bedeckt München 29°

Statistik des ACE:Unfälle mit Fahrerflucht nehmen deutlich zu

Unfall Fahrerflucht

Von Jahr zu Jahr häufiger müssen Polizisten und Gutachter Spuren an Autos sichern, die durch unfallflüchtige Fahrer beschädigt wurden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Deutschlands Autofahrer haben im Jahr 2013 knapp 500 000 Unfallfluchten begangen. Da nicht jeder Schaden gemeldet wird, schätzt der Auto Club Europa die Zahl sogar noch viel höher ein.
  • Opfer bleiben meist auf hohen Kosten sitzen.
  • Wer einer Fahrerflucht überführt wird, muss mit harten Strafen rechnen.

Mehr als eine halbe Million Unfälle mit Fahrerflucht in Deutschland

Immer mehr Autofahrer entfernen sich unerlaubt vom Unfallort, nachdem sie einen Sachschaden verursacht haben. Allein die Zahl der angezeigten Fluchtdelikte pro Jahr dürfte deutlich höher als 500 000 liegen. Zu diesem Schluss kommt der Auto Club Europa (ACE) nach einer Auswertung von Polizeistatistiken aus mehreren Bundesländern. Eine bundesweite Statistik über alle angezeigten Unfallfluchten gebe es nicht, kritisiert der Automobilverband. Da für Sachsen, Bremen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern überhaupt keine Daten vorlagen, hat der Verband die Gesamtzahl für Deutschland anhand der Zulassungszahlen hochgerechnet.

Das Statistische Bundesamt sammelt zwar auch Daten zu Fahrerfluchten. Seine Statistik gebe aber ein verzerrtes Bild: Sie entwickle sich positiv, weil dort nur das unerlaubte Entfernen vom Unfallort nach einem Personenschaden oder schwerem Sachschaden erfasst wird. Zwar sank die Zahl der Unfallfluchten nach einem Personenschaden in den vergangenen vier Jahren um 5,3 Prozent. Im gleichen Zeitraum aber stiegen die Unfallfluchten insgesamt, so der ACE: beispielsweise in Nordrhein-Westfalen um sechs Prozent, in Berlin um 8,7 Prozent und in Bayern sogar um 13,5 Prozent.

Bei den meisten Unfällen mit Fahrerflucht kommen dem ACE zufolge auf die Opfer teilweise hohe Kosten zu. Zwar trete eine mögliche Vollkaskoversicherung für den Schaden am Auto ein - doch nicht jedes Fahrzeug ist so abgesichert. Durch Selbstbeteiligung und Verluste beim Schadenfreiheitrabatt müssten die Betroffenen meist bis zu 1000 Euro selbst zahlen. Weil deshalb nicht jeder Schaden angezeigt und bekannt wird, dürfte die tatsächliche Zahl der Unfallfluchten noch wesentlich höher sein. Die geringen Aufklärungsquoten würden bei den Verursachern der Schäden "möglicherweise" den Trend zur Flucht verstärken, glaubt der Automobilclub.

Harte Strafen für Unfallflüchtige

Wer eine Unfallflucht begeht und dabei erwischt wird, muss mit harten Konsequenzen rechnen. "Selbst bei kleinen Sachschäden an Bäumen, Leitplanken oder parkenden Fahrzeugen ist ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort eine Straftat", warnt der ACE. Unfallflüchtige haben demnach - je nach Schwere der Tat - mit einer hohen Geldstrafe, Punkten in Flensburg, Fahrverbot und sogar Führerscheinentzug zu rechnen. Zudem kann die Versicherung einen Ausgleich für Schäden am Fahrzeug des Verursachers ganz ablehnen und bis zu 10 000 Euro für den Schaden des Unfallopfers einfordern.

Richtiges Verhalten am Unfallort

Jedem Verkehrsteilnehmer sei anzuraten, auf jeden Fall am Unfallort zu bleiben und sofort die Polizei zu verständigen. Nur wer "in der Nacht oder auf einer einsamen Landstraße einen Schaden verursacht, darf sich nach einer angemessenen Zeit von rund 30 Minuten vom Unfallort entfernen, muss aber den Schaden sofort anzeigen", erläutert der Verband.

Generall gilt: Wer eine Unfallstelle unerlaubt verlässt, begeht stets Unfallflucht. Durch "tätige Reue", also einer Nachmeldung innerhalb von 24 Stunden, kann der Autofahrer lediglich eine Strafmilderung erreichen.

© SZ.de/dpa/mike/jobr

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite