Schwebefähre Die Eiserne Lady

Ein Technik-Denkmal: Seit 95 Jahren überquert die Rendsburger Schwebefähre den Nord-Ostsee-Kanal.

Von Frank Behling

Ob es nur eine technische Spielerei war, die den Impuls zum Bau der Schwebefähre in Rendsburg gab, weiß in der schleswig-holsteinischen Kreisstadt heute niemand mehr. Denn als der Brückenbauingenieur Friedrich Voss zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ans Werk ging und drei neue Hochbrücken über den Kaiser-Wilhelm-Kanal baute, bedachte er nur die Rendsburger Brücke mit einer Schwebefähre. Beim Bau der beiden anderen Hochbrücken in Kiel und Hochdonn verzichtete Voss auf diese damals moderne Fährtechnik.

Luft-Nummer: An zwölf Stahlseilen hängt die Rendsburger Schwebefähre bei ihren 135 Meter langen Reisen über den Nord-Ostsee-Kanal.

(Foto: Foto: Ingo Wandmacher)

14 Meter lang, sechs Meter breit: die Rendsburger Schwebefähre

Inzwischen heißt die Wasserstraße Nord-Ostsee-Kanal und von den drei durch Friedrich Voss (1872-1953) gebauten Hochbrücken steht nur noch die 1911 bis 1913 entstandene Rendsburger Eisenbahnhochbrücke im Originalzustand. Und die Schwebefähre spielt trotz der Nachbarschaft von zwei Tunneln, zwei Autofähren und einer Autobahnbrücke im Verkehrsnetz zwischen Rendsburg und den Nachbargemeinden auf der Ostseite des Kanals eine tragende Rolle.

Die kleine Fähre, liebevoll "Eiserne Lady" genannt, sorgt dabei regelmäßig für kommunalpolitischen Zündstoff, der auch Verwaltungsgerichte beschäftigt. Grund sind nicht etwa die Fahrpreise, sondern schlicht die Verfügbarkeit. Inzwischen 95 Jahre alt, musste die Schwebefähre in den letzten beiden Jahren mehrmals stillgelegt werden; Wartungsarbeiten an Stahlseilen, Laufrollen und Motoren waren nötig.

Und stand die Fähre still, regte sich prompt Widerstand, denn: Für Hunderte Schüler aus der Gemeinde Osterrönfeld ist die Fähre der kürzeste Weg zu den Schulen in der Kreisstadt am anderen Kanalufer. "Das führte dazu, dass wir die Wartungsarbeiten ausschließlich in die Ferienzeiten legen. Das bringt zwar Proteste von Urlaubern, die das Bauwerk erleben wollen, aber die Schülerbeförderung geht vor", sagt Hauke Henningsen, Ingenieur beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Kiel-Holtenau.

Die Eiserne Lady

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