FCA-Chef Sergio Marchionne War die Fusion mit VW auf dem Weg?

Vor einem Jahr wären die Herren Marchionne und Winterkorn von Volkswagen beinahe beste Freunde geworden. Man redete zuerst über eine Kooperation und dann über eine Fusion, mit Alfa und Maserati als Mitgift für den Patriarchen Piëch, der SUV-Großmacht Jeep als weiteres Sahnehäubchen, und mit einer Allianz zwischen Chrysler und VW als breit angelegten Neuanfang auf dem US-Markt. Doch dann kam Dieselgate, Vorstandsboss Winterkorn ging, und die neue Führungsriege setzt wohl andere Prioritäten.

Das Marchionne-Lager demonstriert trotzdem weiterhin Zuversicht. Selbst hochrangige Manager glauben noch an eine verbriefte deutsch-italienische Freundschaft. "Wir können auch billig", betont der Mann an der Spitze, "und wir machen trotzdem Gewinn - Fiat schreibt zum Beispiel in 28 europäischen Märkten schwarze Zahlen."

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Trotzdem bleibt die Gerüchteküche kalt, denn mögliche Synergieeffekte werden durch Altlasten vermutlich neutralisiert. Dazu gehören massive Überkapazitäten, Prozesse aus einer vergangenen Zeit und eine aufgeblähte Belegschaft mit hohem Kostenrisiko. Da reift die Erkenntnis, dass es nicht viel bringt, die Kompetenz im klassischen Maschinenbau zu addieren, wenn man die hier wie dort vorhandenen Defizite in Bezug auf Elektromobilität, Digitalisierung und Systematik nur mit Hilfe Dritter kompensieren kann.

"Ich bin bereit, einen Pakt mit dem Teufel zu schließen"

Sergio Marchionne sieht sich als schöngeistigen Liebhaber klassischer Musik, der wissenschaftliche Abhandlungen verschlingt wie andere Krimis, der eigentlich Physiker werden wollte und der es augenzwinkernd bedauert, Karl Marx und Albert Einstein nicht persönlich kennengelernt zu haben. Gleichzeitig ist der FCA-Präsident, der partout kein Automann sein will, begeisterter Ferrari-Fahrer, dessen Paradepferde auf dem Fiat-Testgelände in Balocco untergebracht sind. Als Dienstwagen steht ein gepanzerter Dodge Ram mit Fahrer, Bodyguards und zwei Begleitfahrzeugen bereit. Vor dem Chalet am Genfer See parken weitere Boliden, darunter ein Dodge Hellcat mit 707 PS.

Kein Elektroauto? Marchionne winkt ab. "Bevor man damit Geld verdienen kann, muss die Infrastruktur passen, die Gesetzeslage klar sein, die etablierte Länderhoheit der Hersteller einer globalen Allianz weichen. "Dann bin ich sogar bereit, einen Pakt mit dem Teufel zu schließen."

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