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Test BMW 2er Grand Coupé:Benzin oder Diesel, sonst nichts

BMW 2er Gran Coupe

Die Niere an der Front kommt beim 2er Grand Coupé im Vergleich zu anderen BMW-Modellen dezent daher.

(Foto: BMW)

Das 2er Grand Coupé von BMW ist eher eine Sportlimousine als ein klassisches Coupé. Warum es nur Verbrenner gibt, ist angesichts der Konkurrenz unverständlich.

Eines vorweg: Dieser 2er ist weder Gran noch ein klassisches Coupé, denn das Beinahe-Stufenheck übernimmt den Radstand vom zwei Handbreit kürzeren 1er, und die Linienführung entspricht eher einer Sportlimousine. Der bei 8er, 6er und 4er gekonnt umgesetzte Coupé-Anspruch scheitert beim 2er wie auch beim Mercedes CLA an den kompakten Abmessungen. Dass dieser Frontantriebs-BMW hinten eine halbe Zigarettenlänge mehr Knieraum bietet und der Fond leichter zugänglich ist als im zweitürigen 2er mit Heckantrieb, ist für großgewachsene Passagiere nur ein schwacher Trost.

Als 2+2-Sitzer hat das kleinste Gran Coupé freilich durchaus seine Meriten, zu denen der variable, 430 Liter große Gepäckraum gehört. Das Erscheinungsbild ist geprägt von langen Überhängen, der wuchtigen Schnauze mit störendem seitlichen Versatz zur unteren Fensterlinie und dem bulligen Heck. Ein größerer Raddurchmesser würde die breite Spur ideal ergänzen und dem Auto einen noch souveräneren Auftritt bescheren. Kein Aufreger ist diesmal die vergleichsweise dezente Niere an der Front.

Beim Cockpit orientiert sich das 2er Gran Coupé an 3er und 5er - vieles dran, vieles drin, abgesehen von der verspielten Instrumentengrafik keine besonderen Vorkommnisse. Die ordentliche Serienausstattung lässt sich gegen Mehrpreis digital aufrüsten. Man kann mehr und größere Displays dazukaufen, den Funktionsumfang der Systeme erweitern, ein halbes Dutzend Aufpasser und Assistenten an Bord holen, Licht und Musik individualisieren oder dem Auto per Sprachsteuerung eine Konversation aufdrängen. Zum Repertoire der Kunststimme gehören der prompte Concierge-Service ("Wo ist hier ein wirklich guter Italiener - nicht nur eine Pizzeria?"), das Bemühen um persönliches Wohlbefinden ("Mir ist kalt, und der Rücken tut weh") sowie ein unterhaltsamer Charakter ("Erzähle mir mal eine Anekdote").

Auf elektrische Varianten muss man in der BMW-Kompaktklasse noch warten

Die Spracheingabe funktioniert inzwischen so gut, dass man dem Zeigefinger das gerade erst antrainierte Wischen, Scrollen und Zoomen am liebsten gleich wieder abgewöhnen möchte. Obwohl dieser BMW einem so manchen Wunsch von den Lippen abliest, beherrscht er das autonome Fahren vorerst nur im Rückwärtsgang: auf Knopfdruck werden die zuletzt absolvierten 50 Meter freihändig, im Schritttempo und absolut spurtreu rückabgewickelt.

Zum Start bietet BMW drei Motoren an. Der kleine Benziner ist ein angestrengter 1,5-Liter-Dreizylinder, für den man in Verbindung mit der Grundausstattung 31 950 Euro zahlen muss - viel Geld für wenig Leistung. Mit 39 900 Euro nochmals teurer ist der 220 d, der selbst extrabreit bereift nach WLTP-Norm nur 4,5 Liter auf 100 Kilometer konsumiert. Mit den 400 Newtonmeter, die das 190 PS starke 2,0-Liter-Aggregat bereitstellt, ist die serienmäßige Achtgangautomatik bis zur Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h gut beschäftigt. Für 51 950 Euro bekommt man den M 235 i mit Allradantrieb, 306-PS-Motor, Dynamikfahrwerk sowie nachgeschärfter Lenkung und Bremse. Das per Bodykit aufgepeppte, auf 18-Zoll-Alus gestellte und mit sportlichen Innenraum-Requisiten bestückte Topmodell erreicht schon nach 4,9 Sekunden die 100-Stundenkilometer-Lichtschranke und wird bei Tempo 250 elektronisch eingebremst.

BMW 2er Gran Coupe Innenraum

Vieles dran, vieles drin - abgesehen von der verspielten Instrumentengrafik keine besonderen Vorkommnisse.

(Foto: BMW)

Trotz der bestechenden Fahrleistungen des M 235i stellt man sich unwillkürlich die Frage, ob die hartgesottenen BMW-Fans trotzdem dem M 140 i mit Sechszylinder, Schaltgetriebe und Hinterradantrieb nachtrauern. 340 PS sind nun mal 34 PS mehr als 306 PS, Schalten und Kuppeln ist eine Genugtuung der besonderen Art und angetriebene Hinterräder sind für die Freunde von möglichst viel Fahrdynamik die bessere Lösung. Wer diese klassischen Markenwerte der Münchner auch in Zukunft nicht missen mag, muss auf das im Vergleich deutlich kompromisslosere M 240 i Coupé ausweichen. Doch auch der neuzeitliche M 235 i hat seine Vorzüge. Er ist leichter zu fahren, kaum weniger schnell, etwas komfortabler abgestimmt, digital auf der Höhe der Zeit, messbar effizienter und kostet etwas weniger.

Trotzdem muss das stärkste Gran Coupé bei der ersten Ausfahrt hier und dort Federn lassen. Der Praxisverbrauch war höher als erwartet, das Getriebe dürfte im Sportprogramm mit etwas mehr Verve schalten, von der Sportbremse hätte man ein prompteres Ansprechverhalten erwartet, die Sportlenkung verlangt ab 160 Stundenkilometer nach einer sehr ruhigen Hand. Der 220 d nimmt sich beim Standardsprint zwar 2,6 Sekunden mehr Zeit, aber er ist in Summe zweifellos die souveränere Wahl - ein gediegener Gleiter ohne Allüren. Als Diesel lenkt der 2er trotz M-Paket etwas bedächtiger, und das Fahrwerk streut gelegentlich einen Weichzeichner ein, doch diese selbstbewusste Lässigkeit passt gut zum drehmomentstarken Motor, der am liebsten niedertourig im großen Gang durchs Land dieselt.

Was das 2er Gran Coupé leider nicht kann, ist elektrisch fahren, teilelektrisch fahren oder zumindest per Mild-Hybrid das eine oder andere Gramm CO₂ einsparen. Ein Plug-in-Hybrid wäre im Wettbewerbsumfeld von A-Klasse und dem neuen Audi A 3 eine feine Sache gewesen, aber mehr als ab und zu segeln, den Motor schon im Ausrollen von einer verbesserten Start-Stopp-Automatik abschalten lassen, immer wieder mal rekuperieren und die Nebenaggregate bedarfsgerecht steuern, ist momentan nicht drin im Kompaktklasse-Emissionsfahrplan von BMW. Während ein vollelektrischer 2er möglicherweise erst im übernächsten Leben ans Netz geht, nimmt der kolportierte i 1 langsam Form an - natürlich auf Basis der neuen, für fast alle Eventualitäten gerüsteten Frontantriebsplattform des Konzerns, die sich allerdings dem Vernehmen nach mit einem ziemlich kleinen Akku-Pack wird bescheiden müssen.

© SZ vom 22.02.2020/cku
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