Telematik Entwickler als Zensurbehörde

"Mein persönliches Ziel wären 1000 Apps bis zum Jahr 2015. Aber das wird trotz einer Gruppe von 50 Entwicklern wohl nicht darstellbar sein", bedauert Bharat Balasubramanian, Leiter Produktinnovationen bei Daimler. Aus Sicherheitsgründen schaltet Mercedes zwischen den Facebook-Server und das Fahrzeug einen eigenen Backend-Server. Dadurch werden nicht nur Schadprogramme, sondern auch Werbe-Banner abgefangen. Im Gegenzug muss Mercedes Lizenzgebühren für Dienste zahlen, die ansonsten kostenlos sind.

BMW i

Das Auto-Projekt

BMW hatte bereits auf der IAA 2009 das Konzept eines App-Stores gezeigt. Das bislang eifersüchtig gehütete Bordsystem wurde bei Mini im vergangenen Jahr erstmals zur (teilweise) offenen Kommunikationsplattform: "Wir wollen beim Thema ConnectedDrive auch in Zukunft an der Spitze bleiben. Deshalb haben wir neben den bereits bestehenden AppCentern in München und Mountain View, Kalifornien, ein neues BMW Group ConnectedDrive Lab in Shanghai gegründet", berichtet Entwicklungsvorstand Klaus Draeger, "die Kollegen dort entwickeln bereits die ersten Apps speziell für den asiatischen Markt."

Die Kapazitätserweiterung in der App-Fabrik zeigt den großen Stellenwert der Fremd-Software. Doch ungefiltert kommen die Applikationen auch bei BMW und Mini nicht ins Auto. Wie eine Zensurbehörde achten die Entwickler sehr darauf, dass die Inhalte den Fahrer nicht zu sehr ablenken oder gar Unfug mit dem Bordnetz treiben. Die Überarbeitung aktueller Apps für den Einsatz im Automobil wird aus diesem Grund jeweils einige Monate dauern.

Von der nächsten Golf-Generation an sollen Apps 2013 erstmals für die Brot-und-Butter-Autos des Volkswagen-Konzerns verfügbar sein. Im gleichen Jahr werden die ersten deutschen Automobilhersteller auch den offenen Mirror-Link-Standard einführen, den sie mit führenden Handyherstellern - ausgenommen Apple - definiert haben. Neue Mobiltelefone werden dann über eine einheitliche Schnittstelle verfügen, die sich leichter mit den Fahrzeugen versteht. Dann können Apps vom Handy per Bluetooth in das Infotainmentsystem geladen und dort bedient werden.

Das Digitalradio DAB+, das auf der IAA gerade als Radio der Zukunft präsentiert wurde, entpuppt sich angesichts der neuen Handy-Integration dagegen als teure und vor allem nutzlose Fehlentwicklung. Da immer mehr Autofahrer über internetfähige Smartphones verfügen, werden sie sich wohl nicht parallel auch noch ein vergleichsweise teures Digitalradio für die Datenübertragung anschaffen.

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