Süddeutsche Zeitung

Test Plug-in-Hybrid von Opel:Eine teure Art, Sprit zu sparen

Der Opel Grandland X Hybrid 4 bietet viel Technik für eine elektrische Reichweite von circa 50 Kilometern - doch der Preis dafür liegt auf Premium-Niveau.

Wäre es eine Erfolgsgeschichte geworden, könnte sich Opel jetzt als Pionier der Elektromobilität feiern lassen. Denn mit dem ersten Opel Ampera, der nach längerem Hin und Her 2012 auf den deutschen Markt kam, war Opel mit einem Plug-in-Hybrid am Start, als noch kaum einer etwas von alternativen Antrieben wissen wollte. Leider auch nicht vom Ampera. Der Wagen wurde ein Flop, die Produktion 2016 eingestellt. Dem Nachfolger, dem rein elektrischen Ampera e, ging es nicht viel besser, denn das Auto war noch unter dem Dach von General Motors entwickelt worden. Als die französiche PSA-Gruppe Opel im Jahr 2017 übernahm, war der Ampera monatelang gar nicht erhältlich, danach konnte er eine Zeitlang wieder bestellt werden. Doch jetzt werden nur noch vorhandene Lagerfahrzeuge abverkauft, danach ist der Ampera e Geschichte.

Opel musste seine Elektrifizierungsstrategie also völlig neu beginnen und will in diesem Jahr vier elektrifizierte Modelle auf den Markt bringen, darunter den Corsa e, mit dem Jürgen Klopp in flotten Werbevideos schon unterwegs ist. Als erstes kommt der Grandland X als Plug-in-Hybrid (PHEV). Die Allradversion steht schon bei den Händlern, die billigere Variante nur mit Frontantrieb folgt etwas später.

Der Grandland X Hybrid 4 gehört mit einer Länge von knapp 4,48 Meter ins Feld der populären Kompakt-SUVs, in dem sich reichlich Konkurrenz tummelt. Er wird von einem 1,6-Liter-Turbobenziner mit 200 PS und einem Elektromotor an der Vorderachse (110 PS) und einem an der Hinterachse mit 113 PS angetrieben. Weil die Motoren im Zusammenspiel arbeiten, gibt Opel eine Systemleistung von 300 PS an.

Die 13,2 kWh starke Lithium-Ionen-Batterie bietet nach dem neuen WLTP-Messzyklus eine elektrische Reichweite von bis zu 59 Kilometern. Ob der Wert in der Praxis auch erreicht wird, hängt allerdings vom Fahrstil, der Topografie des Geländes (bergauf kostet Reichweite), den Außentemperaturen und Nebenverbrauchern wie etwa der Heizung ab. Bei einer Testfahrt im südlichen Schwarzwald zeigte das Display bei vollem Akku eine Reichweite von 44 Kilometern an, nach knapp 40 Kilometern war der Akku leer. Wenn die Batterie noch Kapazität hat, startet der Grandland X Hybrid 4 grundsätzlich im Elektromodus, der Benziner bleibt dann aus. Ist das Strompotenzial erschöpft, wechselt der Wagen automatisch in den Hybrid-Modus, der Benziner schaltet sich zu und versorgt die Elektromotoren mit Energie. Der Fahrer bekommt von diesem Zusammenspiel so gut wie nichts mit, auch das achtstufige Automatikgetriebe arbeitet diskret. Als weitere Fahrmodi, die über eine Schaltwippe auf der Mittelkonsole ausgewählt werden können, stehen noch "Sport" und "Allrad" zu Verfügung. Im Sportmodus packt der Wagen ordentlich zu, allerdings ist der Benziner dann auch ziemlich laut.

Schaltet man den Automatikhebel in die Stellung "B", bremst das Auto deutlich und rekuperiert dabei elektrische Energie, sobald man vom Gas geht. Viele Situationen im alltäglich Verkehr lassen sich damit allein mit dem Gaspedal steuern, ohne die Bremse zu betätigen, das so genannte "One-Pedal-Driving". Über die Funktion "E-Save", die man über das Bordmenü auswählen kann, lässt sich Batteriekapazität einfrieren oder über den Benziner neu erzeugen, um später für eine rein elektrische Etappe einzusetzen. Lädt man auf diese Weise eine leere Batterie wieder auf, kostet das natürlich zusätzlich Sprit.

Serienmäßig ist der Grandland X PHEV mit einem 3,7-kW-Onboard-Charger ausgerüstet. Über eine normale Schukosteckdose lässt sich der Wagen damit in etwa acht Stunden aufladen, was gemessen an anderen Konkurrenten ziemlich lang ist. Wer die Ladedauer verkürzen möchte, sollte auf jeden Fall den optionalen 7,4-kW-Onboard-Charger ordern, mit dem sich der Wagen an einer Wallbox oder öffentlichen Ladesäule aufladen laden lässt. Steht dafür eine 22-kW-Säule zur Verfügung, kann man den Grandland X in knapp zwei Stunden vollladen. Leider hat er, wie die meisten anderen PHEVs auch, keinen Schnellladeanschluss. Dabei wäre das bei Plug-in-Hybriden sehr sinnvoll, denn Discounter-Ketten oder Möbelhäuser halten für ihre Kunden oft 50 kW-Säulen bereit, an denen sich rasch und meist gratis viel Reichweite gewinnen lässt.

Als Kraftstoffverbrauch gibt Opel nach WLTP 1,4 Liter/100 pro Kilometer und einen CO₂-Austoß von 32 g/km an. Solche Werte sind bei PHEVs aber reine Theorie. Denn wie hoch der Spritverbrauch in der Praxis tatsächlich ist, hängt ganz vom Fahrprofil und der Ladehäufigkeit ab. Wer nur Kurzstrecken fährt und das Auto täglich volllädt, könnte theoretisch auch ganz ohne Benzin auskommen. Die Preise für den Hybrid 4 beginnen bei 51 165 Euro, davon geht dann noch die Förderprämie ab, die für PHEVs auf 3750 Euro steigen soll. Wann das in Kraft tritt, weiß derzeit allerdings niemand.

Das Fahrzeug wurde der Redaktion im Rahmen einer Fahrveranstaltung vom Hersteller zu Testzwecken zur Verfügung gestellt.

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Quelle:
SZ vom 25.01.2020/cku
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