SUV im Fahrbericht Der Stelvio ist ein Beau mit Macken

Scudetto im Großformat: Der Stelvio ist Alfa Romeos erstes SUV.

(Foto: Alfa Romeo)

Alfa Romeos erstes SUV sieht toll aus und hat eine bravouröse Fahrdynamik. Ansonsten präsentiert sich der Stelvio im Test aber so mäßig, dass selbst Alfas Entwicklungschef mit den Schultern zuckt.

Von Georg Kacher

Alfa hat einen großen Namen, eine lange Tradition, ein Gespür für schöne Formen und den ewigen Charme der italianitá. Was Alfa nicht hat, ist Geld. Das brauchen Fiat und Chrysler für ihre Volumenmodelle, für Jeep und für Connectivity, Elektromobilität und autonomes Fahren. Die Technik hinter den neuen Alfa-Modellen trägt den Decknamen Giorgio. Dabei handelt es sich um eine Modul-Architektur für Heck- und Allradantrieb.

Obwohl Alfa das technische Rüstzeug liefert, schwebt aus Budgetgründen ein Damoklesschwert über projektierten Nischenmodellen wie dem bereits fertigen Giulia Sportwagon (Kombi) und der nächsten Giulietta. Stattdessen wollen die Italiener nach dem Stelvio mit zwei weiteren SUV auf Giorgio-Basis Kasse machen. Die größere Variante (2018) hat den X 5 im Visier, die kleinere (2019) den X 1. Eine zwischen Fünfer und Siebener positionierte Stufenhecklimousine (2020) beschließt den ersten Teil der Produkt-Offensive.

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Der Stelvio will kein Me-too-Crossover sein, sondern ein echter Alfa mit allen markentypischen Attributen: Design mit Pfiff, Innenraum mit Flair, Motoren mit Musik, Fahrspaß mit Emotion. Dieses Ziel verfehlt leider selbst der stärkste Diesel mit seinen 210 PS recht deutlich. Geräuschkulisse und Laufruhe wirken allzu rustikal, die Harmonie zwischen Motor und Getriebe hängt von der Gangart ab: Andante ist okay, furioso eher nicht. Der Verbrauch wird mit 4,8 Liter auf 100 Kilometer angegeben. Die Preise stehen noch nicht fest, wohl aber die drei Ausstattungslinien Stelvio (ziemlich komplett), Super (könnte auch Luxus heißen) und Business (Außendienstler-Paket nur in Verbindung mit Dieselmotoren).

Die kräftigste Version ist bis auf Weiteres der 2,0-Liter-Turbo mit 280 PS, der etwa zehn Prozent weniger kosten soll als ein BMW X 3 mit 245 PS, was für den Stelvio Super auf einen Preis von unter 50 000 Euro schließen lässt. Im Top-Benziner schlägt ein Cuore sportivo der alten Schule: rauchig bis röhrend, aufmerksam bis giftig, gelassen bis drehzahlhungrig. Den Rhythmus gibt der DNA-Fahrprogramm-Schalter vor. D steht für dynamisch, N für die goldene Mitte, A für Effizienz. Leider kann man die verschiedenen Kennungen nicht nach Wunsch miteinander kombinieren. In Eco wird beispielsweise früh hochgeschaltet und nach Herzenslust gesegelt, aber die Lenkung reagiert mit geringem Verzug, und das Fahrwerk ist ziemlich weich abgestimmt.

Bravouröse Fahrdynamik

Auf der Alfa-Testrecke zeigt der D-Modus seine Qualitäten. Klar, der Stelvio kennt hier jeden Quadratzentimeter Asphalt. Aber es braucht schon auch eine solide Feder-Dämpfer-Abstimmung, um über die Kuppen und durch die Senken nicht von der Ideallinie abzuweichen. Eine standfeste Bremse ist nötig, um sich ohne Kollateralschaden von Tempo 230 im dritten Gang in den Linksbogen einzufädeln. Und es braucht eine flinke Lenkung, um die schnellen Richtungswechsel und Einlenkmanöver mit der notwendigen Präzision anzugehen. All das schafft der Stelvio mit Bravour. Ohne Zugeständnisse an die stets solide Richtungsstabilität, ohne ungesunde Härte beim Einfedern, ohne Aufbauschunkeln und die Flucht in frühes Untersteuern. Ein Sonderlob verdienen in diesem Zusammenhang die neuen Michelin-Pilot-Latitude-Reifen, die schnell Grip aufbauen, mit kleinen Schräglaufwinkeln für exakte Radführung sorgen und sich selbst am Limit bewegt erfreulich langsam aufheizen.

Von außen gibt sich der Stelvio als Beau auf großen 21-Zoll-Rädern. Innen dominiert dagegen dunkle Tristesse mit einfachen Materialien, durchschnittlichem Raumangebot, mäßiger Sicht nach hinten und einem wenig intuitiven Bedienkonzept ohne Head-up-Display und herausragende Assistenzsysteme. Entwicklungschef Roberto Fedeli zuckt bedauernd mit den Schultern. "Wir müssen das Geld für kommende Innovationen eben erst noch verdienen."

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