nicht vor. Beim Beschleunigen im ersten und zweiten Gang ist er deutlich wahrnehmbar, auch wenn die Ingenieure dem Vollaluminium-Aggregat eine aufwendige Lagerung, eine dicke Geräuschdämmung sowie eine Ausgleichswelle nebst einem Zweimassenschwungrad spendiert haben.

Wer lieber Benziner fährt, dürfte den überarbeiteten 1,0-Liter-MPI-Dreizylinder mögen, der 60 oder 75 PS leistet. Zum Volumenmodell dürfte erneut der Polo mit dem 1,2-Liter-Vierzylinder-Turbo (TSI) werden, wahlweise mit 90 oder 110 PS. Zum Sommer will VW den Polo BlueGT mit 1,4-Liter-Vierzylinder, 150 PS und Zylinderabschaltung nachreichen, im Herbst den neuen GTI mit jetzt 192 PS. Etwa zur gleichen Zeit folgt ein ebenfalls komplett neu entwickelter Basismotor. Der Einliter-Dreizylinder-TSI leistet 95 PS und soll einen Verbrauch von 4,1 Liter schaffen.

Dass Assistenzsysteme und Infotainment längst aus den oberen Klassen in Richtung Kleinwagen unterwegs sind, zeigt der neue Polo beispielhaft: Abstandsradar, City-Notbremsfunktion, Müdigkeitserkennung und Multikollisionsbremse bietet VW jetzt an und erstmals können auch LED-Scheinwerfer bestellt werden. Sie sind allerdings erst von Herbst an lieferbar. Auch im Interieur hat sich einiges getan.

Preisniveau soll gehalten werden

Auffällig ist neben dem neuen Dreispeichenlenkrad und den veränderten Instrumenten auch die umgestaltete Mittelkonsole. Hier dominiert das gegen Aufpreis erhältliche Infotainmentmodul (2. Generation), das der Polo als erster VW überhaupt erhält. Ebenfalls neu: das sogenannte MirrorLink, mit dem sich die Inhalte und Funktionen des Smartphones auf den Touchscreen im Armaturenbrett übertragen und auch bedienen lassen.

Trotz all der Verbesserungen soll das Preisniveau gehalten werden. "Das Grundmodell startet weiterhin mit 12 450 Euro", sagt Martina Biene vom Produktmarketing. Beibehalten werden auch die Ausstattungslinien Trendline, Comfortline und Highline. Der mit 20 350 Euro derzeit teuerste Polo ist der 1,4-Liter-Turbobenziner (110 PS) TSI mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe als Sondermodell Fresh. Parallel mit der Markteinführung in der kommenden Woche schickt VW auch den Cross zu den Händlern. Er sieht etwas rustikaler aus und bekommt nur die stärkeren Motorisierungen. Aktuell fährt der Crosspolo als Benziner mit 90 oder 110 PS und als Diesel mit 90 PS. Die Preise beginnen mit 18 425 Euro.

© SZ vom 19.04.2014/joba
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