Subaru WRX STI im Test Fluch des Flügels

Der Heckspoiler ist in der 45 200 Euro teuren Sportversion serienmäßig dabei.

(Foto: Subaru)
  • Der Subaru WRX STI hat mit seinem ungehobelten Erscheinungsbild schon immer polarisiert. Die jüngste, seit Sommer 2014 angebotene Generation, macht da keine Ausnahme.
  • Sein Revier sind kurvenreiche Landstraßen. Hier kann er seine tollen fahrdynamischen Anlagen voll nutzen - auch bei widrigen Bedingungen.
  • Keinen Spaß macht er auf der Autobahn. Bei hohem Tempo wird er sehr laut und extrem durstig.
  • Der Grundpreis liegt bei 41 900 Euro. Die Unterhaltskosten sind jedoch enorm.
Von Thomas Harloff

Bei Subaru und Mitsubishi müssen sie ziemlich froh sein, dass es SUVs gibt. Denn vor der Zeit, als alle Welt anfing, Autos wie den Porsche Cayenne, BMW X6 oder Audi Q7 zu hassen - freilich außer den Millionen Menschen, die solche Kolosse fahren -, ergoss sich der Zorn der politisch korrekt eingestellten Autowelt vor allem über zwei Autos aus ihrer Produktpalette. Der Subaru Impreza WRX STI und dessen großer Gegenspieler Mitsubishi Lancer Evo standen für vieles, was falsch lief im Autobusiness.

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Um Motorsporterfolge zu vermarkten, wurden Straßenautos auf die Räder gestellt, die fast so aussahen wie ihre Rallye-Pendants. Dass sie technisch ihren braven Serienbrüdern deutlich mehr ähnelten als den Einsatzautos der Rallye-WM, war dann fast schon egal. Dass sie zu schnell, zu laut und zu durstig waren, reichte völlig, um ein klischeebeladenes Image zu erschaffen. Und dann sahen sie auch noch genauso prollig aus, wie sich ihre Fahrer vermeintlich im Straßenverkehr verhielten.

Aufgeplusterte Karosserie

Mitsubishi tut sich das nicht mehr an. Der Evo hat sich heimlich vom deutschen Markt verabschiedet, ein Nachfolger ist nicht in Sicht und laut den Japanern auch nicht geplant. Subaru hält dagegen, obwohl längst aus dem werksunterstützten Rallyesport ausgestiegen, am WRX STI fest. Und denkt gar nicht daran, seine Sportlimousine sozialverträglich aussehen zu lassen. Die von zahlreichen Lufteinlässen zerklüftete Front scheint einfach alles verschlingen zu wollen; nicht nur Ansaugluft, sondern auch den Asphalt, die Schotterstraße oder die Schneepiste - wo auch immer dieses Auto langgescheucht wird. Dicke Kotflügel, in denen 18-Zoll-Räder rotieren, plustern die Karosserie auf. Und ja, auch den Heckflügel im Bierthekenformat gibt es noch - wenn auch nur als Sonderausstattung.

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Der WRX STI bietet also auch in seiner jüngsten, seit Herbst 2014 angebotenen Generation, ein Übermaß an Angriffsfläche. Nicht nur für den Fahrtwind, der so wirkungsvoll auf die vielen Spoiler(chen) trifft, dass es ein Leichtes ist, mit dem Subaru schnell um Kurven zu fahren. Sondern vor allem für das ästhetische Empfinden seiner Betrachter. "Oh Gott, wie fies!", heißt es da. "Meinen die das wirklich ernst?", sagt ein anderer. Oder: "Lässt Du Dich damit wirklich in der Stadt sehen?", ist eine andere Reaktion. Die einzig legitime Antwort darauf lautet: "Selbstverständlich. Aber noch lieber geht's damit aufs Land." Dafür gibt es gute Gründe, die gar nicht so tief verborgen im Innern dieses Autos liegen.

Fortschritte im Innenraum

Die ersten Vorurteile entkräftet der Subaru bereits kurz nach dem Einsteigen. Der Innenraum, bei früheren Modellgenerationen eine öde mausgraue Plastiklandschaft, kann sich inzwischen dank einiger roter Farbkleckse und Carbon-Akzente sehen lassen. Genug Platz für vier Personen hat er auch, und für das Gepäck steht ein Kofferraumvolumen von 460 Litern zur Verfügung. Nach dem Anlassen wird klar: Akustisch übt sich der WRX STI inzwischen in Zurückhaltung. Er fällt schnell in dieses leicht unrund klingende Boxermotor-Brabbeln, das auch Porsche-911-Fans an ihrem Lieblingsauto so schätzen.

Der Innenraum ist deutlich ansehnlicher als bei früheren Modellgenerationen.

(Foto: SOM)

Mit der fast schon meditativen Akustik ist es jedoch vorbei, sobald es auf die Autobahn geht - und daran ist nicht der Motor schuld. Schnell fällt auf, dass sämtlicher Straßendreck laut gegen die Radhäuser und an den Unterboden prasselt. Doch sobald die Geschwindigkeit dreistellig wird, avanciert außerdem der Fahrtwind zum Nervtöter. An allen Ecken und Enden pfeift er lautstark um die Karosserie, fängt sich an der Lufthutze in der Motorhaube, den großen Außenspiegeln und natürlich im Heckflügel. Nun wird deutlich, dass das Flügelmonster alles andere als windschnittig ist. Das merkt man auch daran, wie sich der 300 PS starke Motor auf dem Weg zur angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 255 km/h immer stärker verkrampft - und dabei den Spritverbrauch in unfassbare Höhen treibt. Nein, für die Autobahn ist dieses Auto nicht gemacht.