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Suzuki GSR 750:Zähne fletschen im Streichelzoo

Die Suzuki GSR 750 ist keineswegs so martialisch, wie sie aussieht: Sie verspricht Alltagstauglichkeit zum günstigen Preis.

Thilo Kozik

Das war nur logisch: Nach der GSR 600 bringt Suzuki nun das Update in Form einer GSR 750, die wie die kleine Schwester als Landstraßenmaschine mit dem Motor eines Supersportlers antritt.

Mobiles Leben

Wildes Geschau: Die Suzuki GSR 750 ist im Umgang recht harmlos.

(Foto: Eric Malherbe)

Nur noch schärfer: Die angriffslustige Aufmachung mit der puristischen Optik legt die Messlatte höher und weckt Assoziationen an einen Streetfighter, der sein Vorderrad vor lauter Kraft nicht auf dem Boden halten kann.

Tatsächlich stammt das Triebwerk aus der legendären GSX-R 750-Baureihe von 2005, tritt also mit zwei obenliegenden Nockenwellen, Benzineinspritzung mit Doppeldrosselklappen-Technologie und einem sportlich gestuften Sechsganggetriebe an.

Für den GSR-Einsatz kappen zahmere Steuerzeiten, überarbeitete Ein- und Auslasskanäle, kleinere Ventile und der neue Auspuff die Spitzenleistung auf 106 PS. Dafür pumpen sie das Drehmoment auf 80 Newtonmeter auf. Untermalt von sonorem Röhren liefert der Vierzylinder durchaus ordentlichen Vortrieb schon ab vergleichsweise milden 3500 Umdrehungen.

So richtig lustig wird's aber erst jenseits der 7500 Touren. Dann lässt das Supersportaggregat die Hüllen fallen und schiebt drehzahlgierig an. Echte 225 km/h sind dann drin, das ist so viel, dass ein fester Charakter vom Fahrer gefordert ist und allemal mehr, als die Nackenmuskulatur auf Dauer toleriert.

Und doch: Das modifizierte Triebwerk scheint in der Mitte nicht so viel gewonnen zu haben wie es in der Spitze verloren hat. Der Tritt ins Kreuz oder das zum Himmel steigende Vorderrad gehen der GSR ab, dazu muss schon kräftig am Lenker gezogen und gleichzeitig ordentlich mit der Kupplung assistiert werden.

Für maßvoll-verantwortliche Fahrweise verbieten sich solche Manöver ohnehin und im verwinkelten Asphaltgeläuf spielt es auch keine Rolle, denn viel mehr Leistung als die 106 PS bekommt man hier ohnehin nicht auf den Asphalt.

ABS kommt später

Vielmehr sind handliche Agilität und eine lässige Ergonomie gefragt. Beides hat die Suzuki zu bieten. In klassischer Pose mit moderaten Kniewinkeln und leicht vorgeneigt durchkurvt der GSR-Fahrer leichtfüßig das Revier, die Schräglagenfreiheit genügt höheren Ambitionen.

Windschutz darf man von der kleinen Lampenverkleidung allerdings keinen erwarten, und das Polster fällt auf Dauer ziemlich hart aus. Der Fahrkomfort ist tadellos, jedenfalls so lange man auf gutem Untergrund unterwegs ist. Absätze und Belagkanten trommeln dagegen ziemlich unwirsch von unten auf die Besatzung ein.

Dass die GSR unter hohem Kostendruck entwickelt wurde, merkt man ihr an. Waren Rahmen und Schwinge der 600er-Schwester noch aus Alu, sorgen bei der GSR 750 ein Stahlrahmen mit ebensolcher Schwinge samt simplem Kettenspannmechanismus für - freilich tadellose - Stabilität.

Einen etwas höheren Aufwand hätte man sich jedoch für die Bremsen gewünscht. Hier müssen sich jetzt mittelprächtige Doppelkolben-Schwimmsättel mit dem Verzögern abmühen. Für eine gute Bremsleistung der beiden 310er-Scheiben im Vorderrad muss der Hebel jedenfalls mit der ganzen Hand kräftig gezogen werden.

Zur stumpfen Wirkung gesellt sich noch ein schlecht definierter Druckpunkt und eine schwammige Rückmeldung. Bislang gibt es die GSR zudem nur ohne ABS, der unfallverhütende Blockierverhinderer ist erst für später in diesem Jahr angekündigt.

Hinter der martialischen Optik der neuen Suzuki GSR 750 verbirgt sich alles in allem also eher ein alltagstaugliches Naked Bike für alle Tage anstelle des kompromisslosen Streetfighters, den sie dem flüchtigen Betrachter vorgaukelt.

Damit ist ein breiteres Einsatzspektrum verbunden, das ihr wie der günstige Preis von 8290 Euro sicher zu mehr Kaufinteressenten verhelfen dürfte.

© SZ vom 25.07.2011/gf
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