Scuderia GT am Irschenberg:Betreutes Parken für Supersportwagen

Ferrari F50 im Sportwagen-Parkhaus der Scuderia GT am Irschenberg.

Das Rot von Ferrari dominiert im Sportwagen-Parkhaus von Thomas Gerhofer.

(Foto: Frank Schlieben)

Wo bringt jemand seine sündteuren Edelkarossen und Oldtimer unter, wenn er nur selten damit fährt? Thomas Gerhofer löst dieses Luxusproblem - und bewahrt manchen Kunden vor teuren Fehlern.

Reportage von Frank Schlieben

Es ist angenehm kühl. Die Betonkonstruktion heizt sich auch bei 30 Grad Außentemperatur nur wenig auf, und die Lochbleche der Außenfassade schützen vor direkter Sonneneinstrahlung. Hier, auf der dritten Etage des Parkhauses, stehen knapp 30 Fahrzeuge, kühl und schattig gelagert. Graue Textilhauben bedecken die Autos, schützen sie vor Staub. Ihre Silhouette ist kaum zu erahnen. Nur vereinzelt blitzt eine polierte Alufelge oder ein Speichenrad unter einer der Hauben heraus. Das Bild erinnert an ein Rudel dicht gedrängt schlafender Wölfe.

Zwei Männer in Monteurkleidung steigen aus dem Lastenaufzug, einer zeigt auf eine der grauen Hauben links hinten in der Ecke. "Das steht er", sagt er zu seinem Kollegen und entfernt die Textilhaube. Zum Vorschein kommt ein Ferrari F12 Berlinetta in Ferrarirot. Ein Druck auf den Startknopf, und nach einem kurzen heißeren Röcheln brüllt der F12 aus allen zwölf Zylindern. Seine 740 PS sind trotz längerer Standzeit hellwach und einsatzbereit. "Klingt gut, gell", sagt Thomas Gerhofer. Er ist Eigentümer dieses Parkhauses im Gewerbegebiet Salzhub am Irschenberg.

Rot ist die dominierende Farbe

Bei einem Rundgang lüftet er im untersten Parkdeck einige der Abdeckungen. Dicht an dicht stehen hier automobile Träume, die den meisten Autofahrern vermutlich noch nie im Straßenverkehr begegnet sind. Neben einem Porsche Carrera GT duckt sich ein Mercedes-Benz SLS-Cabrio. Gegenüber steht ein Porsche 911 GT3 und eine Reihe weiter ein schwarzer Aston Martin in Vollcarbon-Ausführung mit unglaublichen 880 PS.

Doch die dominierende Farbe unter den Textilhauben ist rot, Ferrarirot. Neben aktuellen Modellen wie dem F12 oderdem 458 finden sich auch viele ältere und alte Modelle: Ferrari 512 TR, Testarossa, Ferrari Dino sowie verschiedene Modelle des legendären Ferrari 250 GTB Pininfarina Coupé. Darunter Exemplare, deren Gegenwert auch in der besten Wohnlage Münchens für den Kauf eines Eigenheims ausreichen dürfte.

Jedes Auto ist sofort startbereit

Ungefähr 90 Fahrzeuge sind aktuell im Parkhaus abgestellt, alle dank permanenter Batterieladung sofort startbereit und die meisten technisch und optisch nahe am Neuwagenzustand. Um Technik und Optik der Autos kümmert sich Thomas Gerhofer mit seinem Team. Denn in erster Linie betreibt er eine Werkstatt. Zugegeben, keine ganz normale. Abgesehen davon, dass Gerhofers Unternehmen Scuderia GT deutschlandweit einer von nur drei autorisierten reinen Ferrari-Servicebetrieben ist, hat er sich auf die Veredelung von Supersportwagen aller Art und die Restaurierung von Oldtimern spezialisiert. Aus dem Kerngeschäft, das Gerhofer vor rund 16 Jahren am Irschenberg gestartet hat, ist auch die Idee mit dem Parkhaus entstanden. Er nennt es "betreutes Wohnen".

