Rennstrecke Solitude Ein Schloss gab den Namen

Historische Rennwagen-Legenden

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Alles begann mit dem Schloss Solitude im Westen Stuttgarts, das dem Kurs seinen Namen gab. Schon 1903 gab es Bergrennen für Motorräder hinauf zum Schloss. Später kamen die Autos, Jahr für Jahr wurden die Rennen schneller. Schon damals hatte das Konsequenzen, viele Jahrzehnte bevor Baden-Württemberg grün wählte. 1928 wurden die Autorennen aus Sicherheitsgründen verboten, nur Motorräder durften auf den engen Straßen weiter durch den Wald rasen, auf unterschiedlichen Kursen.

Es dauerte mehr als zwanzig Jahre und einen furchtbaren Krieg lang, bis auch die Autorennen wieder begannen. 1949, im Jahr der Gründung der Bundesrepublik, war es so weit. Und in den wilden Sechzigern, als auf der ganzen Welt alles möglich schien, fuhr dann hier die Formel 1 über die Landstraßen.

Vielleicht kann man mit der Solitude-Strecke auch die deutsche Geschichte ganz gut erklären. Beim Revival in diesem Jahr war ein großes Rennen der Vorkriegswagen dem Fahrer Otto Merz gewidmet. Der Stuttgarter Daimler-Angestellte gewann die Solitude-Rennen in den Jahren von 1924 bis 1927, in der Weimarer Republik also.

Er war da schon ein Überlebender, denn am 28. Juni 1914 fuhr er in Sarajevo in einem Mercedes in der Kolonne des Erzherzogs Franz Ferdinand. An jenem Tag, an dem das Attentat auf den Erzherzog verübt wurde. Es war die Tat, die den Ersten Weltkrieg auslöste. Merz hatte noch versucht, den Erzherzog zu retten. Vergeblich. Im Jahr 1933, dem Jahr, in dem Hitler an die Macht kam, starb Otto Merz in Berlin. Bei einem Trainingsunfall auf der Avus.

Zuletzt, in den sechziger Jahren, kurz bevor die Strecke vor den Toren Stuttgarts geschlossen wurde, war das Wirtschaftswunder auch auf der Solitude angekommen, die schöne deutsche Nachkriegszeit. Porsche beispielsweise stellte auf dem alten Asphalt neue Modelle des Unternehmens vor, ganz sportlich am Start- und Zielhäuschen.

Und selbst heute sind die zwölf Kilometer durch den Wald noch immer ein Zeichen dafür, wie sich die Welt verändert - und wie auch nicht. Es gibt sie ja immer noch, diese alten schnellen Straßen in Deutschland, mitten in der Natur, manchmal menschenleer.

In einer hochverdichteten Zeit können die Kurven durch das Mahdental, gefahren an einem stillen Herbsttag, ein seltsam angenehmes Gefühl der Solitude erzeugen: ein Gefühl der schönen Einsamkeit, der Abgeschiedenheit. Denn nichts anderes heißt dieses Wort ja auf Deutsch. Und das schon lange, bevor die Motoren in den Glemswald kamen.

Sportsmann und Showmaster

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