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Telematik-Tarife für Kfz-Versicherungen:Bis zu 30 Prozent Ersparnis

Studie zu Verkehr 2040

Stadtautobahn in Berlin bei Nacht: Der Verkehr nimmt zu, die technischen Möglichkeiten auch. Bereits jetzt können die Versicherer die Fahrer überwachen.

(Foto: Paul Zinken/dpa)

Bei der Sparkassen Direkt ist das ein externer Dienstleister, der die Daten auswertet und daraus einen Punktwert errechnet, den sogenannten Score. Bei niedrigem Score sinken die Prämien. Der Versicherer erhält nur die Scores, die Einzeldaten bleiben beim Dienstleister, der nur die Gerätenummer kennt, aber nicht den Kunden. Der Kunde kann die gefahrenen Kilometer und seine Scores abrufen. So seien die Daten gut geschützt, glaubt der Versicherer.

In Großbritannien sind Modelle auf dem Markt, die deutlich weiter gehen. Wenn ein junger Autofahrer dort zwischen 23 Uhr und fünf Uhr fährt, sind sofort 100 Pfund Geldstrafe fällig, die der Versicherer abbucht. Solche Strafen planen deutsche Versicherer bislang nicht. Sie werben vor allem mit der Ersparnis - beim Hannoveraner Anbieter VHV sind es bis zu 30 Prozent, die Fahranfänger weniger zahlen. Allerdings kostet das entsprechende Gerät, das in den Zigarettenanzünder im Auto eingesteckt wird, 130 Euro. Die zahlt der Kunde.

HUK-Coburg testet die Geräte bei Mitarbeitern

Die HUK-Coburg gibt sich zugeknöpft, wenn es um die Einzelheiten ihres Systems geht. Es gebe noch viele offene Fragen. Über das Prinzip äußert sich Vorstand Klaus-Jürgen Heitmann aber. "Die Autos sammeln schon heute sehr viele Daten und künftig noch mehr", sagt er. "Jetzt stellt sich für die Versicherer die große Frage, ob sie mit der Nutzung dieser Daten die Risiken noch besser einschätzen können." Das könne gerade für junge Leute gelten. Gesichert sei die Wirkung aber keineswegs, deshalb habe auch der von 2016 an angebotene Telematik-Tarif immer noch einen gewissen Testcharakter. Im Feldversuch baut der Versicherer aktuell die Geräte bei Fahrzeugen von Mitarbeitern ein - auch bei Vorständen.

Axa Deutschland geht einen anderen Weg. Ein spezielles Gerät muss nicht installiert werden. "Jeder kann an dem Tarifmodell teilnehmen, der ein Smartphone hat und unsere App nutzt", sagt Daniel Schulze Lammers, bei Axa zuständig für die Autoversicherung. Die App misst das Fahrverhalten. Wer teilnimmt, erhält einen Grundbonus und außerdem eine Gutschrift je nach Fahrverhalten. Der Fahrer bestimmt, wann Daten gesendet werden und wann nicht. Zielgruppe sind Fahranfänger bis 25 Jahre.

Es ist kein Zufall, dass gerade HUK-Coburg energisch bei den Telematik-Tarifen vorangeht. Die Gesellschaft hat sich in den vergangenen zehn Jahren zwar auf Platz eins bei der Stückzahl im umkämpften Autoversicherungsmarkt hochgekämpft, auch wenn die Allianz bei den Prämieneinnahmen größer ist, weil sie mehr Lkws versichert. Aber die Coburger sind von zwei Seiten heftig unter Druck: Die Autohersteller bieten beim Neuwagenverkauf in Zusammenarbeit mit der Allianz Versicherungen an und offerieren, wenn sie ein bestimmtes Modell in den Markt drücken wollen, stark subventionierte Policen. Vergleichsportale wie Check24 und Verivox sorgen für intensive Konkurrenz gegen den Internet-Anbieter HUK24. Da sucht die Gesellschaft nach jeder Gelegenheit, durch bessere Analyse des Risikos noch passgenauere Tarife anzubieten.

© SZ vom 21.05.2015/harl
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