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Straßen des Todes:Am Abgrund unterwegs

In Bolivien gibt es die gefährlichsten Pisten der Welt - und der Import von Dieselautos mit weniger als vier Litern Hubraum ist verboten. Normalerweise. Ein Erfahrungsbericht.

Michael Specht

Schon auf dem ersten Kilometer steht dramatisch ein Toyota Kombi der lokalen Feuerwehr. Zwei Männer sichern Seile an ihrem Bergsteigergeschirr. Es geht abwärts, steil und sehr, sehr tief. Ihr Job: Wenigstens den Toten nach oben zu holen.

Das verunfallte Auto, ein bis zur Unkenntlichkeit zertrümmerter Haufen Blech, bleibt in der Schlucht zurück. Unmöglich, es zu bergen. Einheimische werden sich darum kümmern, es zerlegen, die wenigen noch brauchbaren Teile herausschrauben und sie verhökern. Bettelarme Piraten am Rande der Straße.

Wir sind in Bolivien. Genauer: Am Beginn des "El Camino de la Muerte", der Straße des Todes, jahrzehntelang die einzige Verbindungsstrecke zwischen La Paz und dem Ort Coroico. Der Muerte eilt der unrühmliche Ruf voraus, die gefährlichste Straße der Welt zu sein.

Hunderte Menschen sind ihr zum Opfer gefallen, Jahr für Jahr. Eine Piste des Wahnwitzes, nicht viel mehr als 40 Kilometer Weg zur Hölle. Alle hat sie verschluckt, klapprige Personenwagen und überladene Laster. Selbst vollbesetzte Busse stürzten bisweilen in die Tiefe.

Kein Wunder. Die Strecke gleicht einem holprigen schmalen Feldweg, der sich an den Bergketten der Cordillera Real entlang windet. Kaum ist der Straßenrand zu erkennen, Leitplanken gibt es hier nirgends, ebenso fehlen Warnschilder, von einer Beleuchtung gar nicht zu reden.

Dafür säumen Dutzende blumengeschmückter Holzkreuze die Strecke, stumme Zeugen unzähliger Tragödien. Oft ist der Pfad nicht breiter als das Auto selbst. Und so braucht es nicht viel Phantasie, sich auszumalen, was passiert, wenn sich hier Laster oder Busse begegnen, die Fahrer müde, unter Drogen oder alkoholisiert, es neblig ist, oder dunkel, oder der Regen vom Himmel stürzt.

Bedingungen, die uns glücklicherweise erspart bleiben. Die Strecke zeigt sich knochentrocken, erfordert dennoch höchste Konzentration. Zumal sich der aufgewirbelte Staub vom Vordermann nicht legen will und die Sicht vernebelt. Immer wieder ermahnt uns Ciro Fernandez, genügend Abstand zu halten.

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