Stauprognose Rund um Weihnachten droht der Verkehrsinfarkt

Rund um Weihnachten drohen Megastaus auf den Autobahnen - und Tauwetter.

(Foto: dpa)
  • Autoklubs warnen rund um Weihnachten vor Verkehrskollapsen und -infarkten.
  • Erheblicher Einkaufsverkehr trifft auf Urlaubs- und Berufsverkehr. Stauforscher sprechen von einer "Sondersituation".
  • Doch auch die Flugzeuge und Bahnen werden voll sein - und teuer.
Von Jochen Temsch

Der Advent als stille Zeit ist eine besonders schöne Vorstellung aus Uromas Klischeekiste. Die Realität sieht für die meisten Menschen anders aus: Erst wenn die letzten liegen gebliebenen Aufgaben erledigt, alle Geschenke ergattert und die Kühlschränke gefüllt sind - geht die Geduldsprobe richtig los. Das Verkehrschaos, das alle Jahre wieder vor den Feiertagen tobt, ist Sujet zahlreicher Kino-Weihnachtskomödien. Und so, wie es aussieht, gibt es auch dieses Jahr wenig zu lachen, wenn Millionen Deutsche zu Verwandten oder in den Skiurlaub aufbrechen.

Die Autoklubs ACE und ADAC warnen vor Verkehrskollapsen und -infarkten von den Fernstrecken bis hinein in die Innenstädte. Von einer "Sondersituation" spricht auch Stauforscher Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen. Weil Heiligabend dieses Jahr auf einen Sonntag fällt und die Geschäfte drei Tage hintereinander geschlossen haben, prognostiziert er "erheblichen Einkaufsverkehr". Die Autokolonnen der Konsumenten treffen auf die Blechlawinen der Besucher. Und dazwischen stehen die Urlauber im Stau.

Auf vielen Autobahnen drohen Staus rund um Weihnachten.

(Foto: ACE Auto Club Europa; Auto Club Europa ACE)

In fast allen Bundesländern beginnen am Freitag die Weihnachtsferien. Deshalb ist in Richtung der Skigebiete damit zu rechnen, dass man sich die Zeit am Steuer eher damit vertreiben kann, die Anzahl der Dachboxen auf den anderen Autos zu zählen, als die Landschaft vorüberziehen zu sehen. Berufsverkehr herrscht am Freitag natürlich auch noch rund um die Metropolen, die auf dem Weg in die Alpen liegen. Die einzige positive Meldung zur Situation auf den Straßen dürfte die Skifahrer nur bedingt beruhigen: Es ist Tauwetter vorhergesagt.

Eine böse Überraschung hält die Bundesanstalt für Straßenwesen für die Autofahrer bereit: Um Weihnachten hat sie etwa 280 Baustellen auf den deutschen Autobahnen gezählt - mit einer Gesamtlänge von 758 Kilometern. Im Detail kann man sich die mit vielen, vielen roten Dreiecks-Warnschildern gespickte Deutschlandkarte auf dem Portal www.bast.de ansehen. Auf der Startseite ganz oben wünscht die Anstalt schöne Feiertage.

Auch die Flugzeuge und Bahnen sind voll

Wer jetzt noch schnell auf die Bahn oder das Flugzeug umsteigen möchte, sollte sich das gut überlegen. In der Luft fallen durch die Pleite von Air Berlin Sitze für täglich 60 000 Passagiere weg, entsprechend teuer sind die jetzt noch buchbaren Inlandsflüge.

Die Züge auf vielen Fernstrecken sind voll. Am Freitag und Samstag gibt es beispielsweise von morgens bis nachmittags keine Sitzplätze mehr auf den Verbindungen von Berlin nach Hannover, Köln und Düsseldorf sowie nach Leipzig, Nürnberg und München. Außerdem hat die Deutsche Bahn "baubedingte Fahrplanänderungen" auf mehreren Strecken angekündigt. Beispielsweise werden sich Züge zwischen Hannover und Dortmund nach den Feiertagen wegen einer Vollsperrung um bis zu 70 Minuten verspäten. Immerhin gibt es von der Bahn die Auskunft, man werde zusätzliches Personal und alle verfügbaren Züge einsetzen. Die frohe Botschaft: "Alles, was rollen kann, wird rollen!"

Vielleicht hilft Musik zur Entspannung. Etwa Chris Reas Klassiker "Driving Home for Christmas". Darin heißt es, zum Trost für alle, die im Stau stehen: "Ich schaue zum Fahrer nebenan rüber. Ihm geht's genau wie mir."

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