Toyota Celica Mit tadelloser Bügelfalte

Der 2+2-Sitzer ist kein Kraftpaket, aber ein harmonisches Auto

(SZ vom 20.10.1999) Zwei Türen, wenig Platz im Innenraum, ein Gepäckabteil, das sich erfolgreich weigert, einen Großeinkauf aufzunehmen, dafür aber ein kräftig-kerniger Motor und ein straffes Fahrwerk - diese Attribute werden gemeinhin einem Coupé zugeschrieben. Meistens kostet der Wagen mit der flachen Silhouette dann auch noch mehr Geld als eine viel praktischere Limousine. Doch Coupé-Käufer gehen nicht nur aus dem rationalen Blickwinkel an einen Autokauf heran - sie sind eben leidensfähige Enthusiasten, die sich gerne als mindestens genauso sportlich präsentieren wollen wie ihr fahrbarer Untersatz.

Auf diese Entwicklung haben nahezu alle Automobilhersteller reagiert, indem sie aus ihren braven Limousinen aufregendere 2+2-Sitzer-Varianten schneidern - oder sie stellen gleich eigenständige Modelle auf die Räder. Doch auch der Coupé-Markt ist in den letzten Jahren komplizierter geworden: Da gibt es die Einsteigerklasse mit Autos wie dem Opel Tigra und dem Ford Puma, die Mittelklasse mit sportiven Autos wie dem Fiat Coupé oder dem Mitsubishi Eclipse und die Nobel-Zweitürer à la Mercedes-Benz SLK oder das 3er-Coupé von BMW.

Nun will sich auch Toyota, Japans Autohersteller Nummer eins, wieder stärker in dieses Marktsegment einmischen. Toyota ist beileibe kein Neuling in dieser Klasse, im Gegenteil. Bereits 1970 wurde der Celica bei uns eingeführt, und er genießt seitdem einen guten Ruf bei den sportlich orientierten Coupé-Freunden, schließlich hetzen Werksteams den Celica über die Rallye-Strecken dieser Erde. Am 19. November debütiert nun die siebte Generation dieses Klassikers bei den deutschen Händlern. Er soll, wie Toyota sagt, das Mainstream-Segment innerhalb des Coupé-Marktes abdecken.

Wie immer die Marketing-Experten des japanischen Herstellers das auch gemeint haben: Für die meisten bedeutet Mainstream, möglichst vielen zu gefallen und möglichst wenig anzuecken. Das ist im Falle des Celica durchaus gelungen, wenngleich für das Design nicht wörtlich zu nehmen.

Denn nach ersten, kurzen Fahrten hinterließ der Celica einen ausgewogenen Eindruck: Er ist kräftig genug motorisiert, aber kein Kraftpaket auf Rädern; das Fahrwerk zeigt sich zwar sportlich, würde aber durchaus auch einer Familienlimousine zur Ehre gereichen. Nur beim Design hat Toyota weniger Kompromisse gemacht: Der Neue hat ein deutlich markanteres, da kantigeres Kleid verpasst bekommen - was Toyota Sharp Edge Design nennt. Ein Schelm, wer da an das von Ford propagierte New Edge Design des Cougar oder des Focus denkt - Ähnlichkeiten sind natürlich rein zufälliger Natur. Die Motorhaube wird von V-förmig zulaufenden Sicken geprägt, die bislang runden Scheinwerfer wurden zu einer fast dreieckigen Leuchteinheit zusammengefasst.

Von der Seite betrachtet, wirkt der Celica ungemein adrett mit dieser tadellos hingeworfenen Bügelfalte unterhalb der Seitenfenster. Auch die Heckpartie ist deutlich eckiger geworden - das scheint die neue Designmasche bei Coupés überhaupt zu werden.

Unter der Motorhaube verbirgt sich ein 1,8-Liter-Vierzylindermotor, der es auf 105 kW (143 PS) bringt. Die Kraft wird über das serienmäßige Sechsgang-Getriebe auf die Vorderräder gebracht, auf eine Traktionskontrolle haben die Japaner verzichtet. Ohne scharrende Vorderhufe ist eine Beschleunigung von Null auf 100 km/h in den angegebenen 8,7 Sekunden allerdings kaum möglich; der Vortrieb endet erst bei 205 km/h. Diese Werte lassen aber einen falschen Eindruck vom Charakter des Celica entstehen: Er ist eigentlich ein dynamischer Gleiter, der erst durch forcierten Druck auf das Gaspedal zu einem echten Sportwagen mutiert. Dann meldet sich allerdings auch das Triebwerk recht lautstark, was aber durchaus zu einem Coupé passt. Den Durchschnittsverbrauch beziffern die Japaner auf 7,7 Liter Superbenzin pro 100 Kilometer - ein exzellenter Wert.

Eine deutliche Frischzellenkur hat auch das Interieur über sich ergehen lassen müssen. Die Armaturen sind übersichtlich, nur erschließt sich nicht, warum man auf die etwas seltsame Kombination von analogen Skalen und digitalen Anzeigen gekommen ist - hier scheint der Spieltrieb mit den Designern durchgegangen zu sein. Ordentliche Platzverhältnisse herrschen auf dem Sportgestühl vorne, während die beiden Sitzmulden im Fond eigentlich nur kleinen Kindern zugemutet werden können. Einfach ärgerlich ist hingegen, dass die Sitzlehnen nicht in ihrer ursprünglichen Position wieder einrasten, wenn man sie einmal nach vorne geklappt hat.

Sicherheitstechnisch ist der Celica mit vier Airbags und ABS auf der Höhe der Zeit, und auch die Ausstattung des 4,34 Meter langen Sportwagens ist durchaus komplett für den Preis von 39 800 Mark. Wer mehr will, kann zur S-Version greifen, die für 43 900 Mark Annehmlichkeiten wie eine Klimaautomatik, mehr Leder, Leichtmetallfelgen und Nebelscheinwerfer aufweist. 4000 Einheiten will Toyota jährlich bei uns verkaufen - das sollte locker zu schaffen sein.

Vergeblich wird man auf eine Cabrio-Version des Celica warten - die Rolle des Frischluft-Autos soll im kommenden Jahr der neue MR-2 übernehmen. Dafür wird es dann eine schärfere Version des Celica geben - vermutlich ebenfalls mit einem 1,8-Liter-Motor ohne Turboaufladung, aber mit 136 kW (185 PS). Ein größerer Motor passt einfach nicht in den engen Raum unter der Motorhaube.

Von Otto Fritscher