SZ-Serie Nahverkehr weltweit Das IOC finanziert den Ausbau des Nahverkehrs mit

Sie haben eine Bewerbung abgegeben, die weniger das Versprechen auf ein gigantomanisches Spektakel als vielmehr eine Botschaft der Lässigkeit enthielt, die sich eine Stadt nun mal leisten kann, wenn die jedes Jahr die Oscar-Verleihung stemmt und mittlerweile in jeder bedeutenden Sportart zwei Profiteams vorweisen kann. Es muss keine einzige permanente Sportstätte errichtet werden, die danach zur Ruine verkommen könnte, das meiste ist ohnehin schon da oder wurde unabhängig von Olympia geplant. Was nun schneller realisiert werden muss: der bereits beschlossene Ausbau des Nahverkehrs, der durch Vorschüsse des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mitfinanziert wird.

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SZ-Serie Nahverkehr weltweit

Frustriert in Sydneys "Shittyrail"

Die Bürger der australischen Metropole sitzen lieber stundenlang im Auto als in unzuverlässigen Bussen und Bahnen. Und das Desinteresse der Politiker am Nahverkehr hält an.   Von Urs Wälterlin

"Laut unserem Plan kommen auf die Steuerzahler keinerlei Kosten zu, die Spiele werden komplett privat finanziert", verspricht Bürgermeister Eric Garcetti. Der auf die Durchführung von Großereignissen spezialisierte Ökonom Andrew Zimbalist vom Smith College hält dies für kein typisches Politikerversprechen: "All die Pläne haben grundsätzlich nichts mit Olympia zu tun und wurden auch nicht deshalb verändert - sie könnten nun nur schneller realisiert werden, weil es diesen festgesetzten Termin gibt." Zimbalist war ein Olympia-Gegner, nun sagt er: "Los Angeles hat seine Karten perfekt gespielt und dem IOC signifikante Zugeständnisse entlockt. Die Stadt könnte einen Gewinn von mehr als 400 Millionen Dollar erwirtschaften."

Weitere kostenpflichtige Highway-Extraspuren als Geldquelle

Die lokale Transportbehörde Metro möchte in den kommenden 40 Jahren insgesamt 120 Milliarden Dollar in den Umbau der Infrastruktur investieren: Schnellzüge in die Vororte, eigene Straßen für (bestenfalls bald selbst fahrende) Busse, Fahrradwege zu Haltestellen. Finanziert werden soll das nicht nur durch Steuergelder, sondern auch, und das ist das Amerikanisch-Geniale an diesem Plan, über einen Ausbau der sogenannten Express Lanes.

Der Highway 110 von Süden aus ins Stadtzentrum etwa besteht aus fünf Fahrbahnen und einer Extraspur, die nur von Fahrgemeinschaften benutzt werden darf - oder Einzelfahrern, die dafür je nach Verkehr zwischen ein paar Cent und mehreren Dollar bezahlen. Abgerechnet wird über Kreditkarte und ein an der Windschutzscheibe befestigtes Kästchen. Der Verkehr auf den Schnellspuren ist meist deutlich geringer, es gibt sogar eigene Ausfahrten wie etwa jene, die in der Eröffnungssequenz des Films "La La Land" zu sehen ist.

Der Freeway 405, der mit dem irrwitzigen Verkehrsvideo, soll möglichst bald so eine Fahrbahn bekommen. Man kann die Express Lanes nun als Zwei-Klassen-Verkehr betrachten, oder auch so: Wer weiterhin alleine im Auto sitzen und schnell vorankommen möchte, der soll gefälligst allen anderen den öffentlichen Nahverkehr finanzieren. Es gibt Pläne, neben der Auto-Schnellspur gleich noch eine Fahrbahn für Busse und eine neue Linie für Schienenverkehr zu errichten.

Die Olympia-Eröffnungsfeier als erster Test

Bleibt die Frage, wie die Verantwortlichen den Angelenos beibringen wollen, künftig auf das geliebte Auto zu verzichten. Und auf öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. "Die meisten Menschen machen bei einer Revolution nicht deshalb mit, weil die Welt dadurch ein besserer Ort wird", sagt der Tunnelbohrer Musk: "Sie machen mit, weil es sich für sie persönlich lohnt."

Wie das gehen soll, könnte die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2028 zeigen: Die Zeremonie soll im Memorial Coliseum beginnen, dem legendären Stadion südlich der Stadtmitte und Austragungsort der Spiele von 1932 und 1984. Danach soll die olympische Fackel durch L. A .getragen werden, bis zum teuersten Sportpalast der Geschichte, der gerade für 2,7 Milliarden Dollar in Inglewood gebaut wird. Die Strecke sollte der Fackelläufer in weniger als einer Stunde schaffen. Das ist, und das zeigt ein zweiter Selbstversuch, schneller als derzeit die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die dauert 62 Minuten. Der Autofahrer benötigt je nach Verkehr und Benutzung der Express Lane zwischen 25 und 45 Minuten. Die südliche U-Bahn-Linie sollte bis zu den Spielen fertig gestellt sein, eine Fahrt könnte dann weniger als 25 Minuten dauern. Das wäre tatsächlich ein kräftiges Argument für den Verzicht aufs eigene Auto.

Die SZ berichtet in dieser Serie über den Nahverkehr in den Metropolen der Welt. Alle Folgen finden sich unter www.sueddeutsche.de/nahverkehr.

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