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Stromer ST2 S:Besser als jedes andere Fahrrad

Wer das S-Pedelec in der Stadt nutzt, ist gezwungen, auf der Straße zu fahren. Die Zeitersparnis, die das Rad aufgrund der Geschwindigkeit haben könnte, egalisiert sich. Nach einer kurzen Beschleunigung ist an der nächsten Ampel Schluss. Und man hört bereits das Pedal-Knarzen der Studentin auf dem Hollandrad.

Sich an Autos vorbeizuschlängeln ist nicht möglich. Mit Seitenspiegel ist das Stromer so breit, dass es durch keine Lücke passt. Man steht neben den Autos und wartet. Was gerade in größeren Städten alles andere als angenehm ist. Auf einer dreispurigen Straße im Berufsverkehr? Es gibt erhabenere Momente als Radfahrer. Zumal wenn das Display zwei Kilometer vor dem Ziel anzeigt: "Drive Error", der Motor ausfällt und das Rad mit Muskelkraft angetrieben wird. Die Erkenntnis: Ohne die elektrische Unterstützung ist das 28 Kilo schwere Stromer alles andere als agil. So ist das ST2 S zwar ein Fahrrad, das besser als jedes andere Bike fährt - aber keinen der Vorteile des Fahrradfahrens besitzt.

Hinzu kommt, dass die Autofahrer ein Rad in dieser Geschwindigkeit nicht gewohnt sind. Auf ständiges Hupen folgt Überraschung oder eine Vollbremsung, weil sich das Rad schneller der Kreuzung nähert, als gedacht.

Auf der Straße ein Exot

Das alles ist natürlich nicht die Schuld des Stromers. Es ist ein perfekt ausbalanciertes Rad, jede Minute darauf ist ein Genuss. Die Frage ist nur: Zu welchem Zweck? Zum Pendeln in der Stadt? Jeder andere Verkehrsteilnehmer ist auf seinem gebrauchten Fahrrad für 50 Euro genauso schnell. Auf der Landstraße? Das Stromer ist nicht schnell genug, um mit dem regulären Verkehr mithalten zu können.

So bleibt dem Stromer ST2 S nur die Rolle des Exoten. Es ist schnell, es ist teuer (9000 Euro!), es ist exklusiv. Es ist zum Schnellfahren gebaut. Es ist: der Fahrrad gewordene Porsche. Ein Bike, das sich als Alltagsgefährt nutzen lässt, aber erst dort Spaß macht, wo es wenig oder gar keinen Verkehr gibt. Das Problem ist nur: Das kann man nur noch von den wenigsten Orten behaupten.

© SZ.de/mkoh/feko
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