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Toyota Avensis:Von jetzt an wird gesäuselt

Das japanische Mittelklassemodell, Liebling der Pannenstatistik, versucht es jetzt mit mehr Emotion. Aber ganz leise.

(SZ vom 19. 3. 2003) - Die Qualität des Avensis war immer vorbildlich. Jetzt kann man sie auch sehen und fühlen," freut sich ein Offizieller des deutschen Toyota-Importeurs anlässlich der Präsentation der zweiten Modellgeneration. Die dürfte, wie schon ihre Vorgänger, ganz weit oben stehen in jenen Statistiken von TÜV, ADAC und Dekra, die die Dauerhaltbarkeit und Zuverlässigkeit unserer Autos dokumentieren.

Die Stufenheck-Variante des neuen Avensis

(Foto: Foto: Toyota)

Nachdem der Avensis und sein Vorgänger Carina zunächst für sachlich verpackte Qualität standen, geht Toyota nun daran, den spröden Musterschüler mit Emotionen aufzuladen.

Was das Außendesign angeht, lässt sich streiten, ob diesem Streben Erfolg beschieden war. Man kann im neuen Avensis mit seinen größtenteils etwas aufgeschwollenen Formen und der hohen Gürtellinie eine späte Verbeugung vor dem Design früher koreanischer Limousinen sehen, andererseits liegt aber auch nicht völlig daneben, wer Stilelemente von Audi und anderen Marken aus dem alten Europa erkennt.

Im Innenraum dagegen gibt es keinerlei Diskussionen über geglückte oder misslungene Design-Anstrengungen. Hier hat Toyota mit sehr angenehmen Materialien und einer unaufgeregten Cockpit-Topographie ein beeindruckendes Niveau erreicht. Alles fasst sich gut an, sieht gut aus und hält auch auf üblen Straßen so ruhig und fest zusammen, wie man es sich nur wünschen kann.

Ohnehin geht es unterwegs sehr leise zu. Der Wind hat, wie der Cw-Wert von 0,28 zeigt, nicht viel Angriffsfläche und säuselt daher nur pianissimo. Und auch die Geräusche aus Motorraum und Radhäusern versickern weitgehend in den vielen Dämmmaterialien.

Absurder Dialog

Für das DVD-Navigationssystem mit Sprachsteuerung (2400 Euro Aufpreis) könnte es trotzdem noch leiser sein, denn bei Tempo 150 verwickelte es den Tester beharrlich in einen absurden Dialog über die ähnlich klingenden Befehle "Zielort" und "Skiort", in dem auch von Park-&-Ride-Gelegenheiten die einseitige Rede war.

Wie gewohnt, gibt es den komfortabel federnden, in vier Ausstattungsversionen angebotenen Mittelklasse-Toyota mit Stufen-, Schräg- und Kombiheck. 510 bis 520 Liter Kofferraumvolumen sind je nach Modell Standard, der Kombi-Kofferraum fasst maximal 1500 Liter und liegt damit weit entfernt von den Klassenbesten wie Ford Mondeo Turnier oder Peugeot 406 Kombi.

Unverständlich ist, dass sich das Gepäck-Trennnetz zwar hinter den Vordersitzen, nicht aber hinter den Rücksitzen aufspannen lässt. Auch, dass ESP und Bremsassistent erst jenseits von zwei Litern Hubraum an Bord sind, ist ein Makel.

Sicheres Fortkommen

Doch sonst legten die Entwickler größten Wert auf Sicherheit. Im Euro-NCAP-Crashtest erwarten sie die Maximalwertung von fünf Sternen, wozu auch ein Knie-Airbag auf der Fahrerseite beitragen soll.

Zum Verkaufsstart stehen zwei Benziner und ein Turbodiesel zur Wahl. Der Basis-Benziner mit 1,8 Litern Hubraum (95 kW / 129 PS, 7,2 Liter Normverbrauch, 200 km / h Spitze) kostet im Viertürer mindestens 20.400 Euro, im Kombi 21.600 Euro und im Fließheck mit besserer Ausstattung 22.100 Euro. Er wird, so der Importeur, allerdings ein Schattendasein fristen, da der Kunde die neue Wertigkeit des Avensis durch die Wahl größerer Motoren unterstreicht.

Der Zweiliter-Benziner mit Direkteinspritzung (108 kW / 147 PS, 8,1 Liter Normverbrauch, 210 km / h Spitze, Preise ab 23.400 Euro) und vor allem der neue Turbodiesel 2.0 D-4D (85 kW / 116 PS, 5,8 Liter, 195 km/h, ab 21.700 Euro) sollen das Gros der Zulassungen ausmachen.

Der Turbodiesel läuft sehr leise und schwingungsarm und erfüllt wie die Benziner die Abgasnorm Euro 4. Im Herbst, wenn ein 2,4-Liter-Benziner mit 170 PS die Modellpalette abrundet, wird dieser zudem mit einem Diesel-Katalysator angeboten, der den Ausstoß an Rußpartikeln und Stickoxiden erheblich senken soll.

Auch auf dem Komfortsektor rückt Toyota der mangelhaften Heizleistung moderner Diesel zu Leibe: Statt nach dem Kaltstart durch Sprit fressende Zuheizer für schnelle Wärme zu sorgen, leitet der Avensis 2.0 D-4D das vom Klimakompressor verdichtete und erhitzte Kältemittel direkt in den Verdampfer, von wo der Lüfter erwärmte Luft in den Innenraum befördert. Diese Innovation ist sicher konsensfähiger als das Karosserie-Design. Aber Schönheit entsteht ja bekanntlich im Auge des Betrachters.