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Tachobetrug:Digitaler Krieg mit den Tacho-Hackern

Im Alltag gleicht der Kampf mit den Tachodrehern einem Katz-und-Maus-Spiel. Die Hersteller versuchen, ihre Bordelektronik immer noch raffinierter zu schützen, die Manipulateure ziehen sofort mit frischer Software nach. "Momentan können Sie für 300 Euro Ihren Tacho manipulieren. Die Software gibt es als illegale Kopie bei Ebay, sie stammt meist aus China. Wenn das ein guter Fälscher macht, dann wird das zu 99 Prozent nicht entdeckt," sagt Ulrich May. Auch VW spricht von einem "Wettlauf zwischen der Automobilindustrie, die stetig verbesserte Schutzmaßnahmen entwickelt, und der 'Manipulations-Branche'". Es ist ein digitaler Krieg gegen die Tacho-Hacker.

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Wie erkenne ich, ob der Tacho manipuliert worden ist?

Komisch, das Auto soll nur wenige Tausend Kilometer gefahren sein, dabei sieht es deutlich älter aus. Tachomanipulation gehört zu den gängigsten Betrügereien im Gebrauchtwagenhandel. Wie Sie Tacho-Trickser entlarven.

Neben der Datenverschlüsselung und -sicherung ist deshalb die Dokumentation die Hauptwaffe der Hersteller. Mercedes-Benz beispielsweise speichert mit dem sogenannten Digital Service Booklet (DSB) Wartung samt Kilometerstand zentral in einem System. Auch freie Werkstätten können dort ihre Reparaturen dokumentieren. "Der Fahrzeugbesitzer erhält beim Service einen Auszug der durchgeführten Arbeitspositionen. Auf die Historie der durchgeführten Wartungen kann jeder Mercedes-Benz-Händler zugreifen," sagt Stefan Schuster von Mercedes-Benz.

30.000 oder 300.000 Kilometer?

Beim Fahrzeugkauf können sich Verbraucher jedoch auch mit klassischen Mitteln über die Glaubwürdigkeit des angegebenen Kilometerstandes informieren. Gebrauchsspuren wie ein abgegriffenes Lenkrad, abgenutzte Pedalerie oder ein verschlissener Schaltknüppel sagen auf den ersten Blick, ob ein Wagen eher 30.000 oder 300.000 Kilometer gelaufen ist.

"Wichtig sind dabei Papiere mit dem Hinweis auf die Kilometerstände, etwa das Werkstattcheckheft. Ein ganz konkreter Hinweis sind auch die Berichte der letzten Hauptuntersuchungen. Hier wird im Zweijahresrythmus der genaue Kilometerstand eingetragen. Also bei Zweifeln immer diese Papiere erfragen," sagt Hans-Georg Marmit von der KÜS. Ansonsten sei Misstrauen angebracht. Denn die Tachomanipulateure gewinnen zurzeit wieder an Boden: "Es wird munter weitergedreht," sagt ADAC-Mann May.