Sicherheit für Radfahrer Wie Tramschienen für Radler sicherer werden sollen

Die Unfallgefahr für Radfahrer durch Straßenbahnschienen ist kein großes, aber ein latentes Problem.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Straßenbahnschienen sind ein Problem für Radfahrer. Der Radfahrerverband ADFC verweist auf viele Stürze.
  • Die Stadt Zürich versucht, die Schienen so zu gestalten, dass sich Fahrradreifen nicht zwischen Asphalt und Gleis verkanten können.
  • Erste Tests scheiterten jedoch an der Kurzlebigkeit des Materials.
Von Thomas Harloff

Zürich gilt als vorbildlich, wenn es um den öffentlichen Nahverkehr geht. Der ist dort so gut ausgebaut, dass etwa ein Drittel des gesamten städtischen Verkehrs mit Bussen oder Straßenbahnen absolviert wird. Beim Radverkehr hat die 400 000-Einwohner-Stadt im Norden der Schweiz dagegen Nachholbedarf. Kaum ein Zürcher steigt auf das Fahrrad - was kein Wunder ist, wenn der ÖPNV so attraktiv ist. Und wenn sich Radfahrer nicht sicher fühlen.

Als eine der größten Gefahrenquellen empfinden die Zürcher jene Abschnitte, auf denen sie den Gleisen der Straßenbahn zu nahe kommen. Orte wie den rund um die Haltestelle Schwert im Stadtteil Höngg, gelegen im Nordwesten der Stadt.

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Ein Problem, das viele Radler kennen

In eine Richtung ist die Straße ein wenig abschüssig, sodass Fahrradfahrer hohe Geschwindigkeiten erreichen. Sie ist außerdem recht eng, und die Bordsteinkanten der Haltestelle ragen etwa 30 Zentimeter hoch. Um beim Tritt in die Pedale dort nicht aufzusetzen, fahren viele Radler etwas versetzt Richtung Straßenmitte. Dort verlaufen jedoch die Straßenbahnschienen. Die Reifen eines Fahrrads können hier leicht in den Spalt zwischen Gleis und Asphalt geraten und verkanten. Ein Sturz ist dann schwer vermeidbar.

Zwar zeigt die Unfallstatistik keine Signifikanz; einer aktuellen Studie der Unfallforscher der Versicherer (UDV) zufolge sind etwa drei Viertel der bei Straßenbahnunfällen Getöteten Fußgänger - und nur 16 Prozent Radfahrer. Bei den Schwerverletzten sind es 15 Prozent. Straßenbahnschienen seien für Radler dennoch ein Problem, wenn auch ein schwer zu fassendes, sagt der Radfahrerverband ADFC und verweist auf die vielen Stürze, die nicht gemeldet würden und zu einer hohen Dunkelziffer führten. Tatsächlich wissen die meisten Radfahrer, die sich vornehmlich durch größere Städte bewegen, von Stürzen oder zumindest heiklen Situationen zu berichten. Allerdings wird das Problem nirgends konsequent angegangen. Nicht in Berlin, nicht in München, auch nicht in Köln. Nur Zürich in der Schweiz hat versucht, seine Schienen für Radfahrer sicherer zu machen.

Ernüchternde Ergebnisse

Bereits mehrfach haben die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) versucht, das Problem zu lösen - wenn auch nur auf einem 90 Meter langen Teilstück rund um die Haltestelle Schwert. Bei einer ersten Maßnahme 2007 waren die damals verwendeten Rillenschienen, bei denen der Spurkranz in der Mitte positioniert ist, das Problem. Vor allem Rennradfahrer konnten mit ihren schmalen Reifen leicht in die Rille hineingeraten. Deshalb wurde sie mit verschiedenen Kunststoffen ausgefüllt, die sich, sobald eine Tram darüber fuhr, zusammenknautschten und danach wieder in ihre ursprüngliche Form zurückfanden. Schon nach kurzer Zeit brachen die Schweizer den Versuch ab: "Das Material hat sich schnell verkrümelt, die Fetzen lagen dann im ganzen Straßenraum herum", sagt Andreas Uhl, Sprecher der VBZ.

Im August 2013 dann ein neuer Versuch. Diesmal tauschten die Zürcher die gesamte Schiene aus, die Rillenschienen mussten normalen Eisenbahnschienen weichen. Hier ist der Hohlraum zwischen Gleis und Asphalt der Gefahrenherd und wird mit einem Kunststoffmaterial gefüllt. Wieder gilt das Prinzip: Die Straßenbahnen drücken es aufgrund ihres Gewichtes nach unten, die Radfahrer rollen einfach darüber. Erste Tests der Presse und des Interessenverbandes Pro Velo Zürich verliefen positiv, aber wieder hielt das Material nicht durch.