bedeckt München 16°

Trends des Oldtimermarktes:Millionenpreise für Schrott

Maserati A6G 2000 Gran Sport Berlinetta Frua auf der Retromobile

Dieser schrottreife Maserati A6G 2000 Gran Sport Berlinetta Frua brachte bei der Pariser Auktion zwei Millionen Euro.

(Foto: AP)
  • Kürzlich wurden in Paris 59 Oldtimer in desolatem Zustand versteigert. Bis auf einen erzielten alle einen höheren Preis als erwartet.
  • Teuerstes Auto war ein Ferrari für 14,2 Millionen Euro. Ein schrottreifer Maserati erzielte zwei Millionen Euro.
  • Originalautos mit Patina sind gefragt wie nie. Die Preisschere zu Fahrzeugen in perfektem Zustand geht immer weiter auf.
  • Das stellt Sammler vor die entscheidende Frage: restaurieren oder als Original erhalten?

Viel Rost und Scherben für 25 Millionen Euro: Auf der Oldtimermesse Rétromobile in Paris wurde die außerordentliche Baillon-Sammlung versteigert. Alle 59 Fahrzeuge präsentierten sich in einem desolaten Zustand, um es milde auszudrücken. Kein Wunder, denn viele der Automobile überdauerten Jahrzehnte ohne jede Pflege unter löchrigem Wellblech. Der Transportunternehmer und Selfmademan Roger Baillon hatte sie mit seinem Sohn Jacques bis in die Sechzigerjahre auf dem Hofgelände seines Schlosses in der Nähe von Niort zusammengetragen. Und seitdem nie wieder bewegt. Ihre gemeinsame Vision, die Automobile zu restaurieren und die ganze Sammlung irgendwann in ein Museum einzubringen, blieb ein Hirngespinst.

Restaurieren oder nicht - das ist die große Frage. Für originale Patina wird am meisten bezahlt

Das alles ist für Sammlerkreise natürlich eine Sensation. Zumal, wenn große Marken im Spiel sind wie etwa Bugatti, Hispano-Suiza, Talbot-Lago oder auch Panhard-Levassor, Delahaye und Delage. Immer wieder tauchen zwar einzelne Scheunenfunde auf, ein katalogfüllendes Konvolut unberührter Klassiker bleibt aber die absolute Ausnahme.

Ferrari 250 California Spider Ramponiert, aber teuer
Oldtimerauktion in Paris

Ramponiert, aber teuer

Stumpfer Lack und eine Staubschicht auf der Karosse: Der Zustand des alten Ferraris könnte besser sein. Trotzdem hat ihn ein Autosammler für 14,2 Millionen Euro ersteigert. Weil er original ist - und einen berühmten Vorbesitzer hatte.

Höhepunkt des über elf Stunden dauernden Auktions-Krimis war erwartungsgemäß ein Ferrari 250 GT SWB California Spider, Baujahr 1961. Die Preziose war in einer Garage gealtert und gehörte ehemals dem Schauspieler Alain Delon. Viel echte Patina für sagenhafte 14,2 Millionen Euro, was sich mit Aufgeld auf sogar 16,3 Millionen summierte - ein neuer Rekord für diesen Fahrzeugtyp, von dem nur 37 Exemplare entstanden.

Teurer als ein perfektes Exemplar

Weitere oft schrottreife Fahrzeuge brachten es jeweils auf über eine Million Euro. Darunter auch ein ehemals rarer Maserati A6G 2000 Gran Sport Berlinetta Frua aus dem Jahr 1956. Mit zwei Millionen Euro markierte das Restaurationsobjekt mit filigraner Technik aus dem Rennsport ebenfalls einen neuen Weltrekord. Nur sieben Fahrzeuge dieses grazilen Maserati sollen überhaupt jemals produziert worden sein. Und noch vor drei Jahren brachte ein perfektes Fahrzeug gleichen Typs beim Auktionshaus Gooding & Company umgerechnet 1,4 Millionen Euro ein. Wenn man die notwendigen Restaurationskosten des Garagenfundus mit in Betracht zieht, beträgt der rechnerische Aufschlag beinahe 100 Prozent.

Verschollene Oldtimer

Alte Liebe rostet doch

Ähnlich verhielt es sich bei den anderen Losen Anfang Februar: Immer wieder ließ Maître Hervé Poulain den Hammer fallen und schlug zu. Am Ende war die gesamte Baillon-Collection komplett verkauft. 58 der 59 angebotenen Fahrzeuge erzielten dabei teils deutlich mehr, als die Taxe erwartete.