Toyota Lexus LS 400 Das Los des falschen Image

Nobel-Limousine mit weicher Automatik und starkem Motor

(SZ vom 11.02.1995) Heute wollen wir uns einmal in die Position des Chauffierten versetzen, der in der zweiten Reihe logiert. Denn unser Thema ist der neue Lexus LS 400 - ein Wagen, der für den Chauffeurbetrieb prädestiniert scheint. Die Beinfreiheit hat Verwöhncharakter, wenn der Fahrer den Sitz nicht ganz hinten einrasten läßt. So richtig kuschelig wird es aber erst dann auf der lederbespannten Sitzbank, wenn die Sitzheizung aktiviert ist. Bei der Kopffreiheit waren die Testsitzer jedoch wohl aus dem fernen Asien, denn ein Mensch mit deutschen Durchschnittsmaßen bringt gerade noch die Handfläche zwischen Haupt und Himmel.

Luxuriöser und geräumiger ist hingegen der Arbeitsplatz des Chauffeurs. Die Vordersitze sind in jeder Richtung elektrisch verstellbar - dort reichen die Kopfstützen aus -, das Lenkrad positioniert sich ebenfalls auf Knopfdruck, Kopf und Beine ecken nirgends an und alle wichtigen Schalter sind leicht zu finden.

Beim Neuen der Toyota Luxus-Division nimmt die Liste der Raffinessen praktisch kein Ende, denn nicht nur bereits gewohnte Helfer wie Fensterheber und Servolenkung und Sicherheitskomponenten wie zwei Airbags, ABS und Anti-Schlupf- Regelung gehören zur Grundausstattung, sondern auch ein Telephon mit Freisprechanlage - allerdings ohne Chipkarte - und eine phantastische Audioanlage.

Angetrieben wird der 1680 Kilogramm schwere Lexus - er ist 90 Kilogramm leichter als sein Vorgänger - von einem 194 kW (264 PS) starkem Achtzylinder, der den Wagen die 100-km/h-Marke nach 7,5 Sekunden passieren läßt und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ermöglicht. Der Drittelmix-Verbauch liegt nach Werksangaben bei 10,3 Litern Super bleifrei. Das Fahrwerk des fünf Meter langen Autos ist weich und komfortabel, aber nicht schwammig abgestimmt, die Federung fängt ziemlich jede Bodenunebenheit gutmütig ab und gegen einen Aufpreis von 4140 Mark sorgt noch eine elektronische Luftfederung dafür, daß sich das Fahrwerk automatisch an den Beladungszustand des Wagens anpaßt.

Ein Auto, dessen Aufpreisliste außer der Luftfederung nur noch das elektrische Glas-Schiebe- und Hubdach für 2360 Mark enthält, muß naheliegenderweise einen hohen Grundpreis haben. Für den Lexus LS 400 darf der Kunde bei den wenigen Händlern in Deutschland - bis Ende des Jahres sollen es bundesweit 60 sein - vom Hof rollt, 116 400 Mark auf die Ladentheke legen.

Daß die Japaner im Segment der Luxusklasse weiterhin mit einer starken Konkurrenz rechnen müssen, wissen sie aus leidvoller Erfahrung: Vom Vorgängermodell wurden bei uns seit 1990 nur 2000 Stück verkauft. Für 1995 haben sich die Lexus-Hersteller viel vorgenommen, denn sie wollen von BMW, Audi und Mercedes-Benz 600 Käufer abziehen. Ob ihnen das gelingen wird, kann erst die Zukunft zeigen, weil gerade die Käufer dieses Segments Schwierigkeiten haben, sich ein Auto aus Japan zuzulegen. Eigentlich schade, denn der Lexus LS 400 hätte mehr luxus-verwöhnte Besitzer verdient.

Von Marion Zellner