Rover 216i Cabriolet Britischer Sonnenschein

Ein praktisches Verdeck und ein sparsamer 122-PS-Motor

(SZ vom 25.08.1993) Wie der Humor, so auch die Autos, denn irgendwie ist das schon skurril: Gerade auf der Insel jenseits des Ärmelkanals, wo es doch angeblich nahezu täglich regnen soll, haben Cabriolets eine lange Tradition. Der britische Automobilhersteller Rover feiert zur Zeit eine Renaissance der aufgeschnittenen Autos - seit kurzem gibt es offiziell das Mini Cabrio, das eingefleischte Fans bisher unter Verzicht auf die Werksgarantie bei einem Karossier privat enthaupten ließen; in der 200-Baureihe stehen das 214i- und das 216i-Cabriolet bereit, nur das 100er-Cabrio läßt noch bis nächstes Jahr auf sich warten, weil es Qualitätsprobleme bei der Fertigung gab: Man hatte eine aushäusige Firma mit dem Entwurf des Cabrios beauftragt, nun muß Rover selbst nacharbeiten.

Die Fertigungsqualität hat Rover beim 216i offenbar gut im Griff - zumindest hatten wir mit dem Wagen, der uns zur Verfügung stand, keine Probleme: Da klapperte und quietschte nichts, nur die Windgeräusche wurden bei geschlossenem Verdeck bei Geschwindigkeiten von 130 km/h an aufwärts ziemlich unerträglich. Aber wer ein Cabriolet mit dem vielzitierten Bleifuß fährt, hat ohnehin nicht begriffen, was ein Cabrio ausmacht. So streiften wir - aus Gründen der Objektivität - nur kurz jenen Geschwindigkeitsbereich oberhalb der Richtgeschwindigkeit und genossen dann - soweit dies bei permanentem Regenwetter möglich war - die Freunden des Offen-Fahrens. Und das macht einem Rover mit dem 216i-Cabrio ziemlich leicht, denn das Verdeck ist schnell nach hinten geklappt. Dies erledigt ein elektro-hydraulischer Mechanismus, nachdem man zwei Sperrbügel manuell entriegelt hat - eine Tätigkeit, die auch bei den Damen der Schöpfung keine Angst um die Fingernägel hervorzurufen braucht.

Als Antriebsquelle steht ein 1,6-Liter- Motor zur Verfügung, der 90 kW (122 PS) leistet. Dieses Aggregat ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 193 km/h (nicht empfehlenswert) und einen Kraftstoffverbrauch von etwa acht bis neun Litern auf 100 Kilometer in der Praxis (empfehlenswert). Der Spurt von Null auf 100 km/h könnte in 9,6 Sekunden vollzogen werden.

Wir besinnen uns lieber auf die Annehmlichkeiten, die uns im 216i-Cabrio zur Verfügung stehen: elektrische Fensterheber, eine Zentralverriegelung, und elektrisch einstellbare Außenspiegel etwa. Nur an Ablagen fehlt es, um den Krimskrams, den man auf Reisen bei sich hat, vernünftig verstauen zu können.

Das wäre aber noch zu verschmerzen: Wirklich ärgerlich ist es, daß ein serienmäßiges ABS fehlt - und das bei einem Preis von 37 250 Mark. Wer den elektronischen Blockierverhinderer haben will, muß nochmals 2265 Mark auf den Tisch des Händlers legen. Ansonsten ist das Rover 216i-Cabriolet ein schönes Freizeitgefährt, wenn man auf einen üppigen Kofferraum verzichten kann. Denn der britische Sonnenschein macht auf deutschen Straßen schon Spaß - und das sogar in diesem verregneten Sommer.

Von Otto Fritscher