Selbstfahrende Autos Rollende Rechenzentren

Einfacher, schneller, sicherer und umweltfreundlicher: Google will ein Fahrzeug herstellen, dass selbst fahren kann. Die Hoffnungen auf diese neue Form der Mobilität sind groß. Doch ausgerechnet die Autobauer könnten davon profitieren.

Von Thomas Fromm

Dieter Zetsche ist ein Automanager alter Schule. In der Welt dieser Manager waren die Dinge stets getrennt: Auf der einen Seite die Autobauer. Auf der anderen Seite diejenigen, die ihnen das zulieferten, was sie selber nicht machen wollten.

Deswegen fand der Daimler-Chef, dass das, was er im Frühjahr sah, nur wenig mit einem Auto zu tun hatte. "Wenn sie mal so ein Google-Fahrzeug gesehen haben, dann sieht das etwa so aus wie eine Mondlandefähre", lästerte Zetsche auf der Internetkonferenz re:publica im Mai über die neuen selbstfahrenden Autos des Internet-Riesen. Diese seltsamen Vehikel mit ihren aufmontierten Sensoren sollten Autos sein?

Was er wohl wirklich meinte, war: IT-Unternehmen sollen Autos vernetzen, sich um Navigationsgeräte kümmern, für die Kommunikation im Straßenverkehr sorgen, Internet und Mobilität verbinden. Kurz: Aus Autos so etwas wie rollende Rechenzentren machen. Aber für das Auto an sich sind andere zuständig.

Schöne, alte Auto-Welt? Von wegen.

Wenn der Automobilzulieferer Continental bei der Frankfurter Automobil-Ausstellung IAA am 10. September zu einer Pressekonferenz lädt, um, so heißt es in der Einladung lapidar, die "nächsten Entwicklungsschritte von Continental in Richtung des automatisierten Fahrens" vorzustellen, wird es wohl auch darum gehen: Wie Google, Conti und der High-Tech-Konzern IBM gemeinsam ihr Projekt eines selbstfahrenden Autos vorantreiben werden. In der Branche wird über ein so genanntes "Robo-Taxi" spekuliert, ein Taxi, das in Städten selbständig Gäste aufnehmen und ans Ziel bringen kann.

Es wäre eine erste große Kooperation, und wohl nur der Anfang. Das fahrerlose Fahren gilt in der Branche - so skurril es auch klingen mag - als Meilenstein. Die Hoffnungen sind groß: weniger Unfälle dank intelligenter Fahrzeugführung, mehr Sicherheit dank vorgegebener Beschleunigung, und vor allem: mehr Zeit für andere Dinge, während das Auto selbständig in Richtung Firmenparkplatz gleitet.

Bislang hat Google bei seinen Forschungsprojekten Toyotas umgebaut, mit Antennen bestückt und auf Reisen in Kalifornien und Nevada geschickt. Jetzt also der Wandel: Anstatt seine Technologie immer nur zu verkaufen und woanders einzubauen, will Google nun selbst in die Entwicklung und den Bau von Fahrzeugen einsteigen. Bis 2020 sollen die neuen Fahrzeuge reif für den Markt sein. Dann wären die Zuständigkeiten im Fahrzeugbau zum ersten Mal seit Jahrzehnten neu sortiert: Conti kümmert sich um das Auto, Google um Kommunikation und Fahrzeugsteuerung, und IBM um die Großrechner im Hintergrund, in denen Daten verarbeitet werden. Nur: Bisher waren es die Autobauer, die den Sound vorgaben. Und jetzt?