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Skandal beim Gelben Engel:Weiterer Manipulationsversuch beim ADAC

Das ADAC-Hauptgebäude in München

Laut ADAC gab es keine weiteren Manipulationen beim "Gelben Engel", aber sehr wohl Versuche.

(Foto: Getty Images)

Laut ADAC ist nur die Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen", nicht jedoch in anderen Kategorien des Autopreises "Gelber Engel" manipuliert worden. Das heißt aber nicht, dass es nicht versucht wurde.

Der ADAC hat nach einem Bericht externer Prüfer lediglich bei der Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" manipuliert. Tricksereien in den restlichen neun Kategorien der Preisverleihung "Gelber Engel" seit 2005 konnten nicht nachgewiesen werden, berichtete der Autoclub am Dienstag.

Der ADAC bezog sich dabei auf den Bericht des Beratungsunternehmens Deloitte. Dieses hatte in den vergangenen Wochen sämtliche Kategorien des Preises untersucht, nachdem Manipulationen bei der Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" den ADAC Mitte Januar in eine tiefe Krise gestürzt hatten.

"Allerdings ist deutlich erkennbar, dass im Laufe der vergangenen zehn Jahre die Bewertungskriterien für einzelne Kategorien teilweise mehrfach verändert worden sind", sagt Frank Marzluf, Partner Forensic bei Deloitte. "Das mag zwar gute Gründe gehabt haben, Transparenz und Konsistenz waren dadurch aber nicht immer gegeben." Zudem seien interne Entscheidungen nicht immer schriftlich festgehalten worden und insbesondere Daten aus den Vorjahren nicht mehr vollständig vorhanden gewesen. So komme Deloitte zu dem Ergebnis, "dass eine Manipulation von Ergebnissen nachweislich nur bei der Leserwahl zum 'Lieblingsauto' stattgefunden hat."

Versuchte Manipulation durch Ramstetter

Manipulationsversuche hat es laut Deloitte aber sehr wohl gegeben. Das gehe aus einer Analyse der E-Mail-Korrespondenz des ehemaligen ADAC-Kommunikationschefs Michael Ramstetter hervor. Ramstetter habe einen Mitarbeiter aus dem ADAC-Ressort "Test & Technik" gefragt, ob die Platzierung eines spezifischen Fahrzeugs in der Testkategorie Reiselimousine 2014 nicht vom zweiten auf den ersten Platz geändert werden könne. Dieser Versuch der Manipulation wurde von dem ADAC-Mitarbeiter mit technischer Begründung und Hinweis auf bereits veröffentlichte Testberichte zurückgewiesen, so der Automobilclub. In dieser Kategorie hatte der BMW 520d vor dem Mercedes E 220 CDI und dem Audi A6 2.0 TDI gewonnen.

Ramstetter sieht die ADAC-Spitze demnach weiterhin als Hauptverantwortlichen der Manipulation beim "Gelben Engel". "Dies zeugt von einem inakzeptablen Rollenverständnis innerhalb unserer Organisation", sagt August Markl, erster Vizepräsident des ADAC und derzeit kommissarischer Vorsitzender des Präsidiums, in Hinblick auf die versuchte Trickserei bei der besten Reiselimousine 2014. Ramstetters Ziel sei es gewesen, eine größere Markenvielfalt in der Rangfolge zu erreichen.

Der ADAC bereite derzeit auf Grundlage des Deloitte-Abschlussberichts konkrete arbeits- und zivilrechtliche Schritte gegen Ramstetter vor. Weitere, aber nicht näher benannte juristische Schritte könnten folgen.