Seat Ibiza 1.4 16V Licht und Schatten

Das Aufregendste am neuen Seat ist seine Form: Wilde Kanten überall, nach oben, nach unten und wenn es sein muss, auch horizontal.

Von Jörg Reichle

Luc Donckerwolke besitzt nicht nur einen einprägsamen Namen, auch sonst hat der Designer bereits Spuren in der Autoindustrie hinterlassen. Vor allem bei Lamborghini. Als Chef-Gestalter war der gebürtige Belgier dort verantwortlich für die neue Kantigkeit, die die Sportwagenmarke unter dem Dach des VW-Konzerns nach langer Agonie wieder ans helle Licht der Begehrlichkeit beförderte. Der Gallardo gilt nicht zu Unrecht als aufregendster unter den derzeitigen Supersportwagen der Welt.

Seat Ibiza 2008: Wilde Kanten überall.

(Foto: Foto: Seat)

Jetzt arbeitet Donckerwolke bei Seat in Martorell bei Barcelona. Und ist als Chefdesigner kein bisschen zurückhaltender geworden, wie der neue Ibiza zeigt. Wilde Kanten überall, nach oben, nach unten und nur wenn es unbedingt sein muss, auch horizontal. Auf den weichen Flächen dazwischen sorgt das für ein anregendes Spiel von Licht und Schatten. Und für ein ziemlich grimmiges Gesicht. Ob das Auf und Ab der Linien womöglich zu viel des Guten ist, wird sich im Lauf der Zeit zeigen, auf den ersten Blick wirkt der neue Ibiza erst einmal erfrischend anders als die Konkurrenz von Opel Corsa bis Peugeot 207. Und anders sein ist ja durchaus ein Wert an sich in der mit Wettbewerbern randvollen Kleinwagenklasse.

Aber auch der Preis ist entscheidend. 12.190 Euro muss man für den billigsten viertürigen Ibiza anlegen, der Opel Corsa liegt einen Hauch darunter, aber ein Skoda Fabia ist immerhin 2000 Euro günstiger. Und wahrlich kein schlechtes Auto. Unser Testwagen, ein 1.4 16V mit 63 kW (85 PS) in der sogenannten Stylance-Ausstattung, kam mit einigen Extras wie Climatronic, Metallic-Lack und größere Leichtmetallräder unterm Strich auf 16.775 Euro, das sind nach guter alter Rechnung mehr als 32.000 Mark. Ziemlich happig für einen Kleinwagen. Dass ESP grundsätzlich serienmäßig ist im Ibiza, muss man ihm allerdings anrechnen.

Trotzdem sind die Erwartungen natürlich hoch - und die Neugier auf die erste längere Fahrt. In der Enge der Stadt, eingezwängt zwischen Ampel-Marathon und Parkhaus-Labyrinthen, zählen da erst mal die Kopf-Kriterien. Man sieht gut raus aus dem Ibiza, auch nach hinten, man sitzt ebenso und blickt auf sauber verarbeitetes Innenleben, das trotz der üblichen Plastik-Landschaft mit seinem Hell-Dunkel-Spiel dem Auge schmeichelt. Für die Spiegelungen in der Frontscheibe gilt das aber nicht. Leichtgängig sind dafür Lenkung und die Fünf-Gang-Schaltung. Und Bewegungsfreiheit gibt es auch genug im Ibiza, die Plattform des nächsten VW Polo, auf der der Spanier bereits steht, bietet etwas größeren Radstand als bisher. Und ordentlich Kofferraum - zwischen 292 und 847 Liter bei umgeklappter Rückbank.

Hinter der Stadtgrenze lernt man den Ibiza eher aus dem Bauch heraus kennen. Kurven mag er, kurze Wellen und schlechte Landstraßen dagegen überhaupt nicht. Uns ist das Fahrwerk insgesamt zu wenig komfortabel, aber weil Seat nun mal nach VW-Logik die sportliche Marke für junge Leute sein soll, ist das Fahrwerk entsprechend stramm. Andererseits bremst und lenkt der Ibiza gut, überrascht auch bei hohem Tempo nicht mit Eigensinnigkeiten. Er bleibt leicht zu beherrschen und wenn der Motor nicht ein derart erbarmungswürdiges Drehmoment hätte und ständig den Griff zum Schalthebel provozierte, wäre auch der Verbrauch in Ordnung. So aber liegt man meist deutlich über dem Normwert von 6,2 Liter. Eine ernsthafte Alternative bei den Kleinwagen ist der Ibiza aber allemal.

Seat Ibiza 1.4 16V: 63 kW (85 PS); max Drehmoment: 132 Nm bei 3800/min; 0-100 km/h: 12,2 s; Vmax: 175km/h; Verbrauch: 6,2 l Normal; CO2: 149 g/km; Euro 4; Grundpreis: 13.290 Euro.

Seat Ibiza 1.4 16V

Licht und Schatten