"Wir betreuen immer mehr Fahrzeuge aus privaten Sammlungen in der Werkstatt." Weil gerade bei Sammlern viele Autos im Jahr nur an wenigen Tagen bewegt und oft nicht mehr als zwei- bis dreitausend Kilometer gefahren werden, erreichten die Scuderia GT pünktlich zu Beginn der ohnehin arbeitsintensiven Sportwagen- und Oldtimersaison im Frühling immer zahlreichere Hilferufe von Kunden, die mit ihren automobilen Raritäten nicht mehr aus der eigenen Garage kamen. "Typische Standschäden wie defekte Batterien, Undichtigkeiten an Motor und Getriebe, kaputte Reifen und so weiter mussten wir zum Saisonstart immer öfter in Feuerwehreinsätzen bei den Kunden lösen. Die Planung in der Werkstatt hat das oft völlig über den Haufen geworfen, denn hier fehlten die Leute natürlich, um geplante Aufträge zu bearbeiten."

Für jedes Auto gibt es eine elektronische Akte

Gerhofers Idee: Wenn die Kunden ihm ihre Autos das ganze Jahr über anvertrauen und sein Team sich kontinuierlich um die ständige Einsatzbereitschaft und den einwandfreien technischen Zustand kümmert, ist beiden gedient. "Für jedes Fahrzeug führen wir eine elektronische Akte, kennen die Service- und Reparaturhistorie und den aktuellen technischen Zustand und wissen, welche Arbeiten als Nächstes fällig werden", so Gerhofer.

Das hilft auch den Kunden, denn bei einem 40 Jahre alten Ferrari hat ein Reparaturstau ganz andere Auswirkungen als bei einem alten Golf. Zudem kann das Werkstatt-Team jetzt besser planen. "Wir wissen, welche Arbeiten an welchem Auto wann anstehen, wir bieten den Kunden ein Rundum-Wohlfühl-Paket, und wenn sie uns mit notwendigen Services und Reparaturen betrauen, haben sie jederzeit ein top-gewartetes einsatzbereites Fahrzeug zur Verfügung."

Ein Stellplatz kostet 180 Euro pro Monat

Will ein Kunde seinen Wagen nutzen, ruft er kurz an, lässt das Auto bereitstellen und gibt es danach wieder in die Obhut des Teams von Thomas Gerhofer. Und wer es besonders eilig hat, dem liefert die Scuderia GT den Wagen mittels Spezialanhängern bis in die Hotelgarage und holt ihn dort auch wieder ab.

Nicht vorhersehbar war der schnelle Erfolg des Angebots, das im April dieses Jahres startete. Inzwischen sind nur noch wenige der insgesamt 99 verfügbaren Stellflächen frei. Pro Monat zahlen Kunden für den Platz 180 Euro. Die permanente Ladung der Batterie ist hier wie der technische Check und die elektronische Fahrzeugakte inbegriffen. Wer einen Standplatz mieten will, muss sein Auto außerdem regelmäßig bewegen. "Ich will kein Museum, in dem die Autos nur herumstehen", sagt Gerhofer.

Von der Handwäsche bis zur Komplettrestaurierung

Die Betreuung reicht von der Handwäsche, Lackreparaturen und der kompletten optischen Aufbereitung über die klassischen Inspektionsservices bis hin zur Motorrevision oder einer Komplettrestaurierung. "Wir sagen den Kunden, was technisch aus unserer Sicht erforderlich ist, und die Kunden geben auf Basis unserer Beurteilung zusätzliche Leistungen in Auftrag. Das funktioniert rein auf Vertrauensbasis", erklärt Gerhofer. Vertrauen ist neben seinem Fachwissen sein wichtigstes Geschäftskapital. "Wer so wertvolle und im Unterhalt teure Autos fährt, möchte individuell zu seinem Fahrzeug beraten und betreut werden. Und das tun wir offen und ehrlich."

