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Selbstfahrende Autos:Es droht der Verlust der persönlichen Freiheit

Autonomes Fahren: BMW 5er auf der Autobahn

Die ersten selbständig fahrenden Autos sind schon auf öffentlichen Straßen unterwegs: ein BMW 5er auf einer Autobahn in der Nähe von München.

(Foto: ka.plewka; BMW Group)

Viele der Befragten fühlen sich zum passiven Beifahrer degradiert, gerade bei den älteren Autofahrern ist damit eine gewisse Angst vor drohendem Kontrollverlust verbunden. Führerscheinneulinge beklagen, dass sie die frisch erworbene Freiheit und Unabhängigkeit an einen Computer verlieren. Es geht ihnen wie vielen Menschen, die nicht nur den Machtzuwachs aus dem Motorraum genießen. Sie verstehen das Autofahren auch als Inbegriff eines selbstbestimmten Handelns, das sie nach den weniger privilegierten Mobilitätsformen der Kindheit und Jugend erst erwerben mussten. Studienleiter Alfred Schmitt hat zudem eine diffuse Angst vor Big Brother ausgemacht, die in Kommentaren wie "das ist der Einstieg in die totale Überwachung und Kontrolle" und "ein weiterer Schritt in Richtung entmenschlichte Gesellschaft" zum Ausdruck kommt.

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Bereits 2013 kam die Continental-Mobilitätsstudie zu dem Ergebnis, dass hoch automatisiertes Fahren mehr als der Hälfte der heimischen Autofahrer Angst macht. Rund 50 Prozent glaubten nicht daran, dass die Roboterfahrzeuge zuverlässig funktionieren werden. Die Continental-Mobilitätsstudie 2015 kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Am stärksten ist die Zustimmung für die neue Technologie in der Altersgruppe der 26- bis 30-Jährigen (51 Prozent).

Allerdings zeigt ein genauerer Blick in die Studie, dass nur 32 Prozent der Frauen vom autonomen Fahren überzeugt sind. Auch das jeweilige Fahrzeug spielt eine Rolle bei der Akzeptanz: Je kleiner das eigene Auto, desto geringer die Zustimmung zum Autopiloten. Bereits die Mobilitätsstudie 2013 hatte gezeigt, dass sich Erfahrungen mit Assistenzsystemen positiv auf die Akzeptanz künftiger Innovationen auswirkt: Wer im eigenen Auto erlebt hat, dass ein automatisches Notbremssystem einen Unfall verhindern konnte, wird eher bereit sein, seinem Fahrzeug noch mehr Verantwortung einzuräumen.

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Vorstellungen von dämonischen Maschinenwesen

Die Technik ist weiter als die Gesellschaft, die sie anwenden soll. Das zeigen nicht nur die ungeklärten Rechtsfragen rund um die Roboterautos, sondern auch diverse Studienergebnisse: Nur 64 Prozent der befragten Deutschen können mit dem Begriff automatisiertes oder autonomes Fahren überhaupt etwas anfangen, bei den Franzosen sind es gar nur 33 Prozent.

Zu dem Unwissen gesellen sich tradierte Vorstellungen von dämonischen Maschinenwesen: Sie haben die industrielle Revolution seit mehr als 200 Jahren begleitet und setzen sich als moderne Ohnmachtsfantasien im digitalen Zeitalter fort. Deshalb widmen sich Universitäten und Institutionen wie die Daimler- und Benz-Stiftung der verfahrenen Situation: "Wir untersuchen, ob sich typische Mensch-Roboter-Missverständnisse vorhersagen lassen", so Berthold Färber vom Institut für Arbeitswissenschaft der Universität der Bundeswehr München.

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Maschinen können mit Gesten nichts anfangen

Absehbare Probleme sieht Färber in den unterschiedlichen Interaktionsformen von Menschen und Maschinen - zum Beispiel beim schnellen Einfädeln im dichten Verkehr: In Deutschland geht das nur mit dem informellen Einverständnis des anderen. Statt den Blickkontakt oder ein Feedback durch Gesten zu suchen, würde eine regelkonforme Maschine unverhältnismäßig lange auf eine Lücke warten.

Auch in Südeuropa käme ein Roboterauto hier kaum vom Fleck, weil das Einfädeln meist über eine beschleunigte Fahrweise und durch Hupen kommuniziert wird. Zu den Verkehrsregeln kommt ein kulturelles Kontextwissen und lebensgeschichtliche Erfahrung, das den Maschinen abgeht. Ein Roboter kann bislang nur die Bewegungsrichtung und -geschwindigkeit eines anderen Objektes messen, dessen Motive bleiben ihm jedoch verschlossen. Es scheint, dass die grundverschiedenen Spezies noch viel voneinander lernen müssen.