Superjumbo Airbus A380 Der fliegende Palast

Umgerüstet zum Privatjet ist der Airbus A380 heute das größte mobile Statussymbol der Welt - ein saudischer Prinz ist jetzt der erste Kunde.

Von Titus Arnu

Statussymbole sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Jeder Depp fährt ein geleastes Luxusauto, echte Rolex-Uhren kann man nicht mehr von gefälschten unterscheiden und Brillanten am Finger wirken ohnehin übertrieben. Womit kann man also noch protzen, wenn man superreich ist, aber schon alles hat - vom Ferrari-Fuhrpark bis hin zum Araber-Gestüt?

Stolzer Besitzer eines fliegenden Palasts: Prinz Alwaleed.

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Der saudische Prinz Alwaleed, ein Cousin des Königs Abdullah, wohnt in einem Palast mit 317 Räumen und blattgoldgeschmückten Säulen. Sein Vermögen wird vom Magazin Forbes auf 20 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der 51-Jährige hat eine 83 Meter lange Yacht. Er besitzt das größte Privatflugzeug der Welt, eine umgebaute Boeing 747-400. Es ist schwierig für so jemanden, noch Aufmerksamkeit zu erregen.

Aber es geht. Denn Prinz Alwaleed hat sich kürzlich als erster Privatkunde einen Airbus A380 gekauft, um ihn zum fliegenden Palast umbauen zu lassen. Der A380, der größte Passagierjet der Welt, kann bis 600 Passagiere aufnehmen, ist also in der Regel ein Massentransporter, über den Besitzer eines Privatjets nur müde lächeln.

Zielgruppe: very, very important persons

Schließlich kann man den Superjumbo eleganter ausstatten als mit Sitzen auf engen Reihen. Der Katalogpreis für die Maschine liegt bei 319 Millionen Dollar (238 Millionen Euro), und wenn jemand schon einen solchen Betrag für ein Flugzeug ausgibt, dann soll die Innenausstattung jede bisherige Idee vom Fliegen sprengen.

Airbus hat den Großraumjet ins "Executive and Private Aviation"-Programm aufgenommen, das auf ein enges, aber lukratives Marktsegment abzielt: Regierungschefs, Milliardäre, Ölprinzen und andere VVIPs (very, very important persons). Umgerüstet werden die VVIP-Jets unter anderem von der Lufthansa Technik in Hamburg, auch die US-Firma Edése Doret Industrial Design entwirft luxuriöses Mobiliar für den Großflieger.

In seinem neuen fliegenden Palast hat Alwaleed 50 Prozent mehr Grundfläche für die Einrichtung zur Verfügung als in seinem alten popligen Jumbo. Auf 551 Quadratmetern kann der Adelige sich nach seinen Wünschen ausbreiten. Airbus liefert nur Vorschläge. "Wir visualisieren dem Kunden, was alles machbar ist", sagt Hamburgs Airbus-Sprecher Tore Prang. "Am Ende entscheidet der Kunde alleine."

Whirlpool und Sauna

Welche Firma Alwaleeds VVIP-Jet ausstatten wird, ist noch nicht bekannt, aber es gibt bereits detaillierte Entwürfe von diversen Anbietern für den Luxusflieger, auch von Lufthansa Technik in Hamburg. Aufgeteilt ist die A380-Privatversion in drei Ebenen. Im Unterdeck ist Raum für bis zu 18 Crewmitglieder. Durch die Ruheräume für die Besatzung können zwei Pilotenteams abwechselnd arbeiten und schlafen, Zwischenlandungen wegen Pilotenwechsels werden so vermieden.

Das Hauptdeck ist für die Entourage gedacht: 25 Business-Class-Plätze, ein Esszimmer mit 14 Plätzen, eine Bar, ein Medienbereich. Auf dem Oberdeck befindet sich der Privatbereich des Flugzeugbesitzers mit Büro, Spielzimmer, Gästesuite, Bädern, Schlafzimmern und mehreren Salons. Neben Esszimmern, einer Bar, einem Medienbereich, weiteren Gästezimmern, einem Spielzimmer und Büros soll es sogar einen Whirlpool geben. Überlaufkanäle gewährleisten auch bei unruhigem Flug, dass das Wasser im Pool bleibt. Im Angebot sind auch Saunas, Laufbänder und Sitzlandschaften mit dünenähnlichen Polsterhügeln (gerne sandfarben).

Der Ausbau zum VVIP-Jet kostet bis zu 115 Millionen Euro zusätzlich. Wer kann und will sich so etwas leisten? Lange war darüber spekuliert worden, ob der russische Milliardär Roman Abramowitsch der erste private Käufer eines A380 sei, bis Airbus im November bekannt gab: "Seine königliche Hoheit Prinz Alwaleed bin Talal bin Abdulaziz Alsaud hat bei Airbus einen A380 Flying Palace fest in Auftrag gegeben." Er gilt als reichster muslimischer Geschäftsmann überhaupt.

Über Alwaleeds Leben gibt es mehr Legenden als gesicherte Fakten: Mal soll er als CIA-Spion arbeiten, mal für den saudischen Geheimdienst, ein anderes Mal heißt es, er wasche Geld für andere Superreiche. Einer von Prinz Alwaleed autorisierten Biographie zufolge startete er vor 30 Jahren mit einem Kapital von 30.000 Euro.

Goldenes Händchen

Fest steht, dass der Prinz als Investor ein goldenes Händchen hat: Er begann nach seinem Studium 1979 zu investieren, heute gehören ihm 95 Prozent der Beteiligungsgesellschaft Kingdom Holding Company, eine Firma, die Anteile an AOL, Apple, Motorola sowie einige luxuriöse Hotels hält. Das Savoy in London kaufte Alwaleed vor zwei Jahren für umgerechnet 326 Millionen Euro, und er investierte 590 Millionen Dollar in die US-Bank Citicorp, als die 1991 in der Krise war.

Wozu aber braucht man einen A380, wenn man schon einen Jumbo besitzt? Der Käufer wolle das Flugzeug "zum persönlichen Gebrauch für sich und sein Umfeld", sagt Airbus-Verkaufsvorstand John Leahy. Ausgeliefert wird der fliegende Palast wohl erst im Jahr 2010. Bis dahin könnte auch eine neue Generation von superschnellen Businessjets produktionsreif sein: Zwei amerikanische Firmen entwickeln derzeit Überschall-Jets, die fast doppelt so schnell wie herkömmliche Flugzeuge sind und von New York nach Los Angeles nur zwei Stunden brauchen sollen.

Der SSBJ vom Unternehmen Aerion in Nevada will einen Zwölfsitzer bauen, der die Schallmauer relativ leise durchbricht. 80 Millionen Dollar wird das Flugzeug kosten - für Prinz Alwaleed ein idealer kleiner Flitzer für kurze Spritztouren.

Umweltfreundlich ist das ebenso wenig wie die Privatreise im A380. Würde Prinz Alwaleed alleine fliegen, verbrauchte er 1,2 Tonnen Treibstoff auf 100 Kilometer. Dann kann er auch mit der miesesten persönlichen Klimabilanz der Welt protzen.