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Supersportwagen im Vergleich:Überflieger für die Rennstrecke

Porsche 911 GT3 RS

Porsche 911 GT3 RS - Grundpreis: 181 690 Euro; 4,0-Liter-Sechszylinder-Saugmotor; 500 PS/460 Nm, 0-100 km/h in 3,3 Sek., Vmax: 310 km/h; Verbrauch: 12,7 l/100 km

(Foto: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG)

Fahren im Grenzbereich, auch im finanziellen: Porsche 911 GT3 RS, Lamborghini Aventador SV und Ferrari 488 GTB sind Exoten auf den Straßen. Kein Wunder: Ihr bevorzugtes Revier ist die Rennstrecke.

Auf der IAA im September zündet Porsche den Turbo zwar auch im 911, doch in den GT-Modellen hat der hoch drehende Sauger langfristig eine neue Heimat gefunden. Das ist gut so, denn wer knapp 200 000 Euro für ein Automobil ausgibt, der erwartet vor allem Emotion. Emotionales Design, emotionalen Sound und emotionale Fahreigenschaften. Der auf 2000 Stück limitierte 911 GT3 RS übertrifft in allen drei Disziplinen den ebenfalls ausverkauften GT3, der statt 500 PS nur 476 PS unter der Haube hat. Für happige 45 000 Euro mehr erhält der RS-Kunde die klassische Dröhnung aus tiefer, breiter, stärker und böser. Vor allem böser: Der imposante Heckflügel nutzt die amtlich zulässige Breite und Höhe voll aus, die vorne jetzt 20 und hinten 21 Zoll großen Räder sind empfindlich wie frisch lackierte Fingernägel, der tief fliegende Frontspoiler ist der Feind aller Bodenerhebungen.

Auch innen ist der RS ganz auf Sport getrimmt. Ohne Aufpreis gibt's einen Überrollkäfig, vom 918 inspirierte Schalensitze und flächendeckend Leder oder Alcantara. Was fehlt, sind Assistenzsysteme, das Head-up-Display, adaptives LED-Licht und ein zeitgemäßes Infotainment.

Porsche 911 GT3

Rennwagen mit Straßenzulassung

Von Querbeschleunigung völlig unbeeindruckt

Entschädigt wird die Fangemeinde mit sensationellen Fahrleistungen, kurvengierigem Handling und einer Straßenlage, die mit der Querbeschleunigung völlig unbeeindruckt umgeht. Der hochgezüchtete Boxer klingt heiser und verrucht, das PDK-Getriebe schlenzt die Gänge mit viel Verve in Richtung Differenzial, die Lenkung ist eine von Traglasten und Antriebspflichten entbundene Droge mit Sofortwirkung. Das Chassis glänzt mit magischem Grip, spontaner Rückmeldung und einem mal zackig-flinken und dann wieder völlig entspannten Eigenlenkverhalten, das auch dieser Porsche unter anderem der serienmäßigen Hinterachslenkung samt Quersperre verdankt.

Die Haftung der Breitreifen lässt sich auf trockener Bahn nur mit ausgeschaltetem PSM  überwinden, der Abtrieb wurde im Vergleich zum Vorgänger glatt verdoppelt und schon die Stahlbremse hat das Talent einer soliden Lebensversicherung. Dem RS vorbehalten ist ein Tempobegrenzer für die (fiktive) Boxengasse, eine durch Ziehen beider Schaltpaddel aktivierte Auskuppel-Funktion des Getriebes (erhöht vorne die Seitenführung oder destabilisiert das Heck) und ein Leichtbau-Bonus gegenüber dem GT3 von zehn Kilo.

Fahrberichte Noch schneller, noch lauter, noch brutaler Bilder
Porsche 918

Noch schneller, noch lauter, noch brutaler

Der Porsche 918 ist ein Supersportler der Superlative: Er leistet knapp 800 PS, kostet 768.000 Euro und wird lediglich 918 Mal gebaut. Dank Hybridtechnik verspricht Porsche nur drei Liter Verbrauch, doch natürlich ist er durstiger. Sein Fahrverhalten begeistert trotzdem.   Georg Kacher

Auf der Rennstrecke in einer eigenen Liga

Der RS ist eine Fahrmaschine der alten Schule - laut, kernig, hart, ungeduldig, kompromisslos und sehr, sehr schnell. Die Beschleunigung von null auf 200 km/h absolviert der geflügelte Elfer in nur 10,9 Sekunden, doch mit 310 km/h ist er etwas langsamer als der schmälere und weniger wuchtig bereifte GT3.

Weil beide Varianten vergriffen sind, ist die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis Makulatur. Während der RS auf der Rennstrecke in einer eigenen Liga spielen mag, täte es für kleine Fluchten zwischendurch - Bescheidenheit ist eine Zier - sicher auch die 476-PS-Variante. Pragmatiker mögen von den neuen Turbomotoren überzeugt sein, doch Puristen sollten vielleicht bis Ende 2016 schon auf den nächsten 911 mit Saugmotor warten, der nach dem Schnittmuster des anerkannt emotionalen Cayman GT4 entstehen soll.