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Situation bei Mini:Warum sich Mini deutlich unter Wert verkauft

Die Konzeptstudie Mini Rocketman

So originell könnte ein Mini sein: Die Studie Rocketman aus dem Jahr 2011. Ob sie je in ein Serienmodell umgesetzt wird, steht immer noch nicht fest.

(Foto: dpa-tmn)

Stagnierende Absatzzahlen, steigende Kosten und ein unentschlossenes Management: Die BMW-Kultmarke steuert in eine gefährliche Sackgasse.

Am oberen Ende der Preis-und-Prestige-Skala ist Rolls-Royce dabei, sich mit einer eigenständigen Aluminium-Architektur von der Konzernmutter BMW abzunabeln. Am unteren Ende des PS-und-Euro-Spektrums tut sich die Marke Mini dagegen schwer, ihren eigenen Weg zu finden. Die geplante Kooperation mit Toyota, die Ende 2016 unterzeichnet werden sollte, ist inzwischen nur mehr eine von mehreren Optionen. Mit den Japanern wollte BMW eigentlich eine neue Plattform entwickeln, die klein und günstig genug ist für einen superkompakten Mini Minor und für drei weitere Varianten. Doch inzwischen sind die Münchner kurz davor, den Anschluss zu verpassen. Die Erkenntnis "wir können alles außer billig" wird das Unternehmen möglicherweise teuer zu stehen kommen.

Kernstück der Gegenwart und Zukunft von Mini ist UKL, eine von BMW konzipierte Matrix für Fahrzeuge der Unteren Klasse. Doch was für BMW passt, kann für Mini schnell zu schwer, zu groß, zu komplex und zu teuer sein. Das bremst die Evolution der Marke - aber ein noch größeres Handikap sind die vom Erfolg verwöhnten Entscheider, die wichtige Weichenstellungen immer wieder hinausschieben.

Die aktuelle Modellfamilie tut sich schwer

Die erste Fahrzeug-Generation nach dem Neustart im Jahre 2001 kam beim Publikum blendend an. Doch schon in der zweiten Runde musste Mini Federn lassen: Coupé, Roadster und Paceman wurden wegen Erfolglosigkeit aus dem Programm genommen. Auch die aktuelle Modellfamilie tut sich schwer. Während der Fünftürer blendend läuft, lahmen der Dreitürer und der Clubman, von dem 2015 nur 5000 Stück abgesetzt wurden. Der klobige Countryman-Nachfolger, der zum Jahresende startet, hat seine Feuerprobe noch vor sich.

Dem Markenchef Sebastian Mackensen und dem Markenvorstand Peter Schwarzenbauer ist offenbar nicht bange. Mit Hilfe von sogenannten " fünf Superhelden" wollen die Strippenzieher Mini zurück auf die Erfolgsspur führen. Doch was genau sind diese Superhelden, wie unterscheiden sie sich von der etablierten Palette, wann kommen sie auf den Markt?

Kosmetik genügt nicht, die Marke muss sich entwickeln

Wenn mit den Zweitürern, Clubman und Countryman drei der fünf Superhelden als gesetzt gelten dürfen, wo bleiben dann die Neuzugänge? Gute Frage, die Antwort wird nachgereicht, denn die Liste der Kandidaten mit potenziellem Heldenstatus wird immer länger. Noch im Rennen sind MiniMini, für den die Rocketman-Studie von 2013 die Vorlage abgab, Coolbox (ein herrlich hippes Stufenheck mit Potenzial), Roomba (ein Mini-Van im Format des Zweier-Gran-Tourer), Superleggera (ein Plug-in-Hybrid-Roadster mit umgedreht eingebautem und abgespecktem i8-Antriebsstrang), Traveller (im Prinzip ein weniger SUV-iger Countryman), ein reines Elektrofahrzeug (könnte ein Stadtauto sein oder ein Roomba-Derivat) und, als krasser Außenseiter, ein sportliches viertüriges Crossover-Coupé.

Keine Frage, die Kreation einer neuen Mini-Generation ist von der Aufgabenstellung vergleichbar mit der Erschaffung des nächsten VW Beetle, Landrover Defender oder Porsche 911. Kosmetik allein genügt nicht, auch die Marke muss sich weiterentwickeln, die hohen Preise erfordern ambitionierte Inhalte. Doch genau hier fehlt es offenbar an Fantasie und Visionen. Das bislang einzige verbindliche Zukunftsszenario betrifft die Verlängerung der Laufzeit des Mini-Grundmodells (F56) um zwölf Monate bis 2021 - das sind fast vier Jahre über die für 2018 terminierte Überarbeitung hinaus.