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Steigende Zahl der Rückrufe:Vertrauensfrage für Autohersteller

Anzahl der Rückrufe in den USA pro Hersteller

2013 hat Toyota die Rückruf-Hitliste in den USA angeführt. In diesem Jahr wird wohl GM sehr weit vorne landen.

(Foto: SZ-Grafik)

Toyota, BMW, nun General Motors: Immer mehr Hersteller rufen immer mehr Autos zurück. Schuld daran ist der brutale Wettbewerb der Konzerne untereinander. Dabei bräuchten die Zulieferer nicht noch mehr Druck, sondern mehr Geld und Zeit.

Im Grunde war es keine große Sache. Nur eine Handvoll Dollar, mit der General Motors die Katastrophe hätte verhindern können. Genauer gesagt: 90 Cent. 90 Cent pro Auto hätte es vor zehn Jahren gekostet, defekte Zündschlösser auszutauschen. Doch die Manager der amerikanischen Opel-Mutter fanden wohl, dass dies zu teuer war - und warteten erst einmal ab. Und deshalb haben sie heute eine Menge Probleme.

Schwere Unfälle mit mindestens 13 Toten. Manager, die erklären müssen, warum sie nicht früher gehandelt haben. Fast drei Millionen Rückrufe - und ein ziemlich lädiertes Image. 90 Cent können bei einem Konzern, der Milliarden verdient, schon eine Menge ausmachen.

"General Motors ist ein gutes Beispiel", sagt der Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. "Eigentlich hat man das Problem rechtzeitig erkannt. Aber man hat trotzdem nichts unternommen, um Geld zu sparen."

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Bei ihrer Befragung gehen die US-Senatoren nicht zimperlich mit General-Motors-Chefin Mary Barra um: Die tödliche Pannenserie beruhe auf "Täuschung", die Fehler bei GM seien "kriminell" - und Barra wisse "gar nichts über irgendetwas".

Wehe, wenn das Vertrauen schwindet

Es klingt seltsam, aber: Im besten Fall kommt der Konzern mit hohen Schadensersatzzahlungen davon. Im schlimmsten Fall aber wird aus dem Skandal ein veritabler Vertrauensverlust beim Kunden. Und das bedeutet: Absatzeinbruch, vielleicht über Jahre. Als der japanische Weltmarktführer Toyota zwischen 2009 und 2011 mehr als zehn Millionen Fahrzeuge wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten in die Werkstätten zurückholen musste, kostete das nicht nur eine Milliarden-Strafe. Die wichtigste Währung, in der Autokonzerne rechnen, heißt: Vertrauen. Und das Vertrauen war weg.

Dabei ließe sich das Schlimmste vermeiden, wenn die Konzerne rechtzeitig investierten. Nämlich dann, wenn diejenigen, die die Bauteile liefern, ausreichend Zeit und Geld bekämen: die vielen kleinen Zulieferer der großen Automobilindustrie.

"Viele Autozulieferer stehen mit dem Rücken an der Wand und werden von den Herstellern massiv unter Druck gesetzt", sagt Harald Linné von der Münchner Managementberatung Atreus. "Die können oft gar nicht anders, als billig zu produzieren. So kommt alles zusammen: die Gier der Einkäufer und der immer brutalere Konkurrenzdruck." Die Manager der großen Autokonzerne wissen genau, wohin das führen kann: Immer öfter Probleme bei Qualität und Sicherheit, und immer öfter kostspielige Rückrufaktionen.

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Immer mehr Rückrufe

Allein in den USA wurden im vorigen Jahr an die 20,5 Millionen Autos zurückgerufen. Und es sieht nicht so aus, als ob der Trend zurückgehen würde, im Gegenteil: Hyundai-Kia, Fiat Chrysler, Toyota, VW - zuletzt musste BMW Hunderttausende Autos in China zurückrufen. Darunter auch Fahrzeuge der 7er-Reihe. Ausgerechnet die luxuriöse Vorzeige-Limousine - auf einem Boom-Markt voller neureicher Kunden wie China schmerzt das besonders.

Zufall? Oder sind Autos schlechter als früher? Experten sagen: nein. Im Schnitt schneiden die Fahrzeuge der großen Hersteller bei Qualität und Lebensdauer heute sogar um einiges besser ab als früher. Der Motor hält länger, die Karosserie sowieso.