Unter Sportwagenfans genießt Gerhofer einen fast mythischen Ruf. Genährt wird der auch durch Geschichten wie die vom Besitzer eines Ferrari 250 GT Tour de France. "Der kam an einem Freitagnachmittag mit seinem extrem seltenen Auto bei uns auf den Hof und bat um Hilfe." In einer Ferrari-Niederlassung hatte man ihm zuvor mit der Feststellung abgespeist, dass sein Wagen vermutlich einen Defekt an der Zündanlage habe. Da könne man jetzt wenig machen, denn die Ersatzteile habe man nicht parat. Und außerdem sei gleich Mittagspause. Dem Team der Scuderia GT beschrieb der Kunde sein Problem erneut: häufige Motoraussetzer, ach ja, und der Zündschlüssel werde immer ganz heiß. "Na also, da haben Sie das Problem doch schon gefunden", ließ Gerhofer den verdutzten Mann wissen. Ein Blick unter das Armaturenbrett bestätigte seinen Verdacht. Wackelkontakt am Zündschloss, ausgelöst durch eine lockere Kabelklemme. "Eine Zange hat ausgereicht, um das Problem zu beheben."

Gerhofers Team berät auch Sammler

Solche Geschichten verbreiten sich in Fachkreisen schnell und wirken besser als jede Werbekampagne. Zudem sorgen sie dafür, dass immer mehr Kunden am Irschenberg um eine technische Expertise bitten. Viele, bevor sie sich ihren Traum vom historischen Supersportwagen erfüllen, insbesondere wenn sie bei der Vervollständigung ihrer Sammlung schon mal danebengegriffen haben. Das Beratungshonorar ist angesichts der oft geforderten sechsstelligen Fahrzeugpreise gut investiert. Denn hin und wieder erweist sich eine vom Verkäufer als "absolut lückenlos" dargestellte Fahrzeughistorie in Teilen als frei erfunden, was den Wert je nach Auto leicht um die Hälfte reduziert.

Gecheckt wird für eine Begutachtung immer zuerst die Historie eines Fahrzeugs beim Hersteller. Passen Motor und Chassis zusammen, wie sieht der Service- und Reparaturverlauf aus? Angesichts der Preise für alte Sportwagen ist die eigene Inaugenscheinnahme durch nichts zu ersetzen. "Am Telefon kann man schon eine ganze Menge Fakten prüfen, doch Bildern im Internet kann man fast nie trauen", weiß Gerhofer aus Erfahrung. Verdeckte und schlecht ausgeführte Unfallinstandsetzungen erkennt er beispielsweise nur direkt am Auto. Wurde nachlackiert, sind unzulässige Teile verbaut?

Seit der Finanzkrise sind viele zweifelhafte Autos im Umlauf

All das entscheidet darüber, ob ein Wagen tatsächlich wert ist, was der Verkäufer verlangt. Leider seien seit der Finanzkrise und den schwächelnden Kapitalmärkten viele zweifelhafte Fahrzeuge im Umlauf, die zu teilweise völlig überzogenen Preisen gehandelt würden. "Davon profitiere ich zwar auch", sagt Gerhofer, "denn viele dieser Autos landen bei uns, und wir restaurieren sie für viel Geld." Doch ihm sei lieber, die Kunden würden sich erst gar nicht über den Tisch ziehen lassen.

Dass sich der Hype um historische Sportwagen so bald nicht legen dürfte, zeigt die Auftragslage der Scuderia GT. Hier werden mehrere private Sammlungen betreut, die kontinuierlich wachsen. Entwickelt sich der Markt so weiter, kommt Gerhofer nicht um eine Erweiterung herum. Vorsichtshalber hat er schon mal Flächen für ein zusätzliches Parkhaus sondiert.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB