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Testfahrt mit Doppelkupplungsgetriebe:Nie fuhr sich ein Smart besser

Smart Fortwo

Das Doppelkupplungsgetriebe kostet beim Fortwo 1275 und beim Forfour 1425 Euro extra.

(Foto: STG)

Schluss mit dem unfreiwilligen Kopfnicken: Nach 14 Jahren bekommt der Smart endlich eine brauchbare Automatik.

Von Michael Specht

So genial bereits 1998 das Konzept des Smart als wendiges Stadtauto auch gewesen sein mag, das automatisierte Schaltgetriebe des kleinen Zweisitzers war schlicht eine Katastrophe. Besonders im Automatikmodus brauchte der Smart nicht nur eine gefühlte Ewigkeit, um die Gänge zu wechseln, sondern nervte die Insassen auch mit einem Nicken nach dem elektronischen Einkuppeln. Verstärkt wurde diese Eigenart noch durch den extrem kurzen Radstand des Cityflitzers. Wer selbst Hand an den Knüppel legte, konnte das Nicken durch feinfühliges Betätigen des Gaspedals etwas mildern.

Angeboten hat Smart das automatisierte Schaltgetriebe nach dem Motto "Friss oder stirb, Vogel!". Der Kunde hatte keine Alternative, ein normales Schaltgetriebe mit Kuppelungspedal gab es nicht, 14 Jahre lang. Es zeugt von einem guten restlichen Auto, wenn über 1,6 Millionen Menschen dennoch den Smart Fortwo gekauft haben.

Das kleinste Doppelkupplungsgetriebe der automobilen Welt

Die dritte Generation ist nun seit einem halben Jahr auf der Straße - mit großem Erfolg. Smart verkauft bei uns gut 50 Prozent mehr, weltweit sind es 30 Prozent, jeweils gemessen gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahr. Ein Grund ist sicher das neue Getriebe. Jetzt hat der Kleine sein manuelles Räderwerk inklusive Kupplungspedal.

Doch damit nicht genug. Die neueste Errungenschaft im Hause Smart heißt "Twinamic". Hinter diesem Marketingnamen verbirgt sich das kleinste Doppelkupplungsgetriebe der automobilen Welt. Es ist eine Eigenentwicklung der Mutter Daimler und verbindet in idealer Weise zwei Lebensphilosophien: Automatikfahren mit besonders komfortablen Schaltvorgängen oder Schalten per Hand, auf Wunsch sogar über Wippen am Lenkrad. Erhältlich ist es für den Fortwo (1275 Euro) und Forfour (1425 Euro), sofern man diese mit 71 oder 90 PS bestellt. Beim Händler sind die Autos dann frühestens im September, heißt es bei Smart.

Die Gänge wechseln weich und fast unbemerkt

Eine erste Ausfahrt mit dem Fortwo Twinamic lässt die Person hinterm Lenkrad sogleich ein "na, endlich, warum nicht gleich so" ausstoßen. Nie fuhr sich ein Smart besser. Die Gänge wechseln weich und fast unbemerkt. Auch im manuellen Modus klappt das Schalten prima, rauf wie runter. Da der kleine Dreizylinder kaum hörbar im Heck schnurrt, muss man schon bewusst auf das Display schauen, um zu wissen, in welchem der sechs Gänge man gerade unterwegs ist. Von den Vorgängermodellen hat sich der neue Smart, besonders beim Thema Fahrkomfort, noch weiter entfernt als zuvor.

Die Doppelkupplungsautomatik passt zudem hervorragend zum Revier des Fortwo, der Stadt. Gelassen und souverän wuselt man durch den dichten Verkehr, kann sich auf andere Dinge konzentrieren als aufs Schalten und Kuppeln. Auch die Zeiten, in denen eine Automatik den Spritverbrauch nach oben trieb, sind längst vorbei. Die Twinamic unterscheidet sich hier nicht vom manuellem Fünfganggetriebe. Sowohl beim 71- als auch beim 90-PS-Motor sind es 4,2 Liter je 100 Kilometer, zumindest nach der EU-Norm. Der Bordcomputer zeigte nach der Testfahrt 4,9 Liter an, immer noch ein sehr guter Wert.

Zeitgleich mit dem Doppelkupplungsgetriebe hält in den Smart auch eine smarte Konnektivität Einzug - wenn auch mit Einschränkung. Die Handy-Integration und damit die Spiegelung der Apps auf das Display im Auto funktioniert nur per MirrorLink. Smart beteuert aber, man werde spätestens nächstes Jahr so weit sein, dass iPhones und Handys mit Android-Betriebssystem ebenfalls angeschlossen werden können.

© SZ vom 11.07.2015/harl
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