Eigentlich ist die russische Gesetzeslage laut dem Dekret 166 eindeutig: Ausländische Autobauer müssen Produktionskapazitäten für mindestens 300.000 Fahrzeuge pro Jahr in Russland installieren, 30 Prozent dieser Fahrzeuge mit russischen Motoren beziehungsweise Getrieben ausstatten und eine lokale Wertschöpfung von mindestens 60 Prozent erreichen, um in den Genuss von günstigeren Importzöllen zu kommen.

Für VW gibt es keinen Raum für Interpretationen. Da ist es kein Wunder, dass die vermeintliche Extra-Wurst BMWs in der Sonderwirtschaftszone Kaliningrad den Wolfsburgern ein Dorn im Auge ist. Obwohl die Münchner mit rund 30.000 Autos im Jahr die geforderte Quote nicht schaffen, müssen sie trotzdem nicht den vollen Einfuhrzollsatz berappen. Grund dafür ist die Lage der Fabrik in der Sonderwirtschaftszone. "Das ist nicht tolerierbar", sagt VW-Russlandchef Marcus Osegowitsch, der auch Präsident Putin persönlich über diesen Sachverhalt informiert hat und eine Gleichbehandlung aller Automobilhersteller fordert.
BMW bleibt ruhig
Diese Attacke beunruhigt BMW nicht. Die Münchner verweisen darauf, dass sie seit 1999 in Kaliningrad vertreten sind. Der Sonderstatus der westrussischen Stadt besteht noch bis 2016. Nach eigenen Angaben ist BMW bereits in Verhandlungen mit der Putin-Administration, um eine neue Definition des Status, beziehungsweise der Importzölle ab diesem Zeitpunkt zu erreichen.
Immerhin sind die Münchener laut BMW-Russlandchef Peter Kronschnabl, bislang der einzige Premiumhersteller, der in Russland produziert. Auch wenn es sich nur um eine Montage und keine Voll-Fertigung handelt. Über den Inhalt der Verhandlungen schweigen sich die Münchner aus. Doch es ist zu vermuten, dass auch sie zu einer höheren lokalen Fertigungstiefe verdonnert werden. Das muss nicht schlecht sein.
Russland gilt als einer der Wachstumsmärkte der Zukunft. Bis 2018 rechnet Volkwagen mit einem Volumen von 6,1 Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Die Bayern haben bis August diesen Jahres 19.389 Modelle verkauft, bis Ende 2012 sollen es rund 35.000 sein. Der VW-Konzern denkt da in anderen Maßstäben. "Wir knacken dieses Jahr die 300.000", sagt Osegowitsch zuversichtlich und vieles spricht dafür, dass dieses Ziel auch erreicht wird. In sechs Jahren will VW dann mehr als eine halbe Million Autos im größten Land der Erde verkaufen. Auch BMW dürfte dann die 50.000-Grenze überschritten haben. Viel Geld werden beide also ohnehin verdienen.
