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SUV im Autotest:Gutes Auto, mäßiger Motor

Endlich gibt es den Kia Sportage auch mit einem Turbobenziner. Der ist zwar müde, aber auch die einzige Schwäche der neuen Generation. Neben dem Zahnspangen-Mund.

Test von Thomas Harloff

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Der neue Kia Sportage 2016.

Quelle: Kia Motors

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Alfa Romeo hat den Scudetto, das Schildchen. Der dreieckige, unten spitz zulaufende Kühlergrill ist seit jeher das Markenzeichen des italienischen Traditionsherstellers. Gleiches gilt für die Doppelniere von BMW. Audi hat, wenn auch erst seit gut einem Jahrzehnt, seinen mächtigen, von der Motorhaube bis weit in den Stoßfänger gezogenen Singleframe-Grill. Diese Markengesichter, wie sie die Designer nennen, sollen Familienzugehörigkeit verdeutlichen. Ein Betrachter soll auf den ersten Blick sehen, von welchem Hersteller ein Auto stammt.

So etwas wie den Scudetto, die Doppelniere oder den Singleframe wollte Kia auch. Einen Kühlergrill, der jede Baureihe direkt als Kia kennzeichnet. Deshalb verpassen die Koreaner ihren Modellen nach und nach ein... ja was eigentlich? Kia nennt die Form - warum auch immer - "Tigernase". Spötter fühlen sich, zumindest bei der Tigernasen-Variante des neuen Sportage, eher an einen grinsenden Zahnspangen-Mund erinnert.

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Quelle: Kia Motors

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Die eigenwillige Front ist der einzige optische Makel, mit dem die bereits vierte Generation des kompakten Kia-SUV leben muss. Charakteristisch ist die breite C-Säule ohne Seitenfenster, die den Sportage stämmiger auf den bis zu 19 Zoll großen Rädern stehen lässt: Sie schränkt allerdings die Rundumsicht für den Fahrer ein. Grundsätzlich dürfen sich die Insassen über ordentliche Platzverhältnisse für sich und ihr Gepäck freuen. Der Kofferraum ist 491 Liter groß und lässt sich bei umgeklappten Rücksitzen auf 1480 Liter erweitern. Kleinkram nimmt ein zwölf Liter großes Staufach unter dem Kofferraumboden auf.

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Das Cockpit des neuen Kia Sportage ist ein Beleg dafür, dass die koreanischen Hersteller inzwischen schönere und qualitativ hochwertigere Innenräume bauen als so mancher teurerer Anbieter. Kratzempfindliches Hartplastik ist am Armaturenbrett weitgehend unterschäumtem Kunststoff gewichen, die Applikationen in Klavierlack und Metalloptik sehen ordentlich aus, das Leder an Lenkrad und Sitzen (serienmäßig bei der getesteten GT-Line-Version) fassen sich gut an. Die Mittelkonsole ist zum Fahrer geneigt, was die dort untergebrachten Tasten leichter erreichbar macht. Die haben zudem verbindliche Druckpunkte, auch die Touch-Felder des berührungsempfindlichen zentralen Acht-Zoll-Monitors lassen sich gut bedienen. Ein weiteres Display sitzt zwischen Tacho und Drehzahlmesser. Die Anzeigen überzeugen mit durchdachter Menüführung und ansehnlicher Grafik.

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Dass Kia die Tage als Billiganbieter hinter sich gelassen hat, zeigt auch die Motorenauswahl. Sie enthält zwei Benziner und drei Diesel, wobei der schwächste Motor bereits 115 PS und der stärkste sogar 185 PS leistet. Der 1,6-Liter-Turbobenziner, mit dem der Sportage zum Test angetreten ist, ist der stärkere der beiden Ottomotoren. Der Vierzylinder leistet 177 PS, sein maximales Drehmoment beträgt 265 Newtonmeter. Die Fahrleistungen: 9,5 Sekunden von Null auf Hundert und 202 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Durchschnittsverbrauch soll bei 7,6 Litern liegen.

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Das erscheint stark und ziemlich schnell, doch in der Praxis kann der Motor die Erwartungen nicht erfüllen. Eine Anfahrschwäche ist deutlich zu spüren, das Drehmoment baut sich gemächlich auf. Doch auch, wenn das Turboloch überwunden ist, geht es nicht so flott vorwärts wie bei anderen SUV dieser Leistungsklasse. Auf der Autobahn knickt der Vierzylinder oberhalb von 160 km/h spürbar ein. Auch Kias Verbrauchsversprechen hält der Sportage 1.6 T-GDI nicht: Im Schnitt gönnte er sich während des Tests 10,2 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer. Das Triebwerk kann nicht verhehlen, dass die Koreaner wenig Erfahrung mit turbogeladenen Benzinern haben. Kia ergänzt seine Motorenpalette erst seit kurzer Zeit mit solchen Downsizing-Aggregaten.

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Besser als der Motor gefällt das manuelle Sechsganggetriebe, dessen Ganghebel lässig und exakt durch kurze Wege gleitet. Das 2000 Euro teure Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kann man sich also sparen. Ähnlich lässt sich über das straffer abgestimmte Fahrwerk der GT-Line-Ausstattung urteilen. Damit holpert der Sportage unbeholfen über Fahrbahnunebenheiten. Wirklich dynamisch lässt er sich sowieso nicht fahren. Da hilft auch nicht der bei dieser Motorisierung serienmäßige Allradantrieb.

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Also doch besser zu einer anderen Linie greifen, vielleicht zum bereits üppig bestückten Vision-Paket oder zur 4000 Euro teureren, aber kaum umfangreicheren Spirit-Ausstattung? Eine gute Idee - allerdings nur theoretisch, weil es den 1,6-Liter-Turbomotor samt Allradantrieb ausschließlich in Kombination mit der GT Line gibt. Insgesamt ist es schwierig, eine passende Kombination aus Antrieb und Ausstattung zu finden. Kias Aufpreispolitik ist ziemlich undurchsichtig.

Das komplette Paket an Assistenzsystemen (Notbrems- und Totwinkelassistent, Spurhaltehilfe mit automatischem Lenkeingriff, Querverkehrwarner und Lenkautomatik) gibt es serienmäßig nur in der Topausstattung "Platinum". Die wiederum ist allein mit dem 185 PS starken Diesel und Allradantrieb erhältlich. Bei den anderen Motorvarianten muss man einzelne Elemente dieser Systeme als Ausstattungspakete hinzu buchen. Das führt teilweise dazu, dass man auch digitalen Radioempfang oder die sensorgesteuerte elektrische Heckklappe kaufen muss, ohne das überhaupt haben zu wollen.

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So staunt man beim Nachrechnen nicht schlecht, dass dieser Kia mit 177-PS-Benziner, Allradantrieb und GT Line-Ausstattung 34 190 Euro kostet, zuzüglich 1190 Euro für das Assistenzpaket. Das ist nur etwa 500 Euro weniger als beim VW Tiguan Comfortline mit 180-PS-Benziner, vier angetriebenen Rädern und zahlreichen Fahrassistenten inklusive Doppelkupplungsgetriebe. Klar, beim Volkswagen kommen unter anderem die Lederausstattung, das Infotainment- und Navigationssystem oder die 19-Zoll-Felgen hinzu. Aber Preisbrecher, das sind Autos von Kia schon lange nicht mehr.

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Gelungen, praktisch und empfehlenswert ist der neue Sportage allemal. Allerdings sollte die Wahl auf einen anderen Motor fallen. Es kann sich lohnen, den 136-PS-Diesel in der Vision- oder Spirit-Ausstattung in Betracht zu ziehen. Mit dem fährt man nicht nur besser, sondern auch günstiger.

Technische Daten Kia Sportage 1.6 T-GDI AWD GT Line:

R4-Benzinmotor mit 1,6 Litern Hubraum und Turboaufladung; Leistung 130 kW (177 PS); max. Drehmoment: 265 Nm bei 1500 - 4500/min; Leergewicht: 1658 kg; Kofferraum: 491 - 1492 l; 0 - 100 km/h: 9,5 s; Vmax: 202 km/h; Testverbrauch: 10,2 l / 100 km (lt. Werk: 7,6; CO2-Ausstoß: 177 g/km); Euro 6; Grundpreis: 34 190 Euro

Das Testfahrzeug wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

© SZ.de/reek/mane
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