SUV statt Hybrid Gestern Prius, heute Cayenne

Ein Porsche Cayenne - immer mehr Amerikaner entscheiden sich statt eines alternativen Antriebs für einen SUV.

(Foto: AFP)
  • 22 Prozent der Amerikaner, die zuvor Elektro- oder Hybridantrieb fuhren, kauften im ersten Quartal 2015 ein SUV.
  • Einer der Gründe ist der niedrige Benzinpreis. Dadurch dauert es länger, bis sich der höhere Kaufpreis für einen alternativen Antrieb amortisiert.
  • Elektro- und Hybridmodelle haben den Reiz als technologische Vorreiter verloren.
Von Felix Reek

Wer erinnert sich nicht an all die Hollywood-Stars, die vor einigen Jahren mit gutem Beispiel vorangingen und ihre Sportwagen und Luxuslimousinen gegen einen Toyota Prius eintauschten. Umweltbewusstsein zeigen, Verantwortung übernehmen, das war das Gebot der Stunde. Vielleicht war das aber nur Show und ein "grüner" Hybrid sah einfach besser aus auf den Paparazzi-Bildern. Das zumindest legt eine Studie von Edmunds, einem US-Online-Autohändler und Automobilmarktanalysten, nahe. Denn genauso schnell, wie Arnold Schwarzenegger den Prius mit Ende seiner Politikerkarriere gegen ein mächtiges SUV eintauschte, verschwinden die Elektro- und Hybridautos von US-Straßen.

Laut Edmunds folgten 22 Prozent der Amerikaner in den ersten drei Monaten des Jahres 2015 dem Beispiel des Terminators: Sie tauschten ihr umweltfreundliches Auto gegen ein SUV. Das sind etwa drei Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres und zehn mehr als 2013. Im Umkehrschluss heißt das: Wer ein Auto mit Elektro- oder Hybridmotor fährt, tut dies nicht zwangsläufig, um den Planeten zu retten. "Es sieht so aus, als wäre die Motivation dieser Fahrzeugbesitzer eher eine finanzielle", so Jessica Caldwell, Analystin bei Edmunds zu USA Today. "Vor drei Jahren befand sich der Benzinpreis auf Rekordniveau. Es war viel einfacher, den Aufpreis von alternativen Antrieben zu rechtfertigen. Aber mit den heutigen Niedrigpreisen ist das nicht mehr so verlockend."

2013 zahlten die Amerikaner noch vier Dollar pro Gallone Benzin, also ungefähr einen Euro pro Liter. Zurzeit sind es umgerechnet etwa 66 Eurocent für einen Liter Treibstoff. Dadurch ist die Laufzeit, bis sich der höhere Kaufpreis eines Elektro- oder Hybridfahrzeuges amortisiert hat, offenbar zu hoch für viele US-Bürger.

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Weniger Verbrauch bis 2025

Während deutsche Autofahrer von solchen Benzinpreisen nur träumen können, stürzt das rückläufige Interesse die US-Autobauer in eine Krise. Wie in Europa müssen sie auch in den Vereinigten Staaten strengere Umweltauflagen erfüllen. Bis 2025 sollen die Hersteller den Durchschnittsverbrauch ihrer Flotten auf 54,5 Meilen pro Gallone Benzin senken. Das entspricht etwa 4,3 Liter auf 100 Kilometer. Ein steigender Absatz von alternativen Antrieben ist essenziell, um die Vorlagen einhalten zu können. Die US-Autoindustrie reagierte bei ihren Ökomodellen bereits mit massiven Rabatten: Vergangene Woche senkte beispielsweise Cadillac den Preis des Plug-in Hybrids ELR um 9000 Dollar, Chevrolet verkauft den Spark bereits unter 20 000 Dollar.

Der Rückgang beim Absatz von alternativen Antrieben hat laut der Studie aber noch einen weiteren Grund: Es ist nicht mehr hip, ein Elektroauto zu fahren. Genauso wie man als Mann mit Vollbart heute in der Masse untergeht, so ist ein Ökomobil kein Alleinstellungsmerkmal mehr. "Sie sind Teil des Mainstreams geworden, sie haben diesen speziellen Reiz verloren", so Jessica Caldwell von Edmunds. "Man fühlt sich nicht wie ein Pionier. Und deswegen ist der Kauf weniger verlockend." Eine gute Nachricht gibt es aber: Zumindest 45 Prozent der Amerikaner entschieden sich dafür, erneut ein Elektro- oder Hybridauto zu kaufen. Und spätestens wenn der Benzinpreis steigt, entdecken auch die Amerikaner wieder ihr ökologisches Gewissen. Selbst wenn das nur in der Brieftasche sitzen sollte.