Schifffahrt Dreck ahoi!

Die AidaNova ist das weltweit erste Kreuzfahrtschiff, das zu 100 Prozent mit Flüssiggas (LNG) betrieben werden kann.

(Foto: obs)

Ein einziges Kreuzfahrtschiff stößt mehr Schadstoffe aus als Hunderttausende Autos zusammen. Das soll sich nun ändern. Erste Reedereien setzen auf verflüssigtes Erdgas.

Von Angelika Slavik

So ein Schiff ist ja schon ein verdammt beeindruckendes Ding. Da macht es keinen Unterschied, ob es Container nach Südamerika bringt oder Touristen durchs Mittelmeer schippert. Es ist riesig, stolz. Wenn man mal beobachtet hat, wie so ein Riesenfrachter wie die MSC Oscar sich an die Kaikante wuchtet, vergisst man es nie wieder. Und wenn man sieht, wie die Passagiere am Hamburger Kreuzfahrtterminal an der Reling stehen und winken, auch wenn es noch Stunden dauert, bis ihr Schiff ausläuft: Dann denkt man, dass es kein schöneres Bild für Fernweh geben kann als das.

So ein Schiff ist aber halt auch ein verdammt dreckiges Ding. Während Deutschland über Fahrverbote für Dieselautos streitet, blasen Schiffe unfassbare Mengen an Dreck in die Luft, meist ungefiltert. Der Schadstoffausstoß eines einzigen Kreuzfahrtschiffs entspricht ungefähr dem von 400 000 Pkws, mindestens. Umweltschutzorganisationen rechnen anders und setzen die Zahl noch deutlich höher an. Die Abgase sind schlecht für Flora und Fauna, sie sind schlecht für Menschen in den Hafenstädten und für die, die auf den Schiffen mitfahren. Und sie sind schlecht für das Image der Branche. Deshalb soll der Schiffsverkehr sauberer werden. Die Frage ist bloß: wie?

In diesen Tagen wird in der Meyer-Werft in Papenburg die Aida Nova fertiggestellt. Sie wird das erste Kreuzfahrtschiff, das vollständig mit LNG betrieben werden kann, also mit flüssigem Erdgas. LNG gilt derzeit als aussichtsreichste Technologie, wenn es darum geht, die Umweltbilanz des Schiffsverkehrs zu verbessern. Der Weg dahin ist allerdings teuer: Der Bau der Aida Nova kostet fast eine Milliarde US-Dollar. 6600 Passagiere werden auf dem Schiff Platz finden, in dessen Bauch lagern zwei riesige LNG-Tanks - und ein Vorrat an Marinediesel. Es ist rechtlich vorgeschrieben, dass das Schiff auch manövrierfähig sein muss, wenn die Versorgung mit LNG nicht gegeben sein sollte", heißt es beim Kreuzfahrtanbieter Aida Cruises. Die Aida Nova muss also herkömmlichen Treibstoff dabei haben, auch wenn das Schiff tatsächlich ausschließlich mit LNG fahren soll. Eine LNG-Füllung reicht für 14 Tage Normalbetrieb, die ersten geplanten Reisen sind kürzer. Die Routen umfassen zudem nur Häfen, in denen die Versorgung mit LNG gewährleistet ist. Die Aida Nova ist bei der neuen Technologie die Pionierin, andere Reedereien haben ebenfalls LNG-Schiffe bestellt, die nun rund um den Globus gebaut werden.

Der Trend setzt auch die Häfen unter Druck, entsprechende Infrastruktur bereitzustellen. Bislang bieten sieben europäische Städte LNG-Versorgung an, darunter Hamburg, Rotterdam und Barcelona. Palma de Mallorca plant die Einführung eines LNG-Angebots im nächsten Jahr, ebenso wie der wichtige Kreuzfahrthafen Kiel.

Der plötzliche Trend zum LNG-Antrieb habe vor allem mit dem öffentlichen Druck zu tun, sagt Daniel Rieger, Referent bei der Umweltschutzorganisation Nabu. Kreuzfahrten boomen. "Aber die Leute haben keine Lust auf schlechtes Gewissen in den Ferien", sagt Rieger. "Die Tourismusbranche will natürlich nicht riskieren, dass dieses Geschäft ein Imageproblem bekommt." Deshalb versuchen die Anbieter, ihre Schiffe so grün wie möglich zu bekommen - während die Containerreedereien sich Zeit lassen. Der Großteil der Frachtschiffe fährt noch heute nicht einmal mit Marinediesel, sondern mit Schweröl. Auf See, wohlgemerkt. In die Häfen kommen die meisten Schiffe mit schwefelarmen Treibstoffen. Ein Frachter der taiwanischen Reederei Yang Ming hat sich vor ein paar Jahren in Hamburg aber vertan und stellte schon im Hafen den Betrieb auf Schweröl um: Der Ausstoß war so heftig, dass im nahegelegenen Pflegeheim die Feuermelder auslösten. In den Fischrestaurants an der Elbe waren die Speisen plötzlich ungenießbar, weil mit schwarzen Ruß überzogen. Das ist der bittere Alltag auf See. Immerhin, in den nächsten Jahren werden die Emissionsvorgaben für Schiffe schrittweise verschärft.

Diesel Smoke on the Water
Schiffsdiesel